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Zwei Jahre lang gehörten höllische Rückenschmerzen zu ihrem täglichen Leben.

"Wie schlimm das ist, können sich die meisten Menschen gar nicht vorstellen", sagt Brigitte Boerssen (51). Sie litt unter einem schweren Bandscheibenvorfall, wanderte vergeblich von Arzt zu Arzt und stand kurz vor der Operation. Doch die Angst vor dem riskanten Eingriff war noch stärker als der Schmerz.

Dass die leitende Angestellte einer Münchner Geräte-Firma ihre Qualen dann tatsächlich ohne Operation los wurde, verdankt sie einer völlig neuen Behandlungsmethode aus den USA: "Die moderne Wirbelsäulenkatheter-Therapie mit einer Anti-Schmerz-Sonde, die der texanische Professor Gabor Ratz entwickelt hat, kann starke und chronische Rückenschmerzen schonend und ohne operativen Eingriff beseitigen", erklärt der Münchner Orthopäde Dr. Reinhard Schneiderhan (39). Der Wirbelsäulenspezialist ist orthopädischer Leiter des Schmerztherapeutischen Kolloquiums München und hat das Verfahren als einer der Ersten in Deutschland eingeführt: "Damit können wir einen nur zwei Millimeter dünnen Katheter durch das Innere der Wirbelsäule exakt an die betroffene Nervenwurzel platzieren und den Schmerz gezielt ausschalten."

Inzwischen behandeln schon drei Münchner Orthopäden (in Neuhausen, Berg am Laim und Taufkirchen) ihre Patienten nach der US-Methode. Erst vor wenigen Tagen wurde die "Operation ohne Messer" bei einem ärztekongress im Klinikum Großhadern vorgestellt: Die Erfolgsquote der neuen Therapie liegt bei erstaunlichen 80%. Und das bei Patienten, bei denen alle bisher möglichen Behandlungsmethoden gegen Rücken- und Bandscheiben-Schmerzen versagt haben.

Zu diesen Patienten gehörte auch Brigitte Boerssen. "Ich war verzweifelt. Mein linkes Bein war schon gefühllos, weil die Bandscheibe so stark auf den Nerv drückte. Sogar Lähmungserscheinungen traten auf. Beim Autofahren konnte ich manchmal nicht mal mehr die Kupplung treten. Dazu diese unerträglichen Schmerzen. Wochenlang bekam ich täglich Spritzen. Geholfen hat das aber nicht."

Brigitte Boerssens damaliger Arzt machte eine Computertomographie und entdeckte den schweren Bandscheibenvorfall. Sie wollte sie schon in der Uniklinik operieren lassen. Doch das lehnte die Patientin ab. "Statt dessen ging ich lieber fünf Wochen in eine Rehaklinik", erinnert sie sich. "Die Rückenschmerzen und das Bein wurden zwar besser. Doch die Schmerzen kamen wieder. Eine Kollegin empfahl mir dann Dr. Schneiderhan."

Der Münchner Schmerztherapeut behandelte sie erst mit Spritzen und Infusionen. "Schon nach kurzer Zeit ging es mir besser", sagt sie. Doch dann wieder ein Rückfall. "Da riet mir der Arzt zu der neuen Katheter-Therapie mit der Anti-Schmerz-Sonde. Ich stimmte zu, es war ja keine Operation. Und es hat geholfen. "Drei Tage musste die Patientin in die Schreiber-Klinik nach Bogenhausen. Das Einführen der Sonde in die Wirbelsäule merkte sie gar nicht, obwohl sie bei vollem Bewusstsein war: "Für den Einstich bekam ich nur eine örtliche Betäubung über dem Steißbein. Auf dem Röntgenmonitor konnte ich sogar zusehen, wie der Arzt die Sonde durch meine Wirbelsäule nach oben schob. Als Dr. Schneiderhan dann die Medikamente an die Nervenwurzel spritzte, brannte es ein bisschen. Danach wurden meine Schmerzen von Stunde zu Stunde besser. Nach drei Tagen in der Klinik waren sie ganz weg - ich konnte gleich wieder ins Büro. Zum ersten Mal seit zwei Jahren ohne Schmerzen", freut sich Brigitte Boerssen. Inzwischen geht die 51-jährige Radfahren, Tanzen, Inlineskaten und sogar wieder Bergwandern - vor der Behandlung undenkbar.

Moderne Mediziner wissen: 80% aller Bandscheibenoperationen sind überflüssig. Außerdem garantieren sie keine Schmerzfreiheit, oft bleiben die Beschwerden. Erst wenn alle konservativen Maßnahmen und Medikamente, Chiropraktik sowie Akupunktur nicht weiterhelfen, sollte man operieren. Doch mit der neuen Wirbelsäulenkatheter-Technik kann man den meisten Patienten auch ohne Operation effektiv helfen.

Und so funktioniert der Eingriff: "Aus Sicherheitsgründen platzieren wir die Sonde über das Steißbein, weil dort kein Rückenmark mehr vorhanden ist, das verletzt werden könnte", erklärt Dr. Schneiderhan. "Unter Röntgenkontrolle schieben wir dann den Katheter, der an der Spitze eine Spiralfeder aus Edelstahl besitzt, innerhalb der Wirbelsäule, aber außerhalb der Rückenmarkshaut nach oben in Richtung Kopf direkt an die chronisch gereizte Nervenwurzel. Dort injizieren wir über den Katheter ein Betäubungsmittel gegen die Schmerzen, verdünntes Kortison gegen die Entzündung, hochprozentige Kochsalzlösung gegen die Schwellung und ein Enzympräparat, das Verklebungen löst."

Der Katheter bleibt für etwa 48 Stunden unter einem sterilen Verband liegen, so dass die Injektionen im Abstand von jeweils acht bis zwölf Stunden drei- bis fünfmal wiederholt werden können. Schon eine Stunde nach der Kathetereinführung kann der Patient wieder aufstehen. Nach der letzten Injektion wird der Katheter gezogen, der Patient kann meist sofort wieder seinen Beruf nachgehen.

Außer für Bandscheibenpatienten eignet sich die Methode auch für Nerven- und Arthroseschmerzen sowohl an der Lendenwirbelsäule als auch an der Halswirbelsäule. Die Kosten werden von den meisten Krankenkassen, auch von gesetzlich, auf Antrag übernommen.


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