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Sanfte Therapie für ein starkes Kreuz

"Kranke Bandscheiben muss man nicht mehr operieren. Man heilt sie einfach", sagt der Orthopäde Dr. Reinhard Schneiderhan aus München.

Eine bahnbrechende neue Therapie aus den USA erobert jetzt Deutschland

Der Angriff erfolgt heimtückisch und meist aus heiterem Himmel - beim Sport, im Urlaub oder auf dem Weg zur Arbeit. "Ich wollte mir nur schnell die Schuhe zubinden, als ich plötzlich einen wahnsinnigen Schmerz im Rücken verspürte. Und ab da konnte ich mich nicht mehr bewegen", erinnert sich Julia Becker aus München. Eine Computertomographie brachte die erschreckende Gewissheit: Akuter Bandscheibenvorfall mit drohender Lähmung. Eine Diagnose, bei der es bisher nur eine Lösung gab: die Operation an der Wirbelsäule. Ein trotz moderner OP-Technik noch immer riskanter Eingriff - verbunden mit mehrwöchigem Klinikaufenthalt, viel Blutvergießen und großen Schnitten und Narben.

Julia Becker hatte besonderes Glück. Sie geriet an den Orthopäden Dr. Reinhard Schneiderhan. Einer der ganz wenigen deutschen Spezialisten, die seit kurzem ein bahnbrechendes Verfahren aus den USA anwenden. Eine Medikamenten-Spritze statt Skalpell. Schneiderhan: "Ein Großteil der Bandscheiben-Operationen ließen sich mit dieser Methode verhindern."

Das Verfahren (Fachbezeichnung: "Wirbelsäulen-Kathetertechnik nach Racz) hat drei enorme Vorteile für den Patienten:

Sonde statt Schnitt.

Unter Röntgenbildkontrolle wird lediglich eine Mini-Sonde direkt am schmerzenden Nerv platziert. Und in ihn wird zielgenau ein Medikamenten-Cocktail injiziert.

Heilung statt Entnahme.

Dieses Medikament hat gleich mehrere positive Effekte: Das angeschwollene Gewebe schrumpft, der Druck auf die Nervenwurzel verschwindet. Entzündungen bilden sich zurück, Vernarbungen und Verklebungen am Rückenmark lösen sich. Im Klartext: Statt wie bei einer Operation krankes Bandscheiben-Gewebe wegzuschneiden, wird es geheilt.

Betäubung statt Vollnarkose.

Eine Lokalanästhesie reicht aus. Die Patienten können schon nach drei Tagen die Klinik verlassen. "Bei 80 % sind die Schmerzen ganz verschwunden. Beim Rest stellt sich zumindest eine Besserung ein", erklärt Dr. Schneiderhan.

Der Münchener Orthopäde bedauert, dass viele Kollegen noch immer zu schnell zum Skalpell greifen. "Inzwischen gibt es so viele Methoden und wirksame Behandlungsstrategien, dass eine Operation nur dann gerechtfertigt ist, wenn es zu akuten Lähmungserscheinungen kommt." Oft genügen schon Massagen, der gezielte Einsatz von modernen Medikamenten und eine spezielle Gymnastik zur Stärkung der Rückenmuskulatur. Und die stärkt auch die Bandscheiben.

Juli Becker wurde wegen ihres Bandscheibenvorfalls lediglich eine Woche krankgeschrieben. Danach war sie wieder voll belastbar - ohne Schmerzmittel. Und zwei Wochen später unternahm sie die erste Radtour.

Therapie-Revolution an der Bandscheibe

Anwendung: Wenn übliche Maßnahmen wie Massage, Wirbelsäulengymnastik und Medikamente keine Besserung gebracht haben. Dauer und Kosten: Der Wirbelsäulenkatheter-Eingriff dauert ca. 40 Minuten, die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Adressen: Informationen und Adressen von Schmerztherapeuten in Ihrer Nähe bekommen Sie schriftlich gegen 2,20 Mark im Rückumschlag bei der Deutschen Schmerzliga, Roßmarkt 23, 60311 Frankfurt oder telefonisch unter: 069/29 98 80 75. Erfolge: Bei 80% der Patienten verlief die Behandlung erfolgreich. Nachbehandlung: Gymnastik zur Stabilisation der Wirbelsäule


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