Autofahren und Rückenschmerzen
Fast 90% aller Reisen und 92% aller zurückgelegten Entfernungen werden täglich mit Autos oder Transportmitteln wie Bussen oder Lkws zurückgelegt. 180 Millionen Menschen benützen für Fahrten zur Arbeit, zum Einkaufen oder für Ausflüge hauptsächlich das Auto. Dabei legen Männer im Durchschnitt täglich 70 km und Frauen 54 km zurück. Wir lieben unser Auto. Und viele Menschen sind von Beruf Autofahrer, wie z.B. LKW-Fahrer, Busfahrer, Rettungssanitäter und Feuerwehrleute, Polizei und Taxifahrer usw.
Das Aussehen moderner Autos hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Autos verfügen heute über verbessertes Design, bessere Ausstattung, haben einen geringeren Benzinverbrauch und mehr Komfort. Es gibt jedoch Hinweise, die nahelegen, daß Autofahren und die Beschaffenheit von Autositzen in einem modernen Auto, Bus oder LKW die Ursache für manche Rückenbeschwerden sein könnte, die uns Amerikaner jedes Jahr plagen.
Worin besteht der Unterschied zwischen Autositz und Wohnzimmersessel?
Wenn das Auto nicht fährt, dann besteht zwischen dem Sitzen auf einem Autositz und dem Sitzen auf einem Polstersessel wahrscheinlich kein großer Unterschied. Aber sobald das Auto fährt ändert sich das grundlegend. Ganz anders als beim normalen Sitzen ist der Körper beim Autofahren vielen verschiedenen Kräften ausgesetzt. Beschleunigung und Bremsung, Neigung von einer Seite zu anderen und ständigen Erschütterungen des ganzen Körpers. Zudem sind die Beine am Autofahren aktiv beteiligt, der rechte Fuß tritt auf das Gaspedal (den Beschleuniger), der linke auf die Bremse und die Hand bedient die Gangschaltung. Sind die Beine aktiv, können sie die untere Körperhälfte nicht stützen oder ihr Halt geben, wie es normalerweise beim Sitzen im Sessel ist, wo beide Füße fest auf dem Boden stehen. Ganz offensichtlich erhöht die Kombination dieser einzelnen Aspekte und die Beschaffenheit des Autositzes selbst bei einigen Menschen das Risiko, Rückenbeschwerden zu bekommen.
Gibt es eine Beziehung zwischen Autofahren und Rückenschmerzen?
Es wurden Versuche gemacht, bei denen untersucht wurde, wie sich Erschütterungen beim Sitzen auf einem Autositz auf den ganzen Körper auswirken. Die Lendenwirbelsäule hat eine natürliche Schwingungsfrequenz von 4-5 Hz. Simulationstests haben gezeigt, daß diese natürliche Schwingung beim Autofahren gestört und die untere Wirbelsäule einer erhöhten Belastung ausgesetzt ist. Dies kann zusätzlich zu Verspannungen beim Sitzen und zu einem erhöhten Risiko, sich ein Rückenleiden zuzuziehen führen.
Eine Vielzahl von Studien haben sich mit dem möglichen Zusammenhang von Autofahren und Rückenbeschwerden beschäftigt und diese Untersuchungen haben zu wichtigen Erkenntnissen geführt.
Ein kürzlich durchgeführter Vergleich zwischen Autofahrern in den USA und Autofahrern in Schweden ergab, daß in beiden Ländern 50% der Teilnehmer an der Studie über Beschwerden der Lendenwirbelsäule klagten. Eine Analyse der möglichen Ursachen ergab, daß eine länger andauernde Einwirkung von Erschütterungen beim Autofahren mit zu den größten Risikofaktoren für Erkrankungen von Hals-, Rücken- und Lendenwirbelsäule zählt. Eine weitere kürzlich durchgeführte Studie aus Schweden, an der über 1000 Geschäftsreisende teilnahmen, bestätigte ein erhöhtes Risiko für Beschwerden von Hals- und Lendenwirbelsäule bei Autofahrern, die täglich größere Entfernungen zurücklegten und längere Zeit im Auto verbrachten.
Das Geschlecht scheint im Hinblick auf die Anfälligkeit für Rückenleiden, die durch Autofahren entstehen, dabei ebenfalls eine wichtige Rolle zu spielen. Eine in Paris durchgeführte Umfrage von mehr als 7000 Teilnehmern ergab, daß nur bei Männern ein Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und Autofahren hergestellt werden kann, obwohl die Häufigkeit des Auftretens und die Intensität der Rückenbeschwerden bei Frauen größer war. Mit zunehmende Fahrdauer ergab sich ein erhöhtes Erkrankungsrisiko, besonders bei den männlichen Teilnehmern, die länger als 4 Stunden täglich Auto fuhren.
Eine Untersuchung mit ca. 1400 städtischen Busfahrern hat ergeben, daß vermehrt Beschwerden der Lendenwirbelsäule entstehen, wenn der Fahrersitz nicht individuell an die persönlichen Körperverhältnisse angepaßt werden kann.
Es scheint jedoch, daß Autofahren nicht in allen Fällen ein Erkrankungsrisiko für Rückenbeschwerden bedeuten muß. Eine Umfrage unter 100 Mitgliedern der Royal Canadian Mounted Police, die den Gesundheitszustand von autofahrenden und nicht autofahrenden Polizeibeamten verglich, konnte statistisch keinen Zusammenhang zwischen dem Fahren eines Streifenwagens und dem Auftreten von Rückenschmerzen bestätigen
Gibt es den idealen Autositz?
Auf der Grundlage detaillierter Informationen aus wissenschaftlichen Zeitschriften und Artikeln zum Thema, haben Autohersteller zusammen mit der National Library of Medicine eine Reihe von Konstruktionsmerkmalen zusammengestellt, über die ein optimaler Autositz verfügen sollte. Der ideale Autositz sollte mit folgenden Details ausgestattet sein:
- Einstellbarer Neigungswinkel der Rückenlehne nach hinten (ein Neigungswinkel von 100 Grad ist optimal)
- Verstellbare Sitztiefe ( Rückenlehne bis vordere Sitzkante)
- Verstellbare Sitzhöhe
- Verstellbare Neigung der Sitzfläche
- Sitzflächenpolsterung mit festem (dichtem) Schaumgummi
- Verstellbare Rückenstütze (horizontal und vertikal verstellbar)
- Tiefenpulsierende Rückenstütze zur Entlastung des Rückens
- Armlehne, beidseits verstellbar
- Verstellbare Nackenstütze mit Lordosekissen
- Sitze, die Erschütterungen abfangen
- Linearer Vor- und Rückstellmechanismus zur Anpassung an die individuelle Beinlänge
- Gepolsterte Rückenlehne zur Schockreduzierung
Welcher Autositz soll es beim nächsten Autokauf sein?
Wahrscheinlich sind die wenigsten Fahrzeuge, die heutzutage auf dem Markt sind mit allen oben erwähnten wünschenswerten Merkmalen eines optimalen Autositzes ausgestattet. Manche Autositze sind aber vielleicht besser als andere. Sie sollten also sorgfältig wählen. Wenn Sie Rückenbeschwerden vermeiden möchten, achten Sie besonders auf die folgenden 5 Punkte:
1. Bequemlichkeit des Sitzes- ist der Autositz nachdem er auf die individuellen Bedürfnisse eingestellt wurde bequem? Wenn nicht, werden Sie wahrscheinlich bei längerer Fahrdauer Rückenschmerzen bekommen. Lassen Sie sich auf den Sitz fallen, um festzustellen, ob der Sitz Erschütterungen abfedert und unternehmen Sie eine Testfahrt.
2. Sitzanpassung - können Sie den Sitz in jeder Hinsicht so verstellen, wie Sie es wünschen? Ein Minimum an Verstellmöglichkeiten sollte vorhanden sein, wie:
| a) | Sitzvor- und -rückstellung zur individuellen Anpassung an die Beinlänge | |
| b) | Sitzhöhenverstellung zur persönlichen Beinlängenanpassung |
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| c) | Winkelneigung der Rückenlehne, um entweder aufrecht oder eher zurückgelehnt sitzen zu können |
Weitere nützliche Ausstattungsmerkmale sind:
| a) | verstellbare Sitzneigung nach oben oder unten, damit die Kniekehlen frei sind | |
| b) | Rückenstützkissen. Ein Autositz sollte eine gute Rückenstütze haben, die in der Tiefe verstellbar ist (oft als aufblasbares Polster) und möglichst auch in der Höhe. | |
| c) | Nackenstütze | |
| d) | Armlehne, die breit, gepolstert, bequem und möglichst verstellbar sind |
1. Die Körperhaltung verändern - bewegen Sie sich beim Autofahren und verändern Sie Ihre Körperhaltung häufig, damit beugt man Ermüdung vor.
2. Legen Sie Pausen ein - Autofahren ist eine ermüdende Tätigkeit und um Übermüdung und körperliche Überanstrengung zu vermeiden, empfiehlt es sich, häufig Pausen einzulegen, bei denen man sich etwas bewegt.
3. Sitzzubehör - es gibt eine vielfältige Auswahl an Sitzzubehör zur Verbesserung der Bequemlichkeit, z.B. Sitzfelle aus Lammfell, die den Sitz weicher machen oder Kugelmatten aus Holzperlen, die den Rücken beim Fahren etwas massieren. Nehmen Sie das, was Sie bequem finden.
