Greifen Ärzte zu häufig zum Skalpell?

Zehn Operationen, die oft gar nicht nötig sind

30.07.2009 Meist kommen sie urplötzlich: Eine falsche Bewegung - und dann tut's einfach nur noch höllisch weh. 70 Prozent aller Münchner leiden unter Rückenschmerzen. Oft wird die Bandscheibe verdächtigt. Über 100.000 Deutsche lassen sich pro Jahr sogar an den Bandscheiben operierten. "Doch 80 Prozent aller Bandscheibenoperationen sind völlig überflüssig", warnt Wirbelsäulenspezialist Dr. Reinhard Schneiderhan (48). "Allein durch Ruhe, Entlastung, Krankengymnastik und Medikamente verschwinden die meisten Beschwerden spätestens nach vier Wochen wieder von selbst.
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"Sofort operieren muss man nur, wenn Lähmungserscheinungen in Armen, Beinen, an Blase oder Darm auftreten." Doch überflüssige Operationen drohen auch bei vielen anderen Beschwerden. Obwohl moderne Therapien dort ebenfalls das Skalpell ersparen können. Wer unnötige Narkosen, Narben und Nachsorge vermeiden will, sollte deshalb stets einen zweiten Arzt um Rat fragen. Kassenpatienten sind hier übrigens im Vorteil. Denn laut neuer Untersuchungen werden Privatpatienten häufiger operiert. Möglicherweise weil Kliniken hier mehr Geld verdienen.

Jeder dritte Bandscheibenvorfall verursacht überhaupt keine Beschwerden. Lösen jedoch andere Ursachen Rückenschmerzen aus und zeigt die Kernspin-Untersuchung dann einen Vorfall, raten viele Ärzte zur OP. "Allerdings treten bei jedem dritten operierten Patienten trotz Eingriff die Schmerzen erneut auf", warnt Dr. Schneiderhan. "Doch selbst, wenn eine vorgewölbte Bandscheibe tatsächlich auf einen Nerv drückt, können moderne minimal-invasive Therapien wie Wirbelsäulenkatheter, Laser oder Hitzesonde die Schmerzen meist beseitigen. Sie helfen sogar bei Rückfällen nach einer OP."

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