Rückenschmerzen weg ohne Operation

Über 100000 Deutsche müssen jedes Jahr an der Bandscheibe operiert werden.

05.01.2005 Über 100000 Deutsche müssen jedes Jahr an der Bandscheibe operiert werden. Doch selbst die ausgefeilteste Operationstechnik kann nicht garantieren, dass die Patienten alzschließend keine Schmerzen mehr haben.

Rückenschmerzen weg ohne Operation

Eine Odyssee von Arzt zu Arzt beginnt. Krankengymnastik, Elektrotherapie, Heilbäder, Fango und Massagen gehören zu den bekanntesten konservativen Behandlungsarten. Dazu verschreibt der Arzt Tabletten, Spritzen und Chiropraktik. Doch oft hilft auch das gesamte Arsenal der konservativen Medizin nicht weiter. Dazu kommt: Die Betroffenen leiden nicht nur körperlich. sondern auch seelisch, Folge: Sie entschließen sich doch zur Operation.

Neue Wege aus der Bandscheibenhölle

Ein Eingriff, der immer noch viele Risiken birgt. Das gilt sowohl für die herkömmlichen offenen Operationen, aber auch für die modernen minimalinvasiven Verfahren mit Endoskop und Laser. Leider wird das oft verschwiegen.

Orthopäden wissen ein Lied davon zu singen. Patienten mit so dem genannten »PostnukleotomieSyndrom« gehören längst zum Praxisalltag. »Das sind Menschen, bei denen es den Wirbelkörpern nach der Operation an Stabilität fehlt«, sagt der Münchner Orthopäde Dr. Reinhard Schneiderhahn, der auch das Schmerztherapeutische Kolloquium in der Bayern-Metropole leitet. „Noch schlimmer wird es, wenn sich nach dem Eingriff in der Nähe der empfindlichen Nervenwurzeln Narben bilden. Die können genauso starke Schmerzen verursachen wie der Bandscheibenvorfall selbst.“

Sinn und Zweck der operativen Schmerztherapie werden damit völlig auf den Kopf gestellt. Trotzdem nimmt die Zahl der Eingriffe eher zu als ab. Deshalb empfiehlt Dr. Schneiderhahn, grundsätzlich erst dann zu operieren. wenn alle anderen konservativen Maßnahmen erfolglos bleiben. Einzige Ausnahme: Lähmungserscheinungen oder andere gravierende neurologische Ausfalle.

Die sanfte AntiSchmerz-Sonde gegen Rückenschmerzen

Doch jetzt gibt es eine Lösung. Mit der Entwicklung der neuen Wirbelsäulen Kathetertechnik steht der orthopädischen Medizin eine moderne Therapieform zur Verfügung, mit der dem Schmerzpatienten auf eine gleichermaßen effektive wie risikoarme Weise geholfen werden kann. Denn es handelt sich dabei um eine Technik, welche eine schmerztherapeutische Bandscheibenbehandlung ohne Operation zulässt.

Entwickelt wurde die neuartige Methode von dem berühmten US-Schmerzforscher: Gabor Racz in Houston/Texas. In Deutschland aber beherrschen bislang nur wenige Wirbelsäulenspezialisten diese Technik. »Damit können wir ganz gezielt einen dünnen Katheter durch das Innere der Wirbelsäule neben dem Rückenmarkskanal exakt an die betroffene Nervenwurzel platzieren « sagt Dr. Schneiderhan, der als einer der Ersten die neue Methode in Deutschland einsgeführt hat.

»Wenn ich einen Bandscheibenvorfall hätte, würde ich zuerst diese Methode ausprobieren man kann nur gewinnen«, sagt der Wirbelsäulenspezialist. Auf einem USA-Aufenthalt vor drei Jahren erlernte er das neue Verfahren von Professor Racz. »Als ich von der Behandlungsmethode hörte, war für mich klar. Das muss ich machen. Es ist ein risikoarmes, minimalinvasives Verfahren, das ohne Narkose, ohne Schnitt und ohne Verletzung durchgeführt werden kann«, erklärt Dr. Schneiderhahn nicht ohne Begeisterung. »Es eignet sich für alle Bandscheibenpatienten, sowohl im Bereich der Lendenwirbelsäule, als auch im Bereich der Halswirbelsäule.«

Das ist das ganz Neue an dieser Behandlung. Bisher gab es für Patienten mit Bandscheiben-Nerven- und Arthroseschmerzen in der Halswirbelsäule kaum Möglichkeiten für eine Intensiv-Therapie ohne Operation. Da bot sich die an der Lendenwirbelsäule bewährte Technik geradezu an.

Bei der Durchführung der Wirbelsäulen-Kathetertechnik mit epiduralem Injektionsverfahren liegt der Patient auf dem Bauch. Eine Vollnarkose ist nicht erforderlich. Das vermeidet zusätzliche Risiken. Unter Örtlicher Betäubung führt Dr. Schneiderhahn eine Spezial-Kanüle in die Wirbelsäule ein. Bei Lendenwirbelbeschwerden im Steißbeinbereich, bei Halswirbelschmerzen im oberen Bereich der
Brustwirbelsäule. Unter Röntgenkontrolle kann er die genaue Lage der Kanüle überprüfen.

Neue Technik - ohne Blut, ohne Operation und ohne langen Klinikaufenthalt.

Dann schiebt Dr. Schneiderhahn einen speziell für dieses Verfahren entwickelten Katheter durch eine Nadel in die Nähe des Rückenmarks vor. Der Katheter ist am Ende mit einer Edelstahlspiralfeder versehen. W9dorch ein schonendes, verletzungsfreies Vorschieben möglich ist. Unter weiterer Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel, das den genauen Nervenabgang und die auf den Nerven drückende Stelle sichtbar macht, erreicht die Katheterspitze die betroffene Nervenwurzel. Die Kanüle wird dann entfernt.

Damit ist nun die Grundlage dafür geschaffen, die betroffenen schmerz leitenden Nervenwurzeln zu behandeln. Grundprinzip der Behandlungsmethode ist die Abschwellung und Entwässerung des störenden Gewebes, wodurch die Nervenwurzel entlastet wird. Durch die genaue Injektion verschiedener Medikamente und entzündungshemmende Medikamente, Kochsalzlösung - erreicht der Arzt gleich mehrere Effekte: Das Gewebe , das den Nerv umgibt und ihn einengt, schrumpft. Die Nervenwurzel wird somit ohne Schnitt und Operation entlastet. Entzündungen bilden sich zurück.

Der Schmerz wird bekämpft. Zum Schluss spritzt der Arzt eine besondere Enzymlösung durch den Katheter die rückenmarksnahe Vernarbungen und Verklebungen löst.

Der Trick, der den Bandscheibenvorfall schrumpfen lässt: die Kochsalzlösung entzieht dem umliegenden Gewebe Flüssigkeit. Dadurch soll sich die Bandscheibe zusammenziehen. um eben den Druck auf den Nerv zu verringern. Gegenüber einem operativen Eingriff wird dabei das Gewebe der Bandscheibe lediglich »schrumpelig«, nicht aber verletzt.

Schließlich wird der, an einem Ende mit einem Bakterienfilter abgedichtete Katheter, der noch etwa 48 Stunden verbleiben wird, mit einer Hautstichnaht befestigt. Der gesamte Eingriff dauert nicht länger als 30 bis 40 Minuten.
Schon eine Stunde nach der Behandlung kann der Patient aufstehen und herumgehen. Er darf auch sofort essen und trinken. Der Krankenhausaufenthalt dauert nur drei Tage. In dieser Zeit bekommt der Patient über den Katheter im Acht-Stunden-Abstand weitere Schmerzmittel, Kochsalzlösung und Enzyme gespritzt. Natürlich nicht mehr im Operationssaal, sondern in seinem Krankenbett.

»Die besten Ergebnisse erzielt man«, so der Wirbelsäulen-Experte Dr. Schneiderhahn. »bei akuten und starken Schmerzen, die zum Beispiel durch eine Bandscheibenvorwölbung oder einen Bandscheibenvorfall ausgelöst werden. Aber auch bei chronischen Schmerzen und Nervenwurzel-Reizungen durch Abnutzungserscheinungen an den Nervenwurzelaustrittsstellen lässt sich langfristig eine vollständige Besserung oder zumindest eine Linderung der Beschwerden erreichen.

In internationalen Studien werden Erfolgsquoten von über 85% angegeben. Die Patienten können nach ihrer Entlassung wieder leichte Arbeiten verrichten, körperliche Belastungen sollten jedoch erst nach weiteren zwei Wochen erfolgen. Als Nachbehandlung empfiehlt sich eine speziell ausgearbeitete Krankengymnastik, um die Wirbelsäule zu stabilisieren.

Wirbelsäulen-Hotline für Patienten: 089-61451024 oder 089-61451025
Internet: www.orthopaede.com

Kontakt

Haben Sie Fragen?

Hotline zum Kontaktformular Patientenforum Sie fragen – unsere Experten anworten.