Nervenblockaden bei Postnukleotomie-Syndrom
Frage vom Sun 27. Jul 2003 14:09
Ich wurde in 12/00 an der Bandscheibe L5/S1 operiert (Massenprolaps). Ca. 4 Wochen stellten sich erneut unsägliche Schmerzen im Steißbein-Bereich ein (keine ausstrahlenden Schmerzen mehr). Laut CT habe ich innere Vernarbungen. Ich bin seit 10/01 in ambulanter Schmerztherapie. Meine Medikation ist Valoron 2-0-1, Mydocalm 1-0-2, Stangyl. Da jedoch keine ausreichenden Fortschritte mehr erreicht werden (ich halte momentan einigermaßen konstant 4 Stunden Aufsein nach dem Aufstehen aus - mir ist jedoch ständig übel und schwindlig, meine Konzentration lässt sehr zu wünschen übrig und ich bin unheimlich müde), drängt mein Therapeut auf eine weitreichendere Behandlung. Ich bin z.Z. noch berentet und möchte mit 38 Jahren natürlich auch wieder ins Arbeitsleben zurück. Eine erneute Operation schließe ich für mich persönlich aus. Diverse Schmerzkliniken bieten verschiedene Nervenblockaden mittels Katheter an. Hält die Schmerzbefreiung jedoch nach dem stationären Aufenthalt weiter an? Nach Rücksprache mit einem weiteren Schmerztherapeuten meinte dieser, dass die Schmerzen anschließend genauso wieder auftreten. Wie ist Ihre Meinung hierzu bzw. welche (bezahlbaren) Methoden kämen evtl. noch in Frage (Kassenpatient)? Inwieweit kann eine SCS weiterhelfen und bin ich dann noch "alltagstauglich"?
Antwort von Dr. med. R. Schneiderhan vom Tue 05. Aug 2003 15:17
Sehr verehrte Frau R.,
bei einem therapieresistenten Postnukleotomiesyndrom käme ggf.bei Patienten Ihres Alters z.B. die Implantation einer Bandscheibenprothese in Betracht. Alternativ die Versteifung dieses Segmentes (Spondylodese). Sie schließen jedoch erneute Operationen für sich aus.
Ein Rückenmarksstimulationssystem (SCS) kann jedoch auch nur über einen operativen Eingriff implantiert werden. Das sollten Sie bedenken. Dieses SCS-System hilft nach meiner Erfahrung bei ca. 50 % der Patienten. Es kommt jedoch öfters zu Problemen mit der Reizsonde (Kabelbruch bzw. Ver-rutschen der Sonde). Des weiteren muss die implantierte Batterie öfters ausgetauscht werden. Deswegen ist die oben angeführte Operationen (Prothese oder Versteifung) eher anzuraten, weil damit auch die Ursache der Schmerzen und nicht nur der Schmerz alleine bekämpft wird.
Alternativ käme evtl. die Behandlung mittels eines epiduralen Schmerzkatheters nach Prof. Racz in Betracht. Der Therapieerfolg ist zwar nicht sicher, aber nach unseren Erfahrungen kommt es bei ca. zwei Drittel der Patienten mit einem Postnukleotomiesyndrom zu einer anhaltenden Verbesserung der Beschwerden. Diese Schmerzbefreiung hält in der Regel auch langfristig an. Bei der Katheterbehandlung ist eventuell, falls Ihre Krankenkasse die Behandlung nicht übernimmt, ein Eigenanteil zu bezahlen.
Mit freundlichem Gruß,
Dr. med. R.-O. Oeljeschläger
