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Schmerz verstehen.

Was heißt "Schmerz verstehen", werden Sie vielleicht fragen? Ich will Ihnen ein Beispiel nennen. Da gibt es das sogenannte Postnukleotomie-Syndrom (Schmerzsyndrom nach Bandscheibenoperationen) bei Patienten, die wegen eines Bandscheibenvorfalles operiert wurden. Plötzlich oder allmählich treten wieder dieselben oder andere Schmerzen wie vor der Bandscheibenoperation auf. Wie kann das sein? Wie kann etwas weh tun, was nicht mehr da ist? Schmerzen sind oft schwer zu verstehen.

Seit vielen Jahren organisiere ich Informationsveranstaltungen für Patienten. Bei diesen Treffs des Schmerztherapeutischen Kolloquiums erfahre ich manchmal mehr über die Probleme der Schmerzpatienten als in der Sprechstunde. Denn vielen Menschen fällt es leichter, außerhalb des Praxisbetriebs und gemeinsam mit anderen Betroffenen, die ja ähnliche Schwierigkeiten haben, darüber zu sprechen. Und wer mit Experten und Gleichgesinnten spricht, hat es leichter, schwierige Zusammenhänge zu verstehen.

Meist kann der vom Schmerz geplagte Patient auf eine lange "Ärztekarriere" zurückblicken. Hilfesuchend und manchmal schon verzweifelt wandert er von Arzt zu Arzt. Da aber sein Hauptanliegen, die Linderung seiner Beschwerden, dabei oft unerfüllt bleibt, leidet der chronische Schmerzpatient bald unter "Ärztefrust". Er fühlt sich von seinem Umfeld nicht ernst genommen, ist mittlerweile desillusioniert und leidet deswegen manchmal sogar unter Depressionen. Das kommt häufiger vor, als man denkt.

Für den persönlichen Umgang mit dem Schmerz bedeutet dies: Der Patient stimmt sein gesamtes Leben immer stärker auf den kontinuierlich auftretenden Schmerz ab. Er zieht sich zurück, geht nicht mehr aus dem Haus, wendet sich von Angehörigen und Freunden ab. Immer in der Furcht, nicht mehr ernst genommen zu werden, den anderen zur Last zu fallen oder auf die Nerven zu gehen mit seinen ewigen Schmerzen. Am Ende steht neben dem Schmerz auch noch die Isolation. Der Schmerz hat die Gewalt über den Patienten gewonnen, bestimmt seinen Tagesablauf. Dabei müßte es genau umgekehrt sein. Der Patient muß wieder seine Schmerzen in den Griff bekommen. Daran arbeiten wir, das ist unser gemeinsames Ziel.



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  Dr. med. Schneiderhan  



Wir fangen da an,
wo andere aufhören.


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