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Bandscheibenvorfall - was wirklich hilft

Sieben Hals-, zwölf Brust-, fünf Lendenwirbel: Unser Rückgrat ist ein Wunderwerk der Natur. Es hält uns aufrecht, wenn Muskeln, Knochen und Nerven auf geniale Weise zusammenarbeiten, damit wir einen Fuß vor den anderen setzen können. Doch dieses komplizierte System ist störanfällig, und das bekommen immer mehr Menschen zu spüren: Etwa 70% aller Deutschen zwischen 20 und 40 Jahren haben Probleme mit ihrem Rücken. Wegen unerträglicher Schmerzen nach einem Bandscheibenvor-fall lassen sich jedes Jahr mehr als 80 000 operieren - ohne Garantie auf Erfolg. "Das ist der Preis für mangelndes Rückentraining in unserer Zivilisationsgesellschaft", sagen Orthopäden wie Dr. Reinhard Schneiderhan (38). Er leitet das Schmerztherapeutische Kolloquium in München.

Zur schnellen und sanften Behandlung von Bandscheibenproblemen setzt er neuerdings ein Verfahren ein, das Professor Gabor Racz von der Technischen Universität in Houston (Texas) entwickelt hat: Betäubung wird in die untere öffnung des Kreuzbeinkanals eine 2 mm dünne Sonde durch die Wirbel-säule bis zur schmerzenden Nervenwurzel geschoben. Unter Röntgenkontrolle verfolgt der Arzt, wie der biegbare Katheter sein Ziel erreicht. Durch die Sonde wird ein Medikamenten-Cocktail gespritzt.

"Die kortisonhaltigen Mittel bewirken eine Abschwellung, Entwässerung und Schmerzlinderung", so Dr. Schneiderhan, "Enzyme sollen Verklebungen und Vernarbungen lösen." Die Prozedur dauert etwa 30 bis 40 Minuten. Nach einer Stunde können die Patienten wieder aufstehen.

Orthopädie-Chefarzt Professor Eckhart Hertel (62), der das Verfahren im Kölner Eduardus-Krankenhaus anwendet, sagt: "Es eignet sich für akute Bandscheibenvorfälle, bei länger andauernden Schmerzen, sogar nach erfolglosen Operationen und bei Verengungen im Wirbelkanal."

Je nach Art und Schwere eines Bandscheibenleidens können Fachärzte heute zwischen verschiede-nen Strategien wählen: Konservative Behandlung nennen sie den Einsatz von Medikamenten. In leichteren Fällen sol-len diese Entzündungen hemmen und krampfhaft verspannte Muskeln lösen.
Mit der sogenannten Chemo-Nukleolyse können Spezialisten oft per Spritze einen Bandschei-benvorfall kurieren: Ein Enzympräparat aus der tropischen Papayafrucht löst dabei den ver-rutschten Gallertkern auf.
Ist schon Knorpelgewebe aus den Bandscheiben ausgetreten (Prolaps), kann ein mikrochirur-gischer Eingriff helfen. Mit winzigen Endoskopen (mit Faßzange, Sauger in der Spitze) wird dabei das ausgetretene Gewebe angeknipst.
Laser werden in diesem Bereich übrigens immer seltener eingesetzt.
In schweren Fällen bleibt allerdings nur eins: eine große Operation, bei der die Bandscheibe, die unerträglich auf die Nerven drückt, entfernt wird.
Damit es nach erfolgreicher Korrektur nicht wieder zu Beschwerden kommt, können Chirurgen heute die entfernte Bandscheibe durch Metall-Keramik-Implantate ersetzen oder den Wirbel mit Titanschrauben versteifen. Da manche Implantate jedoch zu weich, zu hart oder nicht stra-pazierfähig genug sind, setzen Experten jetzt auf Implantate aus Hydrogel. Die winzigen Kis-sen stecken in einer Hülle aus Polyäthylen, die - wie eine echte Bandscheibe - Wasser spei-chern und abgeben kann (je nach Belastung und Bedarf) und bis zu 500 Kilogramm Druck aushält. Acht von elf Patienten, die in Wiesbaden unter Leitung von Professor Robert Schönmayr an einer Pilotstudie teilnehmen, sind heute schmerzfrei und können wieder arbeiten.


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