Kochsalz für die Bandscheibe
Patienten, die nach einem Bandscheibenvorfall beinahe unerträgliche Schmerzen haben, können nach drei Tagen wieder fit sein, wenn sie eine neuartige Behandlungsmethode anwenden, die in den USA entwickelt wurde. In Deutschland wird sie von einigen wenigen ärzten bereits eingesetzt, so von den Münchner Orthopäden Reinhard Schneiderhan. Er schiebt bei örtlicher Betäubung einen feinen Katheter durch einen kleinen Hautschlitz auf dem Rücken in die Wirbelsäule des Patienten, bis die Spitze die Stelle erreicht hat, an der die Bandscheibe den Nerv schmerzhaft einklemmt. Den Weg des 70 cm langen, maximal 2,1 mm dicken Katheters verfolgt der Arzt anhand einer Echtzeitröntgenaufnahme.
Zur eigentlichen Behandlung werden diverse Flüssigkeiten durch den Katheter geschickt: eine Kochsalzlösung zum Entwässern der Bandscheibe, die dadurch kleiner - schrumpelig wie ein eingetrockneter Apfel - wird und weniger auf den Nerv drückt, sowie schmerz- und entzündungshemmende Mittel. Die medikamentöse Behandlung dauert in der Regel nur drei Tage. Dann ist der Patient geheilt, die Sonde wird entfernt.
Schneiderhan hat bisher gut 2000 Patienten auf diese schonende Art behandelt. Die Erfolgsquote lag bei 80%. Eine nachhaltig positive Wirkung ist allerdings nur gewährleistet, wenn der Patient anschließend seinen Rücken regelmäßig durch Gymnastik kräftigt. In Deutschland werden jährlich rund 100.000 Menschen auf konventionelle Art an der Bandscheibe operiert. Viele haben auch danach noch Schmerzen - das Rückenleiden wird chronisch.
