Medikamentöse Behandlung
Eine medikamentöse Schmerztherapie sollte immer nur in Kombination mit weiteren Behandlungsmaßnahmen, wie z.B. minimal-invasiven Schmerztherapieverfahren, erfolgen, die auch an der Schmerzursache ansetzen. Ebenso sollte einer medikamentösen Schmerztherapie immer eine umfangreiche und gezielte Diagnostik zur Erkennung der eigentlichen Schmerzursache vorausgehen.
Klassische Schmerzmittel
Medikamente gegen mittelstarke Schmerzen: NSAR
Medikamente wirken schnell, zuverlässig und lassen sich intelligent verabreichen. Selbst-verständlich müssen zusätzlich Maßnahmen erfolgen, die an der Schmerzursache ansetzen.
Dr. Astrid Maria Scherzberg
Zu den am meisten verschriebenen Schmerzmedikamenten gehören die nicht-steroidalen Anti-Rheumatika (NSAR) wie z.B. Diclofenac, Ibuprofen oder die neuen COX-2-Hemmer. Wirkstoffe wie Diclofenac haben sich in der Behandlung bewährt, doch können sie auch unerwünschte Nebenwirkungen an Magen oder Darm hervorrufen.
Bei Ibuprofen treten diese Nebenwirkungen schon seltener auf. Mit den neuen COX-2-Hemmern jedoch stehen inzwischen deutlich besser verträgliche Schmerzmittel zur Verfügung. Hier kommt es kaum noch zu Magen- oder Darm-Unverträglichkeiten. Diese Schmerzmittel werden bei mittelstarken Schmerzen eingesetzt.
Medikamente gegen sehr starke Schmerzen: Opioide
Zu den wirksamsten Mitteln gegen Schmerzen zählen die Opioide, darunter auch moderne Morphin-Präparate. Sie beeinflussen die Schmerzunterdrückung in Gehirn und Rückenmark, wirken also nicht im betroffenen Körperteil oder Organ.
Anders als in verschiedenen Nachbarländern werden opioidhaltige Präparate in Deutschland bisher wegen der Suchtgefahr bei Dauerbehandlung sehr zögerlich und nur bei schweren Schmerzen verschrieben. Doch bei richtiger Anwendung und individuell angepasster Dosierung besteht kein Suchtrisiko. Opioide können nicht nur Krebspatienten sondern auch vielen anderen Schmerzpatienten zu einem schmerzfreien Leben verhelfen.
Weitere Wirkstoffe
Antidepressiva als Schmerzmittel
Antidepressiva verfügen über ein eigenes schmerzunterdrückendes Wirkprinzip. Sie verändern die Schmerzwahrnehmung sowohl im Rückenmark als auch im Gehirn. Eine erfolgreiche Schmerztherapie beschränkt sich nicht nur auf die Behandlung direkt am Ort der Schmerzursache, sondern auch im zentralen Nervensystem und im Gehirn. Antidepressiva haben sich aus diesem Grunde besonders bei Patienten mit chronischen Schmerzen bewährt, weil sie beispielsweise die Schwelle der Schmerzwahrnehmung erhöhen.
Muskelentspannende Mittel in der Schmerztherapie
Neben einer raschen Behandlung des Akutschmerzes verhindern muskelentspannende Mittel häufig, dass der Schmerz chronisch wird. Wichtig ist hierbei die Verringerung einer schmerzhaft erhöhten Muskelspannung, um den Teufelskreis aus ursprünglicher Schmerzursache und erst danach auftretender Muskelverspannung zu durchbrechen.
Darreichungsformen
Tabletten und Tropfen
Bei der Einnahme von Tabletten sind Nebenwirkungen in Magen oder Darm möglich. Auch bestimmte Nahrungsmittel können die Wirkung beeinträchtigen. Ein Fachmann klärt Sie darüber auf. Mögliche Lösung: So genannte Retard- bzw. Depottabletten stellen sicher, dass der Wirkstoff über einen längeren Zeitraum kontinuierlich freigesetzt wird und so gleichmäßiger wirken kann.
Werden Tropfen eingenommen, so müssen Einnahmezeitpunkt und -menge exakt stimmen, um einen unerwünscht wellenförmigen Verlauf der Wirkung, d.h. wiederkehrende Schmerzen, zu vermeiden. Das kann aber im Alltag nicht immer gewährleistet werden.
Schmerzpflaster
Für Patienten mit stärksten Schmerzen, bei denen eine kontinuierliche Dauerwirkung des Schmerzmittels nötig ist, haben sich moderne Schmerzpflaster als Alternative zu Tabletten bewährt. Der Vorteil: Der Patient muss nicht ständig an die Einnahme seines Medikamentes denken und bleibt dauerhaft schmerzfrei. Die Abgabe des Wirkstoffes erfolgt präzise, kontinuierlich und regelmäßig.
Die schmerzstillende Substanz gelangt aus dem Pflaster durch die Haut in den Körper. Da sie nicht über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen wird, sind störende Wechselwirkungen mit den Verdauungssäften und die möglicherweise daraus resultierenden Beschwerden kein Thema mehr.
Nachteil der herkömmlichen Reservoir-Pflaster ist, dass sie sich beim An- und Ausziehen oder beim Duschen ablösen können, wenn man nicht aufpasst. Besser halten die neuen Matrix-Pflaster, die sogar länger als Morphin wirken und trotzdem ein geringeres Suchtrisiko haben.
