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2.Januar 2005 | Welt am Sonntag: ab ins BettVorschau: der folgende Presseartikel berührt u.a. folgende Stichpunkte aus dem Themengebiet "Wirbelsäule"
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| Es ist so einfach, schön und schlau zu sein - alles, was Sie dazu brauchen, ist die richtige Portion Schlaf Von Sandra Winkler WIE, SOLL DENN DA noch jemand entspannt ein Auge zubekommen: Wenig Schlaf macht dick, fanden Forscher der Columbia University heraus. Also besser schön im Bett bleiben. Andererseits: Mehr als zehn Stunden verkürzen das Leben, so eine Heidelberger Studie. Also besser früh den Wecker gestellt. Ein russischer Wissenschaftler wiederum verkündete, zu viel Schlaf mache dumm. Selten wurden so viele neue Schlummer- Erkenntnisse publiziert wie im vergangenen Jahr. Die widersprüchlichen Forschungsergebnisse rauben inzwischen sogar vielen die Nachtruhe: Einen Einblick in die Psyche verunsicherter Schläfer bietet die Internetseite www.schlafkampagne.de. Dort fragen sich wißbegierige Pyjama Perfektionisten besorgt: Ist der Schlaf vor Mitternacht wirklich der beste? Leben Nacktschläfer tatsächlich gesünder? Und sind eigentlich alle Menschen, die schlecht schlafen, depressiv? Zur Beruhigung: Alle Antworten lauten "nein, keineswegs". Doch auch wenn die Frager etwas hypochondrisch erscheinen, haben sie doch das Entscheidende erkannt: Guter Schlaf ist wichtig. Kurz gesagt, ist er das perfekte Wellness- Programm. Besser als jede Massage und jeder Sauna Gang. "Seine Erholungswirkung ist nicht zu übertreffen", sagt Jan Born, Schlafforscher an der Universität Lübeck. Denn nachts drückt der Körper seine Reset-Taste: Die Nerven erholen sich, das Immunsystem wird gestärkt, Körperzellen teilen sich rascher, abgenutzte werden repariert oder ausgemustert. Eine Aufbau- und Verjüngungskur. "Schließlich ist der Mensch keine Maschine. Wir verbrauchen uns", erklärt Jürgen Zulley, Leiter des schlafmedizinischen Zentrums der Universität Regensburg. Wer regelmäßig zu wenig schläft, ist nicht nur müde und unkonzentriert, er .leidet auch unter erhöhtem Blutzuckerspiegel, Insulinresistenz, Dauerstreß. Seine Lebenserwartung sinkt. Mindestens fünf Stunden Schlaf braucht der Körper, um seine Batterien wieder aufzuladen und um wichtige Hormone auszuschütten - wie zum Beispiel den Appetithemmer Leptin. Ein Mangel an Leptin ist mitverantwortlich für die Speckröllchen der Nachtschwärmer. Aber auch andere optische Vorteile bringt die Nachtruhe mit sich -und zwar für die Haut. Sie macht intensive Überstunden, regeneriert sich, stellt wichtige Körper Eiweiße - für die Proteinsynthese her und kurbelt mit Wachstumshormonen die Zellteilung an. Enzyme werden produziert, um die freien Radikale zu bekämpfen. Warum passiert das alles nicht auch am Tag? Weil die Hautzellen dann genug mit der Abwehr äußerer Angriffe zu tun haben. Volker Steinkraus, Hamburger Dermatologe, empfiehlt daher, "gerade nachts reichhaltige Cremes mit einem hohen Fettgehalt zu benutzen". Inhaltsstoffe wie Retinol zur Zellerneuerung und Regeneration von Collagen leisten dann ganze Arbeit. Hinzu kommt, daß die Durchlässigkeit der Haut zu nachtschlafender Zeit am höchsten ist. Das Anti-Aging-Programm läuft auf Hochtouren. Wer hingegen zu wenig schläft, wird das seinem Spiegelbild schnell ansehen: Wie nach einem Langstreckenflug trocknet die Haut aus, kleine Faltchen bilden sich -und erst der Teint: aschfahl. "Gut fünf Jahre älter sehen Sie ohne genügend Ruhe aus", prognostiziert Steinkraus. Nicht umsonst spreche man vom Schönheitsschlaf. Über Nacht lagert die Haut zudem Wasser ein und sieht dadurch am nächsten Tag besonders prall aus. Noch besser Feuchtigkeit binden können die Zellen durch Cremes mit Urea und Glycerin. Bauchschläfer sollten sich übrigens eine neue Stellung angewöhnen: Wer auf dem Rücken liegt, hat am nächsten Tag seltener geschwollene Augen. Wie lange man ins Reich der Träume abtauchen sollte, muß jeder für sich selbst herausfinden. Der individuelle Schlummer-Modus ist unter anderem genetisch festgelegt. Experten raten generell zu sieben bis neun Stunden. Am besten testet man seinen eigenen Rhythmus ganz in Ruhe - zum Beispiel im Urlaub. "Schlafen Sie ganz nach ihren Bedürfnissen. In der zweiten bis dritten Woche leben Sie im Einklang mit Ihrer inneren Uhr", rät Jürgen Zulley. Mehr Schlaf als das Ergebnis dieser Selbsterfahrung macht nicht fitter. Im Gegenteil. Dann lieber ein kurzes Nickerchen am Tag. "Nicht nur Senioren, auch Manager halten immer häufiger Mittagsschlaf', so Zulley. Dazu muß es nicht dunkel sein, es braucht kein Bett und nicht einmal Ruhe. 20 Minuten Siesta und die Reaktionsfahigkeit steigt um 16, die Konzentration um 35 Prozent. In Japan und den USA wurden bereits Nap-Shops fürs kreative Schläfchen in der Mittagspause geschaffen. In Deutschland ist das niedersächsische Vechta Vorreiter. Die Stadtverwaltung führte dort bereits 2000 den kontrollierten Büroschlaf ein. Bei einer neuen Studie geht es ebenfalls um Kopfarbeit: Im Schlaf wird man schlau. Womit nicht obskure Lernmethoden gemeint sind, bei denen man sich eine CD anhört und am nächsten Morgen alle Eichendor1I-Gedichte auswendig können soll. "Am Tag Gelerntes wird im Schlaf noch einmal wiederholt und gewissem1aßen auf die Festplatte gebrannt", erklärt Zulley. Das Wissen verankert sich im Langzeitgedächtnis. Das gilt nicht nur für Lernaufgaben, auch übers Klavierspielen oder Skifahren sollte man noch einmal eine Nacht schlafen. Allerdings muß der Sandmann möglichst kurz nach dem Pauken vorbeikommen. Weshalb nun die ersten Mediziner fürs Lernen am Abend plädieren. Doch trotz aller ausgeschlafenen Vorteile ist der Langschläfer heute in Verruf geraten: Wer viel Zeit im Bett verbringt, gilt nicht als hellwach, sondern als faul. Im Fernsehen gibt es schon lange keinen Sendeschluß mehr, das Internet macht nie eine Pause, Fitnesszentren und Restaurants haben bis Mitternacht auf. Kein Wunder also, daß immer mehr Menschen nachts nur schwer Ruhe finden. "In Zeiten der Highspeed-Ökonomie wird eines immer wichtiger: Schlafkompetenz", sagt Eike Wenzel vom Zukunftsinstitut. Auch bei der Einrichtung des Schlafzimmers wird gern ein Auge zugedrückt. Nicht einmal nennenswerte Trends sind zu verzeichnen. Nur in einem sind sich Stilberater, Schlafforscher und Feng-Shui-Experten einig: weniger ist mehr. Weniger Farbe, weniger Möbel, weniger Krimskrams. "Das ideale Schlahimmer sieht aus wie im vorletzten Jahrhundert: Ein Bett, ein Schrank und eine Frisierkommode", sagt der Hamburger Mediziner Andreas Kamleier. Das dabei gesparte Geld kann man am besten gleich in eine Matratze investieren. 1000 bis 1500 Euro sollte man sich eine gute Unterlage schon kosten lassen, sagt Reinhard Schneiderhan, Präsident der Wirbelsäulenliga e. V. Sie sollte aus einem möglichst anpassungsfähigen und atmungsaktiven Material sein - Schneiderhan empfiehlt Latex mit einem Obermaterial für den Winter aus Wolle, für den Sommer aus Seide. Auch Lattenrost und Kopfkissen sind wichtig. Beim Kissen gilt: Eingedrückt muß es so hoch sein wie der Abstand zwischen Ohr und Schulter des Benutzers. Bauchschläfer verzichten besser ganz darauf. Wer sich sein Bett mit jemandem teilt, sollte sich zwei Lattenroste und zwei Matratzen kaufen. Schließlich muß sich ein 90 Kilo schwerer Zwei-MeterMann anders betten als eine kleine Frau, die 30 Kilo weniger wiegt. Die Wahl der richtigen Unterlage ist eine eigene Wissenschaft. Laien sollten sich an einen Experten wenden. Leider sind nach Schneiderhans Erfahrung nur ein Drittel der Verkäufer überhaupt kompetent. Um einen guten Matratzen-Mann zu finden, geht man am besten auf die Internet-Seite' der "Aktion Gesunder Rücken" (www.agr-ev.de) und sucht sich dort ein Geschäft mit Gütesiegel. Liegt man richtig gebettet, empfiehlt Thomas Kuball von der Hamburger Lifestyle-Agentur Kuball und Kempe für den stilvollen Schlaf eine beruhigende Kerze mit Orangenblüten-, Eisenkraut- oder Linden-Duft am Bett. Professor Zulley rät zu Musik beim Einschlafen: "Aber keine MeeresrauschenCD. Die lenkt ja nicht von schlafstörenden Problemen ab. Es muß etwas zum Hinhören sein." Sein Favorit: ein Requiem. Fragwürdig bleiben Feng-ShuiAnweisungen wie "Hängen Sie keinen Spiegel gegenüber dem Kopfteil auf, ihre Seele könnte sich erschrecken" und Farblehren, wie sie zum Beispiel der führende indische Homöopath Mukesh Batra verkündet: Er regt an, einen blauen Schlafanzug unter einer blauen Bettdecke zu tragen. "Dann ist der Schlaf sehr gut." Vielleicht hilft es. aber auch über die endlosen Weiten des Universums nachzudenken: Albert Einstein schlief regelmäßig zwölf Stunden. |
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