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Botulinum-Toxin: Die neue Therapie gegen verspannungsbedingte Rücken-, Kopf- und Nackenschmerzen
Von Ludwig K. Martens

Jeder kennt das Problem: Ein plötzlicher Krampf im Fuß, in der Wade oder ein Schreibkrampf in der Hand - starke Muskelverspannungen können besonders schmerzhaft sein. Viele Menschen leiden aber auch unter lang andauernden Muskelverspannungen im Rücken oder in der Nackengegend - das führt oft zu quälenden Rückenschmerzen, die jedoch nichts mit der Wirbelsäule oder den Bandscheiben zu tun haben.

Häufige Ursache für diese Verspannungen sind langes Sitzen vor dem Computer oder im Auto, eine schlechte Matratze im Bett, falsche Körperhaltung oder einfach nur zu wenig Schlaf. Was viele Patienten auch nicht wissen: sogar psychische Probleme am Arbeitsplatz oder in der Partnerschaft können oft zu starken Muskelverspannungen führen. Nach dem Motto: Wer Sorgen hat, dem tut der Rücken weh.

Bisher verschrieben die ärzte dagegen Gymnastik, Massagen und muskelentspannende Medikamente. Diese Tabletten haben allerdings eine unangenehme Nebenwirkung: Sie machen ziemlich müde. An konzentrierte Arbeit oder Autofahren ist dann oft nicht mehr zu denken. Und manche dieser Tabletten dürfen nur kurzfristig eingenommen werden, weil die Substanzen abhängig machen können.

Doch jetzt gibt es eine ganz neue und nebenwirkungsarme Behandlungsmethode, die in den USA schon seit längerer Zeit erfolgreich eingesetzt wird: Eine Spritze mit dem Wirkstoff Botulimum-Toxin (Handelsname: Dysport). "Wir injizieren kleinste Mengen dieser Substanz direkt in den verspannten Muskel", sagt Orthopädin Dr. Harriet Hauser von der Praxisklinik Dr. Schneiderhan in München. Damit es nicht weh tut, benutzt Frau Dr. Hauser dazu extrem dünne Kanülen, wie sie normalerweise von Diabetikern für Insulininjektionen verwendet werden.

"Botulinum-Toxin ist eigentlich ein Gift, das von bestimmten Bakterien gebildet wird. In geringer Dosierung unterbricht es die übertragung der Impulse von den Nervenfasern auf die Muskeln", erklärt Dr. Harriet Hauser die Wirkung. Folge: "Die Muskeln entspannen sich, weil sie von den Nerven keinen Befehl mehr erhalten sich zusammenzuziehen. Durch diese leichte Lähmung wird der Muskel geschwächt und ruhig gestellt. Beste Voraussetzung dafür, dass der spannungsbedingete Rückenschmerz verschwindet. Der Teufelskreis von Muskelverspannungen und Schmerzen wird unterbrochen."

Eine spürbare Nebenwirkung tritt nicht sofort, sondern erst nach fünf bis sieben Tagen ein. Nach zwei Wochen ist der maximale Effekt erreicht. Er hält für etwa drei bis sechs Monate an. Dann kann die Behandlung wiederholt werden. Nach weiteren Injektionen wirkt dass Botulinum-Toxin sogar bis zu einem Jahr.

Vor der Therapie kommt jedoch erst eine exakte Diagnose. Schließlich muss der Arzt wissen, ob die Rückenschmerzen tatsächlich durch Verspannungen ausgelöst werden. Deshalb sind eine Röntgenuntersuchung und ein Computer- oder Kernspintomogramm der Wirbelsäule nötig, um andere Ursachen auszuschließen.

Mit Hilfe eines Elektromyogramms (EMG) kann der Arzt auch eine normale Muskelanspannung von einer krankhaften unterscheiden.

Der Einsatz gegen Rückenschmerzen ist für Botulinum-Toxin noch ganz neu. Deshalb sind Dysport-Injektionen noch nicht offiziell zugelassen und werden von Frau Dr. Hauser im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie durchgeführt. Die Patienten müssen dafür eine Einverständniserklärung unterschreiben.

Keineswegs neu und seit vielen Jahren längst zugelassen ist Botulinum-Toxin jedoch bei anderen Krankheiten: Gegen Schielen, Verkrampfungen der Augenlieder und bei Schiefhals haben sich die Injektionen bereits bewährt. Sie sind allgemein gut verträglich und effektiv. Viele Frauen lassen sich übrigens mit Botulinum-Toxin von Schönheitschirurgen auch gegen Falten im Gesicht spritzen. Neurologen setzen das Mittel seit kurzem erfolgreich gegen Spannungskopfschmerz und Migräne ein.

Die Krankenkassen übernehmen manchmal die Kosten der Behandlung auf Antrag.


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