Diskushernie L4/L5
Frage vom Wed 19. Jan 2005 19:46
Guten Tag
Ich bin knapp 2 m lang und habe einen Körperbau mit mässiger muskulärer Ausstattung. Bereits 1995 musste ich mich einer Bandscheibenoperation unterziehen. Nun plagen mich seit rund einem Monat Schmerzen und Irritationen im linken Bein, seitlich über den Oberschenkel bis zum bis zum Fuss verlaufend und zunehmend auch im rechten Oberschenkel. Seit 14 Tagen nehme ich Schmerzmittel (Ecofenac 150 kombiniert mit Mydocalm) und schone mich nach Möglichkeiten. Die Medikamente bringen zeitweise eine Erleichterung. Eine Cortisonspritze in die Wirbelgelenke zeigte keine Wirkung.
Nachdem mir ein chirurgischer Eingriff mit einer Ruhephase von 2 bis 3 Monaten in Aussicht gestellt wurde, bin ich auf Ihrer homepage auf die Methode der endoskopischen Bandscheibenvorfallentfernung gestossen und möchte folgende Fragen an Sie richten:
Können Sie mir eine konservative Behandlungsmethode empfehlen?
Erscheint aufgrund des Befundes eine Operation verhältnismässig?
Ist aufgrund des Befunds eine endoskopischer Eingriff denkbar und Erfolg versprechend?
LWS ap./seitlich
Befund/Beurteilung:
Diskrete linkskonvexe Skoliose-Fehlhaltung der Wirbelsäule mit Scheitelpunkt am lumbo-sakraten Übergang. Ansonsten konventionell-radiologisch normales LWS-Skelett mit normaler Konfiguration der einzelnen Lendenwirbelkörper und erhaltenem Alignement. Normale Weite der Bandscheibenräume.
Lumbale vertebrospinal« Kernspintomographi«
Befund:
Normale Darstellung der Wirbelkörper am thorako-lumbalen Übergang und lumbal. Normale Bandscheibensituation am thorako-lumbalen Übergang und lumbal bis und mit L2/L3 T2-gewichtete Signalreduktion der Disci L3-S1. Leichte Hypertrophie der Gelenksfacetten L3-S1. Diskrete mediane Diskusprotrusion L3/U mit leichter Duralschlauch-Anhebung. Diskogen und spondylogen etwas enger Spinalkanal ohne Kompression neurater Strukturen. Große mediorechts nach caudal subluxierende Diskushernie L4/L5 mit kompletter rechts recessaler Obliteration und Dorsalverlagerung sowie Kompression der L5-Nervenwurzel rechts. Maßiggradige wahrscheinlich anlagebedingte Höhenminderung der Bandscheibe L5/S1. Leichte narbige Veränderungen nach vermuteter Discushernien-Operation L5/S1 links. Keine signifikante spinale oder foraminale dadurch bedingte Enge
Beurteilung
Medio-rechts nach caudal-recessal subluxierende Diskushernle L4/L5 mit rechts recessater Obliteration. Dorsalverlagerung and mäßiger Kompression der L5-Nervenwurzel rechts. Wenig Narbengewebe links recessal und am links foraminalen Eingang L5/S1 ohne eindeutig fassbare Nervenkompression. Angedeutete mediane Bandscheibenprotrusion L3/L4 ohne signifikante Duralschlauchimpression. Dehydratation der Bandscheiben L3-S1. Höhenminderung der Bandscheibe L5/S1 und leichte Spondylarthrose L3-S1. Ansonsten normales lumbales vertebrospinales Kernspintomogramm.
Ich danke Ihnen für Ihren fachkundigen Rat.
Freundliche Grüsse
Antwort von Dr. med. Reinhard Schneiderhan vom Thu 27. Jan 2005 12:25
Sehr geehrter Herr E.,
neben den von Ihnen beschriebenen Maßnahmen (Physiotherapie wurde Ihnen wahrscheinlich auch schon empfohlen) wäre noch ggf. eine gezielte Spritze an die irritierten Nervenwurzeln zu nennen. Ebenso wie die von Ihnen genannte Spritze an die Wirbelgelenke soll solch eine Infiltration für eine Abschwellung und Beruhigung der irritierten Nervenwurzel sorgen. Nachdem der Bandscheibenvorfall laut Ihren Beschreibungen jedoch offensichtlich eher groß ist, kann es jedoch sein, dass Sie um einen Eingriff möglicherweise nicht herumkommen. Wenn Sie im Laufe der Zeit Besserungstendenzen verspüren, können Sie konservativ noch einige Zeit fortfahren. Eventuell muss später doch über einen Eingriff diskutiert werden. In diesem Fall erscheint, nach Ihrer Beschreibung, ein so genanntes minimal invasives Verfahren, wie beispielsweise eine Laserung oder ein Katheterverfahren langfristig eher nicht ausreichend zu sein. Auch dies wäre jedoch zu diskutieren. In der Tat ist Ihrer Beschreibung nach eine mikroskopisch assistierte Entfernung des Bandscheibengewebes die viel versprechendste Vorgehensweise. Ein solcher Eingriff ist mit etwa drei Tagen stationärem Aufenthalt verbunden. Eine stationäre Rehabilitationsmaßnahme ist meist nicht notwendig.
Mit freundlichen Grüßen
Dr.med.R. Schneiderhan
