Bandscheibenzellzüchtung – Biologische Wiederherstellung der Bandscheibe

Autologe Bandscheibenzelltransplantation (ADCT)

Bei der ADCT handelt es sich um ein regeneratives Verfahren. Dieses kann in bestimmten Fällen die Wiederherstellung der Biologie der Bandscheibe erzielen sowie die Verringerung des Bandscheibenvolumens nach einem Bandscheibenvorfall bzw. bei Bandscheibenverschleiß ausgleichen.
bandscheibenzellzüchtung_1.jpg



Bei der Bandscheibenzellzüchtung werden mittels feinster Spezialinstrumente aus dem bei der Bandscheibenoperation resezierten Bandscheibengewebe oder aus dem verschlissenen Bandscheibegewebe Zellen entnommen. Zu einem späteren Zeitpunkt werden diese körpereigenen Zellen wieder in die betroffene Bandscheibe transplantiert und können dort neues Bandscheibengewebe bilden. Es gibt keine Abstoßungsreaktionen, da es sich um körpereigene Zellen handelt.

Von besonderer Bedeutung bei dieser Behandlungsmaßnahme ist, dass die implantierten Zellen ihre Vitalität erhalten und in den Zellverband eingebaut werden. Darüber hinaus können diese angezüchteten Zellen auch ihre funktionellen mechanischen Aufgaben erfüllen. Sie sind in der Lage, reguläre extrazelluläre Matrix zu produzieren. Das heißt, die Zellen vermehren sich, kitten die Einrisse des Bandscheibenringes und sorgen für eine vermehrte Wassereinlagerung. Die wesentliche Folge ist, dass die Bandscheibe ihre ursprüngliche Funktion weitgehend wieder normal aufnehmen kann.

Behandlung

Die Wirbelsäulenspezialisten aus der Praxisklinik Dr. Schneiderhan haben für die Entnahme des Bandscheibengewebes bei der Behandlung von degenerierten Bandscheiben ein spezielles Mikroinstrumentarium entwickelt.

Ähnlich wie bei einer Kontrastmitteleinspritzung in die Bandscheibe (Diskographie) oder bei der Mikrolaserbehandlung wird nur eine dünne Nadel in das Bandscheibengewebe eingeführt. Der Eingriff ist für den Patienten schmerzlos und wird sowohl in lokaler Betäubung wie auch in Analgosedierung durchgeführt.

Das speziell entwickelte Mikroinstrument zur Gewinnung des Bandscheibengewebes wird nachfolgend durch die bereits liegende Nadel in die Bandscheibe eingeführt. Kleinste Mengen von Bandscheibengewebe werden gewonnen und in einer Speziallösung zusammen mit 250 ml Blut des Patienten hoch steril zu dem Unternehmen co.don AG (Teltow bei Berlin) gesandt.

Dort werden die Zellen des Patienten vom Patientenserum zum Autologen Bandscheibenzelltransplantat "co.don chondrotransplant® DISC" gezüchtet. Dies erfolgt nach den Regularien des Arzneimittelgesetzes.

Wenn ausreichend lebens- und teilungsfähige Bandscheibenzellen gewachsen sind, wird das Bandscheibentransplantat "co.don chondrotransplant® DISC" nach 3 Monaten unter gesicherten Bedingungen mittels einer schmerzlosen Injektion, Bildwandler gesteuert, direkt in den betroffenen Bandscheibenkern der Bandscheibe transplantiert.

bandscheibenzellzüchtung_2.jpgbandscheibenzellzüchtung_3.jpg

Indikation

Behandlungsstandard bei operationsbedürftigen Bandscheibenvorfällen ist gegenwärtig (sofern minimal-invasive Verfahren aufgrund der Größe des Bandscheibenvorfalles ausscheiden) die mikrochirurgische Entfernung des krankhaften Gewebes.

Ein wichtiges Behandlungskriterium - die Wiederherstellung des ursprünglichen Bandscheibenvolumens und damit die ursprüngliche Bandscheibenhöhe - war und ist damit nicht zu erzielen. Hieraus können eine vermehrte Beweglichkeit des betroffenen Wirbelsegmentes und ein vorzeitiger Verschleiß der beteiligten Wirbelgelenke resultieren. Aus dem Wirbelgelenkverschleiß kann wiederum eine schmerzhafte Wirbelsegmentinstabilität entstehen.

  • Bandscheibenvorfall oder Bandscheibenvorwölbung
  • Bandscheibenverschleiß
  • Bandscheibenschmerz (intradiskales Schmerzsyndrom)

Nicht nur Bandscheibenvorfälle sondern auch zunehmend verschleißbedingte Veränderungen in den Bandscheiben selbst führen zu einer eigenständigen Schmerzursache - dem isolierten Bandscheibenschmerz (intradiskales Schmerzsyndrom).

Ab einem gewissen Ausmaß an Bandscheibenverschleiß kommt es zu einem Einsprossen von Schmerzfasern und Blutgefäßen in die Bandscheibe. Zusätzlich entstehen in der Bandscheibe auch Schmerzhormonbildungsstätten. Verschleißbedingt verliert die Bandscheibe zusätzlich an Höhe und es kann eine schmerzhafte Wirbelsegmentinstabilität entstehen.

Stellenwert/Vorteil

Stellenwert

1996 wurden die ersten autologen Bandscheibenzelltransplantationen durchgeführt. Eine Pilotstudie zu klinischen Anwendungen wurde 1999 eingeleitet. Die ersten Ergebnisse der 5-Jahreskontrollen liegen vor und zeigen sehr gute Ergebnisse. Gegenwärtig wird eine europaweite Studie durchgeführt, in deren Rahmen bereits über 100 Patienten mit dieser Methode behandelt wurden.

Vorteile

  • Es handelt sich um ein minimal-invasives Verfahren, das unter kurzstationären Bedingungen durchgeführt werden kann.
  • Bereits vor Einführung der ADCT wurden andere Versuche unternommen, die Bandscheibe bzw. die Bandscheibenhöhe wieder herzustellen. Diese bestanden aus der Behandlung mit Kollagen II, Hyaluronsäure oder zusätzlichen Wachstumsfaktoren. Der Vorteil der autologen Bandscheibentransplantation (ADCT) besteht darin, dass es sich um körpereigenes Material handelt. Dieses ersetzt nicht nur das Bandscheibenvolumen, es kann auch funktionell wirksam werden.

Nach der Behandlung

Als Vorsichtsmaßnahme darf der Patient nach dem Retransplantieren der Zellen für 24 Stunden nicht aus dem Bett aufstehen, damit es nicht zu einem Verlust von Zellen durch die Injektionsstelle kommt. Mit Trainingsmaßnahmen kann bereits nach wenigen Tagen begonnen werden. Nach 3 Monaten und einer MRT-Kontrolle kann ein Aufbauprogramm für die Rückenmuskulatur eingeleitet werden.

Arbeitsfähigkeit

Leichte körperliche Arbeiten, wie z. B. Bürotätigkeiten, können nach einer Woche wieder aufgenommen werden. Körperlich belastende Arbeiten sollten - je nach Intensität - frühestens 4 Wochen nach der Retransplantation wieder begonnen werden.

Sportaktivitäten

Körperliche Belastungen durch unterschiedliche Sportarten sind in Abhängigkeit vom Ausgangsbefund wenige Wochen nach dem Eingriff wieder möglich.

Zu beachten

Wir empfehlen die Versorgung der Patienten mit einem entlastenden Rückenkorsett für die Zeitdauer von 4 bis 6 Wochen.

Experten

Forum

Berichte

”Heute besteht die Möglichkeit - ähnlich wie bei der Gelenkknorpelzüchtung (Chondrozytenzüchtung) für den Knie- und Sprunggelenk-
bereich - mit Hilfe eines speziellen Zellkulturverfahrens gesunde Knorpel-
zellen zu gewinnen und zu vermehren.“
Dr. Reinhard Schneiderhan

Kontakt

Haben Sie Fragen?

Hotline zum Kontaktformular Patientenforum Sie fragen – unsere Experten anworten.