| Presse: Berichte, Fachartikel, Interviews. 
Schmerz-Therapie
überblick über die aktuelle Situation der Schmerztherapie
Praxis- und Klinikbehandlung kombinieren
Dr. Reinhard Schneiderhan, niedergelassener Orthopäde und Algesiologe des Schmerztherapeutischen Kolloquiums München,
plädiert für mehr Interdis-ziplinarität
In seiner Schmerztherapeutischen Praxis, die auf Wirbelsäulenerkrankungen spezialisiert ist, werden im ambulanten
Schmerztherapiebereich spezielle Infiltrationsbehandlungen sowie Neutralblockaden mit nachfolgender überwachung und
gegebenenfalls Infusionsbehandlung angewendet. Diese werden durch differenzierte Krankengymnastik ergänzt.
Bei therapierefraktären Verläufen und besonders bei chronischen Schmerzsyndromen sind diese am-bulanten Interventionen
teilweise überfordert. Zum Beispiel auch dann, wenn die Infusionsbehandlung oder Neuronalblockade dazu führt, dass der
Patient anschließend fahruntüchtig oder in seiner Arbeits-fähigkeit beeinträchtigt ist. Anstatt den Patienten ohne
spezifische Behandlung zu vertrösten oder sich auf eine reine Medikamentengabe zurückzuziehen, ist in diesen Fällen
die kurzzeitige stationäre The-rapie erforderlich.
Das stationäre Schmerztherapiekonzept von Dr. Schneiderhan setzt sich aus einer interventionellen Schmerztherapie sowie einer
minimal invasiven Wirbelsäulenkatheter-Technik zusammen. Durch die-se Methoden können häufig größere
Eingriffe und Operationen vermieden werden. Die Chronifizierung eines Schmerzgeschehens kann somit wirkungsvoll verhindert werden.
Bei der stationären interventionellen Schmerztherapie, die Schneiderhan in der Dr. Michael Schreiber Klinik in
München-Bogenhausen durchführt, kommen spezielle Infiltrationsbehandlungen sowie Neural- und Ganglienblockaden
unter Bildwandlerkontrolle zum Einsatz. Infusionstherapie ergänzt das statio-näre Schmerztherapiekonzept.
Die Indikationen zur Durchführung einer stationären interventionellen Schmerztherapie fasst Schneiderhan so zusammen:
Akute und chronische Schmerzzustände im Wir-belsäulenbereich; akute und chronische Schmerzzustände nach
Bandscheibenoperationen; Interver-tebralarthrose und -arthritis; Segmentinstabilitäten; Facettensyndrome; Schmerzen
bei peripheren Durchblutungsstörungen.
"Ein stationärer Aufenthalt kann einige Tage oder bis zu mehreren Wochen dauern, was in aller Regel für
den Patienten auch aus therapeutischer Sicht günstig ist, weil er so aus seiner gewohnten - die Schmerzen mit
verursachenden - Umgebung herauskommt", erläutert Schneiderhan. "Idealerweise sollte für den stationären
Aufenthalt eine Klinik gewählt werden, die für den Schmerzpa-tienten und seine psychische Situation
atmosphärisch besonders geeignet ist."
Schwer therapierbare Krankheitsbilder können in einer Klinik wesentlich effektiver behandelt werden.
Eine systematische medikamentöse Behandlung wie auch eine Akupunkturbehandlung lassen sich während
eines Klinikaufenthaltes wesentlich konsequenter durchführen.
Hinzu kommt, dass eine solche Klinik im physikalischen und balneologischen Therapiebereich umfang-reicher
ausgestattet ist als eine Praxis. Schneiderhan: "Besonders Patienten, die schon lange unter Schmerzen leiden
und ambulant nicht weiter behandelt werden können, sowie oftmals voroperierte Wirbelsäulenpatienten
werden mir von Kollegen unterschiedlicher Fachdisziplinen zugewiesen." Für Schneiderhan, der auch Leiter
des Schmerztherapeutischen Kolloquiums (STK) München ist, kann nur eine auf einem interdisziplinären
Gesamtkonzept basierende Diagnose dem sensiblen Problemfeld der Schmerzbehandlung Rechnung tragen.
Mit Hilfe von standardisierten Fragebögen des STK wird dabei in einem ersten Schritt äußerst
detail-liert und feinfühlig die persönliche Schmerzsituation des Patienten geklärt. Die bisherigen
Diagnose-techniken und unter Einbeziehung fachübergreifender Einschätzung überprüft,
aktualisiert und erwei-tert. Das ausführliche Gespräch mit dem Patienten ist ausschlaggebend
für die Einleitung geeigneter Therapiemaßnahmen.
Schneiderhan hat auch deshalb in seinem Behandlungszimmer auf die Installation eines Computers mit Monitor
verzichtet und bedient sich zur Datenerfassung konventioneller Patientenkarten. "Der Pati-ent", so Schneiderhan,
"soll zu keinem Zeitpunkt den Eindruck haben, er werde mittels anonymer Technik lediglich verwaltet, denn gerade
die persönliche Zuwendung schafft das notwendige und oft-mals bereits gestörte Vertrauensverhältnis
zwischen Therapeut und Patient".
Ein Großteil der akuten und chronischen Schmerzsyndrome des Bewegungsapparates und der Wir-belsäule lassen sich
nach den Erfahrungen von Reinhard Schneiderhan ambulant durch Chirotherapie, Neuraltherapie und Akupunktur in Kombination mit
physikalischer und krankengymnastischer Behand-lung gut beeinflussen.
Entspannungsverfahren, wie die progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen, helfen oft, stressbe-dingte, funktionelle
Störungen und chronische Schmerzen zu überwinden. Um zu verhindern, dass der Schmerz chronifiziert,
ist die konsequente Behandlung der ersten Schmerzzeichen unter Einsatz aller effizienten therapeutischen
Möglichkeiten erforderlich.
Schneiderhans Praxis zeigt, dass die oftmals in einer Praxisplanung konzeptionell vernachlässigte
Schmerztherapie gerade unter den sich verändernden Bedingungen für eine Praxisführung sinnvoll
sein kann. Allein in die architektonische Gestaltung hat der Orthopäde im Detail viele Elemente
einge-führt, die besonders dem schmerzgeplagten Patienten entgegenkommen. Notwendige Technik wurde
in die Raumgestaltung so integriert, dass sie vom Patienten kaum wahrgenommen wird. Ein ausgeklü-geltes,
für den Patienten kaum wahrnehmbares Signallicht- und Akustiksystem erlaubt es jedem Pra-xismitarbeiter
zu erkennen, was in welchem Raum der Praxis abläuft. In allen Behandlungsräumen und im
Schmerztherapiebereich wird speziell ausgesuchte Musik eingeblendet. Die Einrichtung und ständige
Bildausstellungen sollen die Befindlichkeit des Patienten bereits mit Eintritt in die Praxis verbessern.
Schneiderhan ist davon überzeugt, dass der niedergelassene Arzt in der Zukunft nur dann eine Chan-ce hat,
wirtschaftlich zu überleben, wenn er auf eine konsequente Qualifikation setzt. Auch solche, die von den
zuständigen Organisationen im Einzelfall nicht anerkannt sind, aber als wissenschaftlich aner-kannt gelten.
Dass diese Qualifikation dem Patienten derzeit nur unzureichend vermittelt werden darf, darin sieht Schneiderhan
eines der wesentlichen Hindernisse auf dem Weg zu einem neuen Arzt-Patienten-Verhältnis. Neben der eigenen
Qualifikation und der Qualitätssicherung in der Praxis hält Schneider-han ein stärkeres
interdisziplinäres Denken für den Arzt von Morgen für unverzichtbar." Gerade die Volkskrankheiten
lassen sich verantwortungsbewusst nicht mehr alleine in einem Fachbereich behan-deln". Für Schneiderhan ist
es daher ganz selbstverständlich, mit Kollegen Diagnosen und Therapien zu diskutieren, um zu einer für
den Patienten optimalen Lösung zu kommen.
Alternative bei akuten und chronischen WS-Schmerzsyndromen
Nichtoperative Wirbelsäulenschmerztherapie
Eingesetzt wird diese Technik bei akutem, ambulant ungelöstem Schmerzgeschehen bei hoher Schmerzintensität
oder langfristig ungelösten Schmerzproblemen bei Patienten, bei denen die bisheri-gen Maßnahmen die
gewünschte Linderung nicht erzielen konnten.
Das Verfahren wurde von Prof. Racz, Houston/Texas, entwickelt und Anfang der 80er Jahre in speziel-len Schmerzzentren
in den USA eingeführt. Es handelt sich um ein, bei Anästhesisten bereits seit lan-gem bekanntes Verfahren,
das Racz modifizierte und in den nachfolgenden Jahren perfektionierte. Seither ist es verfeinert und weiterentwickelt
worden.
Der wesentliche Unterschied zu der von der Anästhesie angewandten Technik besteht in der Art der Applikation
und im Kathetersystem selbst. Dadurch wird der Katheter steuerbar und kann unmittelbar an die pathologische
Veränderung herangeführt werden. Mit dieser Therapieform kann bei Patienten mit Schmerzen bei
Bandscheibenprotrusionen und -prolaps, bei akuten und chronischen Schmerzzu-ständen nach B
andscheibenoperationen sowie bei postoperativen Vernarbungen, Fibrosen und schmerzhaften Wirbelsäulenveränderungen
langfristig eine Beschwerdelinderung bis vollständige Be-schwerdebesserung erreicht werden.
Nach Setzen einer Lokalanästhesie im Bereich des Hiatus sacralis wird mit einem speziell entwickelten Introducer in den
Canalis sacralis eingetragen. Eine weitere Narkose ist nicht erforderlich. Der Katheter kann nunmehr über den
Introducer in den Epiduralraum eingeführt werden. Unter Bildwandlerkontrolle und durch wiederholte
Kontrastmittelgabe kann nunmehr ein zielgenaues Plazieren der kleinen Sonde im Epiduralraum der Wirbelsäule
erreicht werden. Durch spezielles Führen des Katheters können die betroffenen Nervenwurzeln so exakt
behandelt werden.
Es erfolgt nun eine weitere Kontrastmittelgabe um sicher zu sein, dass die Lage der Katheterspitze richtig ist.
Anschließend kann die Therapie beginnen. Zunächst erfolgt die Gabe eines Lokalanästheti-kums durch
Einspritzen in den Katheter. Als Lokalanästhetikum wird ein Medikament mit möglichst geringer
Kardiotoxizität empfohlen, da eine verhältnismäßig große Menge eingesetzt wird.
Im nächsten Schritt erfolgt die einmalige Gabe eines speziellen Cortisonpräparates, um den ge-wünschten
entzündungshemmenden Effekt zu erzielen. Danach wird eine Kochsalzlösung injiziert, um aus dem
schmerzverursachenden Gewebe (Bandscheibenvorfall, Bandscheibenwölbung oder Narbengewebe) Flüssigkeit
zu ziehen und diese Strukturen zur Reaktion zu bringen.
Bei Vernarbungen und Verklebungen wird zusätzlich eine Enzymlösung injiziert, um entsprechende epidurale
Verklebungen und Vernarbungen zu lösen. Auch Prof. Racz äußert sich nicht eindeutig, ob diese
Enzymgabe wesentlich ist. Nach unseren Erfahrungen ist es aber gerade bei Vorliegen von Ver-narbungen und Verklebungen
ein erfolgversprechendes Verfahren.
Der Katheter wird anschließend mit einem Bakterienfilter verbunden, der für die nachfolgende Injektion
das Eindringen von Keimen verhindert. Nachfolgend wird der Katheter durch Hautnaht fixiert.
Nach dem ca. 45minütigen Eingriff wird der Patient kurzfristig auf die Intensivstation und anschließend
auf die Station verlegt. Er kann nun aufstehen und essen. Der Wirbelsäulenkatheter verbleibt über mindestens
48 Stunden, damit die Injektion durch den Arzt noch viermal wiederholt werden kann. Der Eingriff ist für den
Patienten wenig belastend, erfordert keine Narkose und ist weitgehend schmerzfrei. Am zweiten postoperativen Tag
kann der Patient die Klinik bereits verlassen.
Von entscheidender Bedeutung ist, dass sich nun eine krankengymnastische Behandlung in Abspra-che mit dem
behandelnden Orthopäden anschließt.
In der Folgezeit ist davon auszugehen, dass der Patient beschwerdefrei ist. Nach einer internationalen Statistik,
die von den Medizinern geführt wird, die diese Operationstechnik anwenden, sind 80 % der Patienten wesentlich
beschwerdearm oder ganz beschwerdefrei. Bei einem geringen Teil von ihnen treten nach ca. einem halben Jahr erneut
Beschwerden auf. In diesen Fällen muss der Eingriff erneut durchgeführt werden. Die Erfolgsrate fällt
umso höher aus, je strenger die Indikationsstellung erfolgt. Ideal für diese Operationstechnik sind die
Indikationen: Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvor-fall, postoperativer Zustand nach Bandscheibenoperationen
mit Narbenbildung, pathologische Wirbel-säulenanatomie.
Die besten Ergebnisse erzielt man bei akuten, starken Schmerzen, die z.B. durch eine Bandscheiben-vorwölbung
oder einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. Aber auch bei vielen chronischen Schmerzen und langdauernden
Nervenwurzelreizungen kann diese Behandlungsmethode rasch eine Verminderung bis vollständige Schmerzbeseitigung
erreichen.
Mittlerweile ist fast jeder zweite Patient, der von uns mit der Wirbelsäulenkathetertechnik behandelt wurde,
ein bereits voroperierter chronischer Schmerzpatient, bei dem die zurückliegende Bandschei-benoperation keine
oder nur eine geringe Beschwerdelinderung erbracht hatte.
Postoperativ aufgetretenes Narbengewebe führt bei diesen Patienten zu vergleichbaren Schmerzen und
Schmerzausstrahlungen wie bei einem klassischen Bandscheibenvorfall. Weitere Operationen werden von diesen
Patienten meist abgelehnt. Zu oft und zu schnell werden operative Therapieformen - ob offene oder minimal-invasive
Verfahren - bei Wirbelsäulenschmerzpatienten durchgeführt. Trotz großer Fortschritte in der
Weiterentwicklung besonders bei minimal-invasiven Operationen muss die Indikation durch den behandelnden Arzt sehr
sorgfältig gestellt werden.
Das wesentliche Wirkprinzip beruht auf einer Abschwellung und Entwässerung des behandelten Ge-webes und einer
daraus resultierenden Entlastung der häufig betroffenen Nervenwurzel. Von wesentli-cher Bedeutung für den
Patienten ist die minimale Belastung durch die risikoarme Vorgehensweise sowie die rasche Rekonvaleszenz.
Nicht nur die hervorragenden Ergebnisse sprechen für diese Methode. Aufgrund der kurzen stationä-ren
Verweildauer und der raschen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit der Patienten ergeben sich auch massive
volkswirtschaftliche Vorteile dieser effektiven und risikoarmen Behandlungstechnik. Wir raten jedoch davon ab, diese
Methode ambulant durchzuführen.
Es bleibt das Risiko einer Dislokation des Katheters, und der Einsatz hochwirksamer Neuralanästheti-ka setzt
einen Klinikaufenthalt voraus. Es muss jedoch hervorgehoben werden, dass eine Komplikati-onsrate, bei einer
Spinalanästhesie nie auszuschließen, bei richtigem Vorgehen äußerst gering ist. Eine
Durchführung in einer Klinik ist deshalb schon obligatorisch, weil als technische Voraussetzung ein Bildwandler
vorhanden sein muss.
Bei der Methode handelt es sich nicht um eine kassenübliche Leistung. Es kommt bei der Formulierung des Antrages
auf Kostenerstattung (ca. 1700 Mark für die Behandlung ohne Klinkaufenthalt) durch die GKV sehr auf die
Argumentationsfähigkeit des Therapeuten und die Krankengeschichte des Patienten an.
Zur rückenschmerzenpage/Startseite
|
 |
April 2001 | orthopress Bandscheibenkatheter! Was Sie als Patient wissen sollten

|