Ihr Rücken braucht ein Kompetenzteam!
Rücken und Bandscheiben: Schmerztherapie-Konzept an nur einem Tag

In der Medizin ist es so ähnlich wie im Fußball. Ein einzelner Spieler kann kein Spiel gewinnen, denn Fußball ist ein Mannschaftssport. Bei der Behandlung von starken oder chronischen Rückenschmerzen ist es ähnlich. Der einzelne Orthopäde stößt leicht an seine Grenzen. Wenn die Schmerzen trotz verschiedener Therapien nicht besser werden und auch weiterhin bestehen bleiben, wechselt der Patient verzweifelt von einem Arzt zum nächsten. Bis es erneut heißt: "Ich kann leider nichts mehr für Sie tun. Mit diesen Schmerzen müssen Sie künftig leben." - "Wenn der einzelne Arzt nicht weiterkommt, wird auch die Medizin zum Mannschaftssport", so der Münchner Orthopäde und Wirbelsäulenspezialist Dr. Reinhard Schneiderhan. Gerade bei starken oder chronischen Schmerzen ist das Kompetenzteam für den Rücken gefragt. Es besteht aus gut ausgebildeten Ärzten verschiedener Fachrichtungen. Denn Schmerzfreiheit ist Teamarbeit. Das Team kann für Patienten innerhalb eines einzigen Tages ein individuelles und komplettes Schmerztherapiekonzept erstellen. Das ist der Schlüssel für den Weg in ein schmerzfreies Leben! Dr. Schneiderhan hat die Idee des Kompetenzteams bereits in die Praxis umgesetzt. ORTHOpress sprach mit ihm über sein einzigartiges Konzept:
Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Rücken-Kompetenzteam bisher gemacht?
Dr. Schneiderhan: In den letzten Jahren haben wir uns konsequent zu einem fachübergreifenden Spezialistenteam entwickelt. In unserer Praxisklinik konnten wir die therapeutischen Verfahren erheblich ausweiten und unser Gesamtspektrum immer weiter ergänzen.
Wie groß ist Ihr ärztliches Rücken-Team?
Dr. Schneiderhan: Unser Team besteht aus elf Ärzten. Es sind Orthopäden, Neurochirurgen, Radiologen, Neurologen, Schmerztherapeuten und Allgemeinmediziner. Sie arbeiten Hand in Hand, um Diagnosen zu stellen und Schmerzen erfolgreich zu behandeln. Inzwischen verfügen wir über alle diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzzustände der Wirbelsäule.
Haben andere Ärzte oder Kliniken Ihr Konzept schon übernommen?
Dr. Schneiderhan: Es gibt in Deutschland bisher kein vergleichbares Zentrum wie unsere Praxisklinik.
Auf wie viele Patienten stützt sich Ihre Erfahrung?
Dr. Schneiderhan: Als Vorreiter der modernen und minimalinvasiven Eingriffe an der Wirbelsäule haben meine Kollegen und ich bisher über 50.000 Patienten behandelt. Mit über 12.000 Wirbelsäulenkatheter-, 15.000 Hitzesonden- und 10.000 Mikrolaserbehandlungen zählt unsere Praxisklinik europaweit zu den führenden Spezialzentren. Es ist das erste Zentrum mit einem eigenen Kompetenzteam nur für Rückenschmerz-Patienten.
Bei Ihnen arbeiten vier Neurochirurgen. Was ist deren Spezialisierung?
Dr. Schneiderhan: Unsere Neurochirurgen implantierten bisher etwa 600 Bandscheibenprothesen sowie rund 2500 interspinöse Spreizer. Sie führten etwa 1500 stabilisierende Eingriffe an der Wirbelsäule und über 4000 mikrochirurgische Dekompressionsoperationen durch. Damit kommen unsere Neurochirurgen im Verhältnis auf mehr Operationen als die Operateure in so mancher großen deutschen Wirbelsäulenklinik.
Finden diese vielen Eingriffe alleine in Ihrer Praxisklinik statt?
Dr. Schneiderhan: Das kann man an einem Standort gar nicht schaffen. Deshalb versorgen wir unsere stationären Patienten in fünf großen und renommierten Münchner Kliniken, mit denen wir engstens zusammenarbeiten.
Wie ist der Kontakt zwischen Arzt und Patient, wenn bei Ihnen so viele Mediziner arbeiten?
Dr. Schneiderhan: Bei uns wird jeder Patient von seinem Operateur persönlich untersucht. In einem intensiven Gespräch werden alle Untersuchungsergebnisse ausführlich besprochen und mögliche Eingriffe und Alternativen diskutiert. Gemeinsam finden wir dann zu einer Lösung.
Sind die anderen Ärzte dabei beteiligt?
Dr. Schneiderhan: Ja. Denn wie in einer Uniklinik führen wir täglich eine fachübergreifende Ärztekonferenz durch, an der die Diagnostiker und Operateure teilnehmen und jeden Fall gemeinsam besprechen, bevor Behandlungsmaßnahmen empfohlen werden. Das ist einer der Vorteile des Kompetenzteams. Jeder Einzelne bringt hier seine persönlichen und in vielen Jahren gesammelten Erfahrungen mit ein.
Warum umfasst Ihr Kompetenzteam so viele Ärzte?
Dr. Schneiderhan: So können wir optimale OP- und Organisationsabläufe garantieren. Wir können das komplette Diagnostik-Spektrum, praktisch jede Art von Eingriff und eine umfangreiche Nachbehandlung anbieten.
Welche Aufgabe haben die Orthopäden Ihres Teams?
Dr. Schneiderhan: Orthopäden wollen das hochkomplexe System der Wirbelsäule, ihre Funktion und ihre Beweglichkeit erhalten. Vor einem operativen Eingriff setzen sie zunächst auf alle verfügbaren konservativen Maßnahmen wie Krankengymnastik, physikalische Therapie, chirotherapie und Schmerzmedikamente. Erst wenn das nicht hilft, setzen sie auch minimalinvasive Eingriffe wie Schmerzkatheter, Laser oder Hitzesonden ein. Bei einem Großteil der so behandelten Patienten kann mit diesen Maßnahmen bereits Schmerzfreiheit erzielt werden.
Was tun die Neurochirurgen?
Dr. Schneiderhan: Sie sind für die größeren Operationen an Bandscheiben und Wirbelsäule zuständig. Patienten mit verengtem Spinalkanal, neurologischen Ausfällen, mit starken degenerativen Veränderungen, Wirbelkörperbrüchen, instabiler Wirbelsäule, Verformungen wie Skoliose und Patienten mit Osteoporose sind beim Neurochirurgen an der richtigen Adresse.
Wozu brauche ich bei Osteoporose einen Neurochirurgen?
Dr. Schneiderhan: Mit modernen Diagnoseverfahren können wir zu Osteoporose neigende Patienten frühzeitig erkennen und geeignete Behandlungsmaßnahmen einleiten. Wenn die Osteoporose schon zu Wirbelkörperbrüchen geführt hat, setzen wir eine besonders effektive und minimalinvasive Methode, die Vesselplastie (Vessel X®), zur Aufrichtung, Stabilisierung und Schmerzbeseitigung ein. Bei diesem Verfahren geben wir Knochenzement in den gebrochenen Wirbelkörper. Diese Methode gilt derzeit als die sicherste, weil der flüssige Knochenzement von einem Ballon umhüllt wird und nicht mehr austreten kann.
Welche Spezial-Behandlungen bieten Ihre Neurochirurgen noch?
Dr. Schneiderhan: Bei Stabilisierungsoperationen arbeiten unsere Neurochirurgen gleich mit zwei Innovationen. Sie operieren mit einer besonderen und schonenden minimalinvasiven Technik, die mit kleinen Schnitten und sehr wenig Gewebeschädigung auskommt. Diese Vorgehensweise ist an allen Abschnitten der Wirbelsäule möglich. Außerdem nutzen unsere Experten dynamische Systeme mit raffinierten Platzhalter, die die Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten. Im Bereich der Dekompressions-Operation nutzen wir an Lenden- und Halswirbelsäule die mikroskopisch assistierte Röhrentechnik, die nur winzige Schnitte benötigt.
Müssen Wirbelsäulen im schlimmsten Fall eigentlich immer noch versteift werden?
Dr. Schneiderhan: Das Schreckgespenst "Versteifungsoperation" ist Vergangenheit. Nur bei wenigen Patienten müssen noch langstreckige Versteifungsoperationen durchgeführt werden. Dank innovativer Entwicklungen im Bereich der Implantate sowie der operativen Zugangswege können heute viele Patienten mit halbversteifenden Systemen stabilisiert werden. Das heißt, es wird nur teilweise versteift. So bleiben Funktion und Beweglichkeit der Wirbelsäule weitestgehend erhalten.
Zu Ihrem Team gehört auch ein Neurologe. Warum?
Dr. Schneiderhan: Der Neurologe kann feststellen, wo die Ursachen von Rückenschmerzen liegen. Er misst die einzelnen Nervenleitungen aus und kann herausfinden, ob der Grund für die Schmerzen in der Wirbelsäule oder den Bandscheiben liegt, ob ein Engpass-Syndrom verantwortlich ist oder auch eine Polyneuropathie. Der Neurologe kann unterschiedliche Schmerzarten genau unterscheiden.
Welche Aufgaben hat die Allgemeinmedizinerin in Ihrem Team?
Dr. Schneiderhan: Sie ist ganz wichtig, weil sie sich nicht nur mit den Rückenschmerzen des Patienten beschäftigt, sondern auch auf andere Krankheiten wie z.B. Stoffwechsel-, Herz- und Lungenerkrankungen eingeht. Sie überprüft das Narkose- und OP-Risiko oder stellt fest, wie belastbar ein Patient beispielsweise für die Krankengymnastik ist.
Seit kurzem gehört auch eine Radiologin zu Ihrem Team. Welchen Vorteil hat der Patient dadurch?
Dr. Schneiderhan: Im Oktober konnten wir unsere eigene, neue und hochmoderne Radiologische Abteilung eröffnen. Hier stehen uns Computer- und Kernspintomografie mit modernsten Hightech-Geräten zur Verfügung. Unsere erfahrene Radiologin kann noch am Tag der Untersuchung die bildgebende Diagnostik durchführen und die Ergebnisse mit dem Patienten und den anderen Ärzten besprechen und in die Therapieplanung einbeziehen. Den Ppatienten entstehen dadurch keine weiteren Wartezeiten und kein zweiter Anfahrtstermin. Außerdem können wir spezielle Injektionsbehandlungen nicht nur unter Röntgenkontrolle mit einem Bildwandler, sondern jetzt auch CT-gesteuert durchführen. Damit ist das Kompetenzzentrum jetzt wirklich komplett.
Herr Dr. Schneiderhan, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!
Das Spezialistenteam der Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen: Dr. Frank Sommer (Neurochirurg), Dr. Samer Ismail (Neurochirurg), Dr. Alexander Sigel (Orthopäde), Dr. Reinhard Schneiderhan (Orthopäde und Leiter der Praxisklinik), Dr. Matthias Joseph (Orthopäde), Dr. Andreas Dötterl (Neurochirurg), Dr. Dietmar Müller (Orthopäde, Kinderorthopäde), Dr. Alina Woszczyk (Neurochirurgin), Stefan Wagner (Neurologe), Dr. Astrid Scherzberg (Allgemeinmedizinerin)
