Mikrochirurgische Entfernung einer Bandscheibe an der HWS mit anschließendem Einsetzen eines Carbon-Implantats
Behandlung
Unter Vollnarkose wird ein ca. drei bis vier Zentimeter langer Hautschnitt an der Halsvorderseite (ähnlich wie bei einer Schilddrüsenoperation) angelegt. Halsschlagader, Kehlkopf und Speiseröhre werden zur Seite verlagert und geschont. Anschließend entfernt der Chirurg unter mikroskopischer Sicht mit entsprechend feinen Instrumenten die Bandscheibe mitsamt dem vorgefallenen Gewebe komplett. Zusätzlich entfernt er verknöcherte Bandscheibenanteile sowie Knochenausziehungen der Wirbelkörper (Osteophyten), die auf Rückenmark oder Nerven drücken.
Danach setzt der Arzt ein Implantat (engl. cage) aus Carbon als Platzhalter in den ausgeräumten Bandscheibenraum ein. Das Implantat sorgt für den richtigen Abstand und die regelrechte Stellung der Wirbelkörper zueinander. Innerhalb weniger Wochen wachsen die beteiligten Wirbelkörper knöchern zusammen. Danach ist die Halswirbelsäule wieder stabil und belastbar.
Indikation
Dr. med. Frank Sommer erklärt: "Auch durch Ausschöpfen konservativer und/oder minimal-invasiver Behandlungen ist es nicht immer möglich, nur den hervorgetretenen Teil der Bandscheibe zu entfernen und die bedrängten Nerven zu entlasten. In diesen Fällen muss die starre Bandscheibe, die ihre Funktion als Puffer nicht mehr ausüben kann, von der Vorderseite aus komplett entfernt werden."
- Ausgedehnte bzw. teilweise verknöcherte Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule
- Wirbelkanalverengungen (Spinalkanalstenose) der Halswirbelsäule mit Bedrängung des Rückenmarks
- Nervenkanalverengungen (Foramenstenosen) mit Bedrängung von Rückenmarksnerven und Instabilitäten der Halswirbelsäule (Wirbelgleiten)
Stellenwert/Vorteil
Stellenwert
Die Entfernung der Bandscheibe ist ein etabliertes Verfahren mit guten Ergebnissen. Bei erfahrenen Operateuren ist die Komplikationsrate gering. Unter Berücksichtigung aktueller Studien ist mit einer Erfolgsrate von über 90 Prozent zu rechnen.Vorteile
- Es handelt sich um eine sehr effektive Behandlung, die nur einen kurzen stationären Klinikaufenthalt erfordert.
- Durch die Verwendung moderner Mikroinstrumente werden umgebende Gewebe nur wenig verletzt. Schmerzen und Lähmungen bilden sich schnell zurück.
Nach der Behandlung
Arbeitsfähigkeit
Schreibtischarbeiten sind nach drei Wochen wieder möglich, stärker belastende Tätigkeiten - abhängig von den körperlichen Anforderungen des jeweiligen Berufs - nach etwa vier Wochen.Sportaktivitäten
Bereits zwei bis drei Wochen nach dem Eingriff sind Sportarten wie Laufen, Walken, Rad fahren und Schwimmen wieder erlaubt und möglich. Nach vier Wochen darf sich der Patient wieder voll belasten und sogar Kontakt- und Kraftsportarten ausführen.Experten
Dr. med. Samer Ismail
Facharzt für Neurochirurgie
Dr. med. Frank Sommer
Facharzt für Neurochirurgie
