Endoskopie oder Mikrochirurgie?
n Deutschland kommt etwa jeder fünfte Bandscheibenpatient unters Messer. Anstelle großer, offener Eingriffe wenden Mediziner heute neue minimalinvasive oder mikrochirurgische Therapiekonzepte an. Katheter, Hitzesonde oder Mikrolaser beseitigen Schmerzen und schonen den Körper.

n Deutschland kommt etwa jeder fünfte Bandscheibenpatient unters Messer. Anstelle großer, offener Eingriffe wenden Mediziner heute neue minimalinvasive oder mikrochirurgische Therapiekonzepte an. Katheter, Hitzesonde oder Mikrolaser beseitigen Schmerzen und schonen den Körper.Auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie hat sich viel getan. Heutzutage gilt die Aussage „Damit müssen Sie leben“ nicht mehr, denn mit modernen Behandlungsmethoden kann fast jedem Patienten geholfen werden. Bei den Bandscheibenoperationen können dank der „Schlüsselloch-Chirurgie“ – der minimalinvasiven und wenig invasiven Operationstechniken – die heute existierenden und sich ständig entwickelnden Verfahren in vielen Fällen ausreichen, um die Schmerzen zu beheben. Als invasiv werden in der medizinischen Diagnostik und Therapeutik alle Methoden bezeichnet, die in den Körper eindringen. Minimalinvasiv steht als Oberbegriff für operative Eingriffe mit kleinster Verletzung der Haut und Weichteile. Das bedeutet für Bandscheiben-Operationen: Vorgefallenes Bandscheiben-
gewebe wird entfernt, was den Nerv sofort entlastet.
Endoskopie
Der Operateur gelangt durch einen wenige Millimeter großen Verwendung einer dünnen Sonde mit Optik und Lichtquelle (Endoskop) an die geschädigte Bandscheibe. Über diesen sogenannten Arbeitskanal werden Instrumente eingeführt, die an den Inhalt des Arztkoffers für Kinder erinnern. Jetzt besteht die Möglichkeit, das vorgefallene Bandscheibengewebe mit feinen Fasszangen zu entfernen. Oder es wird über eine Öffnung an der Sondenspitze angesogen und mit einem integrierten Messer abgetrennt. Danach wird es automatisch abgesaugt.
Um den Eingriff ständig kontrollieren und die Instrumente exakt positionieren zu können, werden bildgebende Verfahren wie die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), die Computertomographie oder Röntgenverfahren genutzt. Besonders vorteilhaft für den Patienten ist die MRT, denn sie kommt ohne schädigende ionisierende Strahlung aus.
Mikrochirurgie
Mikrochirurgen setzen auf sehr feine Instrumente unter direkter Sicht einer Lupenbrille beziehungsweise eines 3D-Operationsmikroskop, das starke Vergrößerungen der Operationsgebiete gewährleistet – und damit eine gute Übersicht sowie Einblicke auch in tiefer gelegene Strukturen. Der Zugang erfolgt über einen wenige Millimeter bis maximal drei bis vier Zentimeter langen Hautschnitt. Als Zugang zur Wirbelsäule wird beispielsweise ein sogenannter Trokar genutzt, das ist ein kürzeres und noch schlankeres Röhrchen als das Endoskop.
Beide Verfahren haben im Vergleich zu den klassischen offenen Operationen mit ausgedehnterem Schnitt, die über Jahrzehnte als „Goldstandard“ galten, für den Patienten deutliche Vorteile. Daher werden offene Operationen von Spezialisten zumindest bei Bandscheibenvorfällen heute nicht mehr durchgeführt.
Vorteile
Ob endoskopisch oder mikrochirurgisch – in beiden Fällen bewirken kleine Schnitte, dass
- die Operationszeit kurz ist und je nach Indikation 40 bis 60 bis 120 Minuten dauert,
- auf dem Weg durch Muskulatur, Knochen und im Wirbelkanal nur wenig Gewebe zerstört wird,
- das Risiko von Blutungen und Wundinfektionen gesenkt wird,
- Wunden kleiner ausfallen und schneller heilen,
- das umgebende Gewebe weitgehend geschont wird,
- Vernarbungen im Operationsgebiet, die früher häufig die Quelle erneuter Schmerzen (Postdiskektomie-Syndrom) waren, deutlich geringer ausfallen,
- die Erholungsphase kurz ist: Der Patient kann früher aufstehen und schneller mobilisiert werden, sodass grundsätzlich auch ein ambulantes Vorgehen möglich ist.
Endoskopische Eingriffe sind aus Patientensicht das schonendste Verfahren überhaupt. Dennoch ist im Vergleich zur Mikrochirurgie anzumerken, dass
- das Operationsfeld unübersichtlich ist, da mit dem Endoskop nur geradeaus geschaut werden kann;
- im Wirbelkanal frei schwimmende Bandscheibenstückchen (Sequester) endoskopisch nicht immer einfach zu erfassen sind;
- der Zugang bei einer bedrohlichen Komplikation begrenzt ist, zum Beispiel bei einer starken Blutung im Operationsfeld.
Sowohl bei der Endoskopie als auch bei der Mikrochirurgie kann durch Lasereinsatz dreierlei erledigt werden:
- Vorwölbungen und Vorfälle können geschrumpft und die Lücke, durch die das Bandscheibengewebe ausgetreten ist, wieder verschweißt werden.
- Sequester (siehe oben), die frei im Wirbelkanal schwimmen und mit Fasszangen nicht erreichbar sind, können verdampft werden.
- Schmerznerven können verödet und die Weiterleitung von Schmerzsignalen aus der Bandscheibe an das Gehirn unterbrochen werden.
Echte Könner sind in der glücklichen Lage, je nach Einzelfall die optimale Operationstechnik auswählen zu können. Die Kunst besteht in der korrekten Indikationsstellung für das eine oder andere Verfahren.
„Selbst bei ausgeprägtem Verschleiß der Bandscheiben und zusätzlich der Wirbelgelenke kann einerseits das gezielte Veröden der Schmerz-
punkte an den Wirbelsäulengelenken die Schmerzleitung von den Gelenken zum Gehirn unterbrechen, andererseits kann eine nachfolgende Mikrolaserbehandlung die erforderliche Schrumpfung des vorgewölbten oder vorgefallenen Bandscheibengewebes erzielen, so dass offene Operationen meist vermieden werden können“, so Dr. Reinhard Schneiderhan, Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist in München gegenüber Medmonitor.
Quellen:
Bundesverband Ambulantes Operieren e.V.
Zimmer Germany GmbH: Hintergrundinformation 2005
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