Hoffen auf den Schmerz-Katheter

16.12.2004 Ein Taufkirchner Orthopäde propagiert einen neuen Behandlungsweg aus den USA

von Alexandra Leuther

Taufkirchen - wenn der Kopf nach einer durchzechten Nacht hämmert, dann hilft im Normalfall der einmalige Griff zur Schmerztablette aus dem Elend. Ganz anders geht es Menschen mit chronischen Schmerzen. Eine neue minimal-invasive Behandlungstechnik, entwickelt von dem texanischen Arzt Gabor Racz und seit zwei Jahren an der Praxisklinik des Taufkirchner Ortho-päden Reinhard Schneiderhan angewandt, soll künftig Patienten mit chronischen Schmerzen im Hals- oder Lendenwirbelsäulenbereich helfen.

"Postnukleotomie-Syndrom", also mangelnde Stabilität der Wirbelkörper nach einer Bandscheibenope-ration, ist eine der Diagnosen, bei der die Anwendung der Katheter-Technik geboten ist, erklärt Schneiderhan bei einer Pressekonferenz anlässlich einer Tagung des Schmerztherapeutischen Kollo-quiums in München. Aber auch post-operative Narbenbildung oder Bandscheibenvorfälle ließen sich mit dieser Methode behandeln.

Dabei wird ein spezieller, besonders dünner Katheter in die Wirbelsäule eingeführt und in die unmittel-bare Nähe der schmerzenden Nervenwurzel gelenkt. Mittels eines Anästhetikums wird der Nerv be-täubt und dann mit einer speziellen Wirkstoffkombination das störende Gewebe, also Narbengewebe oder eine vorgefallene Bandscheibe entwässert und damit geschrumpft, so dass sie nicht mehr auf den Nerv drücken können.

Der Katheter bleibt für weitere vier Behandlung an Ort und Stelle. Die Behandlung, die etwa 30 bis 40 Minuten dauert, werde zwar stationär durchgeführt, der Patient könne aber schon eine Stunde danach aufstehen und essen. Nach drei Tagen könne er das Krankenhaus wieder verlassen, nach zwei Wo-chen körperlicher Schonung mit gezielter Krankengymnastik beginnen und sogar wieder Sport treiben, erklärt Schneiderhan. Die minimal-invasive Behandlungsmethode könne im Lendenwirbel- und im Halswirbelsäulenbereich eingesetzt werden und vielen chronisch Schmerzkranken eine risikoreichere und mit weitaus mehr Zeit- und Behandlungsaufwand verbundene Bandscheibenoperation ersparen.

Natürlich gebe es auch bei dieser Methode das theoretische Risiko einer Blutung oder Infektion. Aber weder von den 2000 bislang von ihm Behandelten, noch von 8000 in den USA behandelten Patienten seien ihm Komplikationen bekannt. Um der Methode in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen, hat Schneiderhan, der als einer der ersten die amerikanische Technik angewandt hat, anlässlich der Ta-gung des Schmerztherapeutischen Kolloquiums einen Richtlinienkatalog ausgearbeitet.

Das deutschlandweit organisierte Schmerztherapeutische Kolloquium mit Zentrale in Frankfurt am Main hat in München bislang etwa 50 ärzte verschiedener Fachrichtungen als Mitglieder und widmet sich dem interdisziplinären Kampf gegen Schmerzzustände, wobei Kopfschmerzen und Migräne hier zu den häufigsten übeln gehören. Die Münchner Organisation und ihr Gründer, der Neurologe Martin Gessler, vermitteln Adressen von ärzten, die sich nach Zusatzausbildung gezielt der Schmerztherapie widmen, wenn die gängigen Präparate des Hausarztes nicht mehr helfen. Die minimal-invasive Kathe-ter-Technik gehört zu den Verfahren, die von den angeschlossenen ärzten gefördert und deren kas-senärztliche Anerkennung erreicht werden soll. Von den Privatkassen wird der Eingriff bereits über-nommen, die gesetzlichen Kassen zahlen nur teilweise.

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