Neuromodulation Reversible Beeinflussung der Nervenleitungen
Intrathekale Pharmakotherapie (Medikamentengabe in das Rückenmark)
Intrathekale Pharmakotherapie
Bei diesem Verfahren wird die neuronale Transmission (Nervenleitung) durch Medikamente beeinflußt, die Transmitterfunktionen (Weiterleitungsaufgaben) übernehmen. Goldstandard ist Morphin. Andere Substanzen wie z.B. Lokalanästhetika kommen teilweise auch zum Einsatz.
Grundsätzlich muß diese Therapie getestet werden. Die motorischen Funktionen, Gefühlsqualitäten und die sympathischen Reflexe werden durch die eintretende Analgesie (Schmerzausschaltung) nicht beeinträchtigt.
Indikation
- Chronische Schmerzen im spinalen Einzugsgebiet (Wirbelsäulenursprung), wenn durch die systemische
- Pharmakotherapie (medikamentöse Behandlung mit Opioiden) kein ausreichender Wirkeffekt erzielt werden kann und für die Patienten unzumutbare Nebenwirkungen auftreten
Stellenwert
Eine ausreichend lange Testbehandlung vor Durchführung der intrathekalen Pharmakotherapie ist erforderlich. Eine qualifizierte kontinuierliche Langzeitbetreuung der Patienten einschließlich Dokumentation des Behandlungsverlaufes ist Voraussetzung.
Vorteil
Die Nebenwirkungen einer medikamentösen Behandlung z.B. mit Opioiden in der dafür notwendigen Dosierung können wesentlich reduzier werden.
Nachbehandlung
Eine begleitende und abgestimmte Physiotherapie wird empfohlen. Diese orientiert sich im wesentlichen an der Beschwerdesymptomatik des Patienten. Bei zunehmender Schmerzreduktion kann eine sorgfältige Bewegungstherapie sowie eine abgestimmte Muskelkräftigungstherapie einsetzen.
Arbeitsfähigkeit
Durch die effektive Schmerzunterbindung kann nach Eintritt der medikamentösen Wirkung ein Wiedereintritt der Arbeitsfähigkeit erreicht werden.
Sportaktivitäten
Nach Eintritt der medikamentösen Wirkung stellt sich oft eine wesentliche Besserung der Mobilität ein.
Ergebnisse
Auf den internationalen Konsensuskonferenzen in Memphis 1997 und in Brüssel 1998 wurden die internationalen Erfahrungen zusammengefaßt und Empfehlungen zur rückenmarksnahen Langzeittherapie mit Opioden auch bei nichtmalignen Schmerzen gegeben. Diese Empfehlungen basieren im wesentlichen auf zwei retrospektiven Studien von Paice et al. und Winkelmüller. In beiden Studien wurden sowohl Patienten mit Krebsschmerz als auch Patienten mit nichttumorbedingten neuropathischen, nozizeptiven und gemischt nozizeptiv-neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen) über einen längeren Zeitraum beobachtet und ausgewertet. Die durchschnittliche Schmerzreduktion lag bei allen Patienten bei über 60%. Hervorgehoben wurde eine wesentliche Verbesserung der Lebensqualität.
