Wie man Rückenbeschwerden am Arbeitsplatz vermeidet
Als Physiotherapeut sehe ich täglich Patienten, die wegen einer Vielzahl von Beschwerden behandelt werden, die bei der Arbeit aufgetreten sind. Diese Beschwerden reichen über das Karpaltunnelsyndrom und die Muskelzerrung zum Kopfschmerz und ausstrahlenden Ischias-schmerzen. Viele dieser Beschwerden könnten unter Beachtung einfacher Regeln vermindert, wenn nicht sogar vermieden werden.
1. Aufmerksamkeit und Anpassung
Die Ursache vieler Beschwerden sind vielfache Wiederholungsbewegungen, Müdigkeit, natür-licher Streß und körperliche Belastungen. Die Körperhaltung, die man zu lange beibehält be-deutet kumulativen Streß. Schlechte Haltung kann Streß auf Körperteile übertragen, die bereits geschwächt sind und Schmerzen und übermäßigen Verschleiß zur Folge haben. Während eines normalen Arbeitstages, wird der Körper 8 Stunden lang beansprucht. Meist hat man während dieser 8 Stunden wegen zu lange eingenommener Körperhaltungen nicht genügend Gelegenheit für Bewegung. Bewußtheit für die Arbeitssituation kann schon 1/3 der Lösung bringen. Zum Beispiel kann ein Arbeitnehmer, der hauptsächlich am Computer arbeitet, Kopfschmerzen, Schulter- und Nackenverspannungen vermeiden, wenn er einige wenige Dinge verändert. Die Tastatur sollte so angebracht sein, daß sich die Ellbogen auf Taillenhöhe befinden, die Handge-lenke in neutraler Haltung sind (weder nach oben oder nach unten gebeugt) mit ca. 30 cm Körperabstand. So vermeidet man übermäßige Beanspruchung der Arme und der Nacken- und Schulterpartie. Der Monitor sollte auf Augenhöhe angebracht sein, so daß der Nacken nicht nach vorn gebeugt wird. Eine übermäßige Beanspruchung der Augen und des Nackens werden so vermieden. Eine weitere einfache Verbesserung ist eine Rückenstütze am Stuhl. Achten Sie auch darauf, daß die Füße in einer Position sind, daß sich die Beine auf einer Ebene mit den Hüften befinden, dadurch wird eine übermäßige Belastung der unteren Rückenpartie vermie-den. Und viel Bewegung verlagert den Streß auf verschiedene Körperpartien. Was heißt dies nun zusammenfassend? Im allgemeinen, sollte eine Haltung eingenommen werden, für die Sie ein Minimum an Kraftaufwand benötigen und die Haltung sollte häufig verändert werden. Da-durch beugt man einer Ermüdung der Muskulatur vor.
2. Körpermechanik
Ich wiederhole nochmals: die Körperhaltung ist der Schlüssel zu richtiger Körpermechanik! In der Rückenschule, fordere ich meine Patienten dazu auf, sich ein Brett vor und hinter dem Rü-cken vorzustellen. Das heißt mit anderen Worten, daran zu denken, den Rücken immer so ge-rade wie möglich zu halten. Dies erreicht man, indem man immer an ein grundsätzliches "Kopf hoch, Schultern zurück, Brust raus, Bauch und Gesäß rein und Rücken gerade" denkt. Schlechte Haltung und falsche Körpermechanik sind zwei Hauptursachen von Rücken- und Nackenverspannungen.
Beim Heben schwerer Gegenstände sollten die Füße auseinander platziert werden Gehen Sie von der Hüfte aus in die Hocke und nicht vom Rumpf aus. Beim Heben KEINE DREHBEWEGUNG machen, besonders nicht beim Bücken. UND SPANNEN SIE DIE BAUCHMUSKELN AN. Die Beinmuskulatur ist sehr viel stärker als die Rückenmuskulatur. Die Bauchmuskulatur hängt an der Vorderseite der Wirbelsäule, wenn Sie sich deshalb vorstel-len, einen Schlag in den Magen zu bekommen und gleichzeitig dabei zu atmen schützen Sie so Ihren Rücken, weil sie die Bauchmuskeln benützen. Die Vernunft rät, Sie die kräftigen Mus-kelpartien zu gebrauchen und die Beine beim Heben zu belasten. Beim Heben leichter Gegens-tände - wenden Sie die "Golfspieler Methode" an: Der Rücken ist gerade, ein Bein gestreckt, mit einem Arm hält man die Balance, das Gegenbein ist nach hinten gestreckt und der Gegens-tand wird mit dem anderen Arm der nicht die Balance hält aufgehoben. Schieben Sie Gegens-tände mit den Beinen von sich weg, anstatt sie zu sich herzuziehen. Beim Greifen nach Gegens-tänden bleiben Sie ohne Drehung innerhalb Armeslänge. Wenn die Entfernung größer ist, ste-hen Sie auf!
3. Sorgfalt
Vernünftige Ernährung, ausreichender Schlaf und genügend Bewegung sind notwendig, um Krankheitsbeschwerden zu vermeiden und die Gesundheit zu erhalten.. über richtige Ernäh-rung hört man jeden Tag etwas. Die Grundregeln wie viel Obst und Gemüse, ausreichend Ei-weiß und wenig Fett zu sich zu nehmen helfen dem Körper gesund und glücklich zu bleiben. Achten sie auf ungefähr 8 Stunden Schlaf und eine gute Schlafhaltung. Der Nacken sollte we-der nach vorn oder nach hinten gebeugt und leicht erhöht gelagert werden. Die Beine sollten auf ein bis zwei Kissen gelagert werden. Oft höre ich von den Patienten: "So kann ich aber nicht schlafen - ich bewege mich zu viel!" Das macht nichts. Die erste Stunde Schlaf ist am wichtigsten. Die Regeneration der Bandscheibe hängt ganz wesentlich von der Flüssigkeitsab-sorption der umgebenden Strukturen ab - sie saugt Flüssigkeit auf wie ein Schwamm. In der ersten Stunde Schlaf nimmt sie 80% ihrer Nahrung auf. Wenn die Beine leicht erhöht gelagert werden, öffnen sich die einzelnen Wirbelsäulensegmente und ermöglichen so eine maximale Flüssigkeitsabsorption. Meinen Patienten, die an ständigen Rückenschmerzen leiden, rate ich, die Beine noch zusätzlich eine halbe Stunde lang täglich im Liegen hoch zu lagern. Dadurch wird die Wirbelsäule noch zusätzlich um 40 % besser mit Nährstoffen versorgt.
Körpergymnastik sollten aus übungen für Kraftaufbau, Ausdauer und Beweglichkeit bestehen. Empfehlenswert sind 30 Minuten Körperübungen, mindestens 4 mal pro Woche. Dies kann man ganz einfach umsetzen, indem man z.B. das Auto in größerer Entfernung vom Büro parkt und ein Stück zu Fuß geht., die Treppen zu Fuß steigt anstatt den Aufzug zu benützen und beim übermitteln von Mitteilungen aufsteht anstatt sich zuzurufen. Und stehen Sie auf, dehnen Sie sich und gehen Sie etwas umher - mindestens einmal pro Stunde. Sie werden erstaunt sein, wie einfach es ist, diese Ratschläge in die Tat umzusetzen und wieviel besser es ihrem Körper geht, wenn sie diese einfachen Tips beherzigen.
Zusammenfassend sei gesagt, daß ein vernünftiges Verhalten bei der Arbeit die beste übung ist. Denken Sie an Ihre gute Vorsätze und wenn sie ein Problem oder Schmerzen haben, leiden Sie nicht einfach still vor sich hin. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Physiotherapeuten, sie sind immer für Sie da!
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