"Jetzt kann ich endlich wieder wandern gehen"

Eine spezielle Kurzschaft-Prothese befreite sie von starken Schmerzen

04.08.2009 Monatelang litt Sabine Hackl (45) unter extremen Beschwerden, nachts konnte sie kaum noch schlafen. Erst die richtige Diagnose und das Einsetzen der optimalen Prothese halfen.
01.jpgTreppen steigen? Na klar! Mit der neuen Hüfte ist das kein Problem mehr für Sabine
Der Leidensdruck für Sabine Hackl begann im Frühjahr 2008. Die Filialleiterin eines Discounters pumpte damals mit einem Hubwagen eine Getränkepalette hoch. "Da war plötzlich dieser Schmerz. Mir schossen die Tränen in die Augen", erinnert sich die 45-jährige Münchnerin. "Von der linken Hüfte ausgehend strahlte er übers gesamte Bein bis in die Zehen." Besonders schlimm empfand sie die Beschwerden nachts. "Ich musste oft aufstehen und herumlaufen, weil es sonst unerträglich wurde."
Da 2006 bereits ihre Bandscheiben gelasert worden waren, vermuteten die Ärzte erneut ein Bandscheibenproblem. Entsprechend wurde sie therapiert. "Mit Hitzesonden-Behandlungen und starken Schmerzmitteln."

Die richtige Diagnose: ein Hüftschaden
Ein verheerender Kreislauf. Ihre Hausarztin stellt erhöhte Eiweißwerte im Urin fest. Von den Schmerzmitteln waren die Nieren angegriffen. Sie empfiehlt, einen anderen Spezialisten aufzusuchen.
02.jpgAlles klappt wieder wie früher: Selbst beim Bücken und Wandern tut Sabine nichts mehr weh
"Meine Rettung. Zum ersten Mal wurde meine Hüfte geröntgt. Das Gelenk war stark geschädigt, rieb ständig auf der Hüftpfanne." Dr. Dietmar M. Müller, Orthopäde und Spezialist für Endoprothetik in der Praxisklinik Dr. Schneiderhan, München, rät zu einer "Totalendoprothese" (TEP) mit besonders kurzem Schaft und erklärt die Vorteile: "Sie hat einen um ca. zwei Drittel kürzeren Schaft als normale Prothesen, kann zementfrei implantiert werden. So bleibt viel Knochenmaterial erhalten. Das ist wichtig, da nach 15 bis 20 Jahren das Implantat oft erneuert werden muss. Und sie kann über einen kleinen Hautschnitt eingesetzt werden, das gibt kleine Narben."



04.jpgDr. Dietmar M. Müller erklärt Sabine Hackl, wie die Prothese eingesetzt wird
Nach der OP: schnell wieder auf den Beinen
In einer 1,5-stündigen OP bekam Sabine die neue Hüfte eingesetzt. "Schon am 2. Tag konnte ich ein paar Schritte gehen. Und der Schmerz war weg." Zehn Tage blieb sie in der Klinik, drei Wochen in der Reha. Heute kann sie wieder Treppen steigen, bummeln, sogar schwimmen. Sabine Hackl glücklich: "Im Herbst will ich nach Spanien, auf die Insel La Gomera und endlich wieder wandern."



INFOS ZUR KURZSCHAFT-PROTHESE
03.jpgHalt findet die Prothese im oberen Teil des Oberschenkelknochens
Sie hat einen nur etwa 8 cm langen Schaft und wird seit ca. 10 Jahren vor allem bei jüngeren Patienten eingesetzt (alle Kassen zahlen.) Dabei werden der knöcherne Oberschenkelkopf und -hals entfernt. Der spitz zulaufende Schaft der Prothese wird im oberen Teil des Oberschenkelknochens verankert. Halt bekommt sie durch Verklemmung im Schaft sowie durch eine spezielle raue Oberfläche der Titanprothese, in die dann der Knochen einwächst. Knochenzement ist deshalb überflüssig. Über einen nur 8 bis 10 Zentimeter langen Schnitt am Oberschenkel wird sie minimal-invasiv eingesetzt. Dadurch werden deutlich weniger Muskeln und Sehnen durchtrennt, und die Narben sind kleiner. Die Klinik- und Reha-Zeiten verkürzen sich. Zudem kommt es kaum noch zu unterschiedlichen Beinlängen. Allerdings stellt diese Technik höhere Anforderungen an den Operateur. Und: Bei Osteoporose z.B. kann keine Kurzschaftprothese implantiert werden. Mehr Infos unter: www.orthopaede.com

Fotos: A.Schick-Zech(3), privat(2)

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