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Neue Methode bei Rückenschmerzen

Ein Cocktail legt die Nerven frei

MÜNCHEN - Eine neue minimal-invasive Behandlungsmethode soll 80 % der offenen Rücken-Operationen überflüssig machen. über einen dünnen Epidu-ralkatheter werden alle acht Stunden Medikamente und Kochsalz "vor Ort" ge-spritzt. Die Bandscheibe schrumpft, der Nerv ist frei.

Viele Patienten mit Rückenbeschwerden kommen trotz Therapie nicht auf den grünen Zweig: Die Schmerzen wollen nicht recht weichen oder kehren nach einer Operation als Postnukleotomiesyndrom zurück. Ein Münchner Wirbelsäulenspezialist bietet nun ein Verfahren an, das verspricht, effektiv und risikoarm zu sein. Es fällt in die Kategorie minimal-invasiv und bedient sich eines dünnen Katheters, der unter Röntgen- und Kontrastmittelkontrolle im Epiduralraum bis an den Ort des Bandscheibenge-schehens vorgeschoben wird. Zielgenau an die betroffene Wurzel platziert, folgt dann die Gabe eines Cocktails aus Antiphlogistikum, Schmerzmittel und Kochsalzlösung. Letztere bewirkt ein Konzentrati-onsgefälle, das der Bandscheibe Flüssigkeit entlockt und sie zusammenschrumpeln lässt - der be-drängte Nerv kommt frei. Eine zugegebene Enzymlösung löst rückenmarksnahe Narben oder Verkle-bungen.

Geeignet für HWS und LWS

"Ein effektives Verfahren, ohne Narkose, ohne Verletzung und ohne Narben", erklärte der Orthopäde und Algesiologe Dr. REINHARD SCHNEIDERHAN, München, im Gespräch mit Hospital Tribune. Die Methode eignet sich sowohl für die Hals- als auch für die Lendenwirbelsäule und wird von der Kasse erstattet. Bis zu 80 % der offenen Operationen werden nach Meinung des Kollegen durch die neue Methode überflüssig. Indikation "fürs Messer" sind für ihn jedoch immer noch Lähmungserscheinungen oder wenn die gesamte konservative und minimal-invasive Palette erfolglos ausgeschöpft wurde.

Die Indikation für die neue Kathetertechnik, die Dr. Schneiderhan als einer der Ersten in Deutschland eingeführt hat, sieht er bei Patienten mit akuten, starken Schmerzen, ausgelöst durch eine Bandschei-benvorwölbung oder einen -vorfall. Aber auch chronische Schmerzen und Nervenwurzel-Reizungen durch arthrotische Veränderungen an den Austrittsstellen sprechen auf die Methode an. Bei > 80 % seiner bisher 2000 Patienten verlief die Behandlung erfolgreich: Die Patienten hatten auch nach einem Jahr keine Schmerzen mehr, oder es ließ sich zumindest eine Linderung der Symptome erreichen. Komplikationen traten nicht auf.

Der gesamte Eingriff dauert nicht länger als 30 bis 40 Minuten. Schon eine Stunde danach darf der Patient aufstehen und herumgehen sowie essen und trinken. Drei Tage bleibt er in der Klinik und erhält alle acht Stunden erneut den Cocktail durch den liegen gebliebenen Katheter injiziert. Zu Hause darf der Behandelte leichte Arbeit verrichten, auch z.B. am Schreibtisch sitzen. Nach zwei weiteren Wo-chen ist körperliche Belastung langsam wieder erlaubt. Umrahmt wird der Heilungsprozess durch eine stabilisierende Krankengymnastik.


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