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Faszination Bandscheibe: das Einmaleins der Wirbelsäule (1)

Aussehen der Bandscheiben,  Ernährung,  Funktion bei Bewegungen. Alterung und Erkrankung.  Schmerz.

Bandscheiben werden gewöhnlich wenige positive Eigenschaften zugeschrieben. Oft wird darüber geklagt, "daß man es mal wieder an der Bandscheibe" hätte. Der praktische Nutzen wird dabei völlig außer Acht gelassen.

Wie sieht eine Bandscheibe aus?
Die Bandscheiben haben eine scheibenförmige Struktur. In der Summe machen die Zwischenwirbelscheiben rund ein Viertel der gesamten Wirbelsäulenlänge aus.
Im Einzelnen setzt sich eine Zwischenwirbelscheibe aus einem gallertigen Kern (Lat.: Nucleus pulposus) und einem Faserknorpel (Lat.: Anulus fibrosus) zusammen. 90 % des Gallertkerns bestehen aus Wasser. Er liegt in einer Hülle, in Mitte des Faserknorpels. Die Knorpelmassen umgeben den Gallertkern ringförmig.

Wie werden die Bandscheiben ernährt?
Bis zum zweiten Lebensjahr versorgen Blutgefäße die Bandscheibe. Im weiteren Leben muß sich die Bandscheibe mit einem langsameren Stoffwechsel begnügen. Lebenswichtige Mineralien und Flüssigkeiten durchdringen passiv das Gewebe und sorgen für die nötige Regeneration. Jeden Tag verliert jede Bandscheibe eine geringe Menge Flüssigkeit und wird auf diese Weise schmaler. Am Abend kann sich die Körpergröße bis zu 3 cm reduzieren. In der Nacht wiederum füllt sich das Gewebe mit Flüssigkeit auf.

Welche Funktion hat die Bandscheibe bei Bewegungen der Wirbelsäule? Bandscheiben, Wirbel und Bänder gehören zu den passiven Strukturen des Bewegungsapparates. Die Bewegung der Wirbelsäule spielt sich in den Bewegungssegmenten ab. Ein Bewegungssegment setzt sich unter anderem zusammen aus Wirbeln, Bandscheiben, Bändern und Wirbelgelenken. Die Bewegungen in einem Segment sind sehr gering. Die Summe jedoch macht die große Flexibilität der Wirbelsäule aus. Bei jeder Bewegung passt sich die Bandscheibe bestmöglich an. Eine harmonisch abgerundete Bewegung wird durch ein optimales Zusammenspiel von Faserknorpel und Gallertkern ermöglicht. Der Gallertkern funktioniert wie ein nicht komprimierbares Wasserkissen. Bei einer gesunden Bandscheibe ist die Neutralposition die Mitte. Bei Bewegungen verlagert sich der Gallertkern nach außen. Bei Bewegungen wird er vom Knorpelring geführt. Größe und vertikale Bewegungen werden von den Bandscheibe abgepuffert. Die Zwischenwirbelscheiben sind perfekte Stoßdämpfer mit Rückstellmechanismus und Ausgleichautomatik.

Was geschieht, wenn die Bandscheibe altert oder erkrankt?
Das Quellvermögen der Bandscheibe läßt mit dem Alter nach. Die Verschieblichkeit des Gallertkerns und die Pufferfähigkeit wird zunehmend eingeschränkt. Die Konsequenz sind Höhenminderungen zwischen den Wirbelkörpern. Zusätzlich werden die kleinen Wirbelgelenke stärker belastet und verschleißen schneller. Die Bandscheibe kann sich aufgrund der geringeren Rückstellkräfte nach hinten vorwölben und auf eine Nervenendigung drücken. Diese Veränderung wird als Bandscheibenprotrusion bezeichnet, was nichts anderes als Vorwölbung bedeutet.



Wenn nun der Knorpelring einreißt und der Gallertkern austritt, liegt ein Bandscheibenprolaps (Bandscheibenvorfall) vor. Eine weitere Form der Schädigung stellt die Sequestration der Bandscheibe (Absonderung) dar. Hierbei löst sich Bandscheibenmaterial von der Bandscheibe und kann sich z.B. im Wirbelkanal festsetzen.
Die Schädigung der Bandscheiben ist nicht nur eine Krankheit des fortgeschrittenen Alters. Erste Veränderungen können bereits zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auftreten.
Mit dem Verlust der Stoßdämpferfunktion des Innenanteils der Bandscheibe wird der äußere Faserring brüchig und es kann zur Einsprossung von schmerzübertragenden Nervenfasern kommen. Hieraus resultiert ein diskogener Schmerz, d.h. die Bandscheibe selbst wird zum Schmerzauslöser.



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