"Kein Arzt hat mich ernst genommen!"

30.07.2009 Als Simulantin wurde Katharina Ludwig oft abgestempelt, wenn sie über Rückenschmerzen klagte. Als sie dann operiert wurde, geschah es an der falschen Stelle!
01.jpgKatharina kann wieder lachen: Dank vorsichtiger Krankengymnastik geht es ihr jeden Tag ein Stück besser - ein Lichtblick nach Jahren voller Schmerzen
Das Leben von Katharina Ludwig war 16 Jahre lang von furchtbaren Rückenschmerzen bestimmt. „Es begann mit einem Bandscheibenvorfall, während ich schwanger war", erzählt die 49-Jährige. Alle konservativen Behandlungen halfen nichts. Im Gegenteil: Nach der Entbindung fühlten sich die Beine taub an. Doch statt sich zu schonen, setzte die zweifache Mutter alles daran, ihre Familie und den Job als Krankenschwester unter einen Hut zu bekommen. Bis sie drei Jahre später ein erneuter Bandscheibenvorfall völlig aus der Bahn warf. Schließlich wurde sie in einer Fachklinik operiert.


"Ich konnte kaum noch sitzen"
„Bald geht es mir wieder gut", hoffte Katharina - und wurde enttäuscht! Die Beine blieben taub; jede Bewegung war eine Qual. „Ich konnte kaum noch sitzen, schon gar nicht auf der Krankenstation arbeiten." Verzweifelt suchte die kranke Frau Hilfe, aber die Arzte nahmen sie nicht ernst: „Man stempelte mich einfach als Simulantin ab!" Katharina blieb hartnäckig, bestand auf weiteren Untersuchungen. Die Röntgenbilder zeigten einen neuen Bandscheibenvorfall.



Schmerzmittel halfen nicht mehr 02.jpgDas Gewebe entzündete sich diesmal so stark dass selbst Schmerzmittel nicht mehr wirkten. „Die Ärzte verordneten mir schließlich Psychopharmaka zur Ruhigstellung und rieten mir, meinen Beruf aufzugeben." Wieder unterzog sich die Patientin einer OP und Reha-Maßnahmen - wieder vergeblich. Jetzt sahen die Arzte nur noch einen Weg: die Versteifung der Wirbelsäule. Ohne Garantie auf Erfolg. Als Katharina ablehnte, hieß es lapidar: „Dann kann man nichts mehr machen, gewöhnen Sie sich daran." Die Schmerzen und die Medikamente veränderten die Persönlichkeit der einst so aktiven Frau, nahmen ihr jede Lebenslust. „Auto fahren oder Hausarbeiten erledigen - das konnte ich vergessen." Besonders schwer fiel es ihr, ihre zahlreichen Ehrenämter aufzugeben. Katharina war nervlich am Ende, doch aufgeben wollte sie noch nicht. Da kam der Zufall ihr zu Hilfe: Sie las bei einem Arztbesuch von der Praxisklinik Dr. Schneiderhan in München, die auf schonende Therapien setzt. „Ich machte mir keine großen Hoffnungen auf eine Behandlung, da ich nicht privat versichert bin." Aber die Klinik nimmt auch Kassenpatienten an! Katharina machte einen Termin. „Das sollte mein letzter Versuch sein."
Neurochirurg Dr. Samer Ismail erinnert sich „Wir entdeckten starke Auffälligkeiten an der Wirbelsäule, setzten sofort einen OP-Termin an."

„Endlich kann ich wieder hoffen!"
03.jpgSchon bald darf Katharina wieder richtigen Sport machen. Dr. Samer Ismail operierte dort, wo kein anderer Arzt die Erkrankung suchte - und stabilisierte die Wirbelsäule seiner Patientin
Am 31. Oktober 2008 war es dann so weit. Der Spezialist erklärt: „Der Bandscheibenvorfall hatte einen Nerv durchwandert, also musste ich die sensible Nervenhaut öffnen. Um Wucherungen zu verhindern, entfernte ich Teile der Knochen und stabilisierte die Wirbel mit einem dynamischen Fixateur, der sie im richtigen Abstand zueinander hält. Eine schonende Alternative zu herkömmlichen Versteifungen." Heute weiß Katharina: „Vor diesem Eingriff hatten mich alle Ärzte an der falschen Stelle operiert!"
Wieder zuhause, fühlte sie sich wie neu geboren. Dank Krankengymnastik darf sie schon bald wieder Sport treiben, vielleicht sogar arbeiten. Und eines kann sie kaum noch erwarten: „Nach all den Jahren mal wieder mit dem Auto zu meinen Eltern nach Köln fahren - darauf freue ich mich riesig!"

Gut zu wissen
Bei einem Bandscheibenvorfall verrutscht der weiche Gallertkern der Bandscheibe, der wie ein Puffer zwischen den Wirbelkörpern liegt und von einem Ring aus Faserknorpel gehalten wird. Die dabei austretende Gallertmasse kann auf die umliegenden Nerven drücken und so extrem starke Schmerzen verursachen.

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