Hexenschuss, verspannter Nacken, Ischias?

Das hilft Ihnen schnell bei Rückenschmerzen

24.11.2009
01.jpgMorgens schon im Bett mal so richtig recken und strecken - auch das entspannt den Rücken und löst verkrampfte Muskeln
Viele Rückenprobleme können Sie selbst behandeln. So werden SIe die fünf häufigsten Leiden wieder los.

Er hält unseren Körper aufrecht und trägt den Kopf: Auf dem Rücken lastet viel. Stundenlanges Sitzen, eine falsche Haltung, Wasserkisten falsch tragen – da kann es im Kreuz schon mal zwicken

Hexenschuss? Sanfte Gymnastik
Eine ungeschickte Bewegung und der Schmerz zuckt durch Ihren Rücken? Hexenschuss! Die Muskeln verkrampfen, vor allem im Bereich der Lende. „Manchmal sind daran auch blockierte Gelenke schuld“, sagt der Orthopäde Schneiderhan. „Oder Gelenkverschleiß, also Arthrose.“ Wenn der akute Schmerz nachlässt, sollten Sie auf vorsichtige Bewegung setzen. „Hier tut alles gut, was die Durchblutung der Rückenmuskeln ankurbelt: Tanzen, Gymnastik, Spazierengehen.“

Nacken verspannt? Dehnen wärmen
Ein steifer Hals, schmerzende Knoten in der Nackenmuskulatur – das ist nichts Schlimmes! „Hier kann eine vorsichtige Dehnung der Muskeln schon helfen“, sagt Dr. Schneiderhan. „Wenn Sie den Kopf ein paar Sekunden leicht zur einen, dann zur anderen Seite neigen, entspannt das Hals und Nacken.“ Auch eine Wärmesalbe (beispielsweise mit Capsaicin) lockert die verhärteten Muskeln. Reiben Sie die Stellen bei Bedarf damit ein.

Ischias? Wirbelsäule entlasten
Der Ischias ist ein Nerv, der von der Lendenwirbelsäule über Hüfte und Oberschenkel bis zum Knie verläuft. Wird er gereizt, strahlen die Schmerzen in nur ein Bein und das Gesäß aus. „SOS-Hilfe ist die Stufenlagerung“, erklärt Dr. Schneiderhan. „Das entlastet die Bandscheiben und löst den Ischiasschmerz. Dazu legen Sie sich auf einen Teppich, die Unterschenkel auf den Sitz eines Stuhls. Der Arzt sollte aber sicherheitshalber nach der Ursache forschen.“

Kreuzweh? Den Rücken stärken
Drücken die Pfunde auf das Kreuz? „Dann sollten Sie trotzdem aktiv bleiben und Übergewicht abbauen“, rät Dr. Schneiderhan. „Oft sind die Muskeln zu schwach, um den Oberkörper zu halten.“ Sein Rat: „Kraftübungen für den Rücken in Kursen von der Krankenkasse.“

Stress und Schmerzen? Erholen
Machen sich Rückenschmerzen wegen Stress breit, hilft vor allem Erholung. „Schaffen Sie sich einen schönen Ausgleich, um gegen Zeitdruck und Alltagsstress gewappnet zu sein“, so Dr. Schneiderhan. „Atemübungen am Fenster oder mit dem Lieblingsbuch auf dem Sofa bequem machen, bringt da schon viel!“ Verfliegt die innere Anspannung, verschwinden oft auch die Rückenprobleme. Wenn Ihre Schmerzen trotz der Maßnahmen hartnäckig sind, ein Arm oder Bein sich taub anfühlt, sollten Sie zum Arzt gehen.


Sanfte Heilung aus der Natur: Pflanzenmedizin und Homöopathie

02.jpg Bei leichteren Rückenbeschwerden, wie Muskelverspannungen oder Hexenschuss, hälft die Natur einige Schätze für Sie bereit. Hier die vier wirksamsten Pflanzen: 1. Saft aus der Brennnessel
Im Mittelalter empfahl man, die schmerzhaften Stellen am Rücken mit Brennnesseln auszupeitschen. Heute wissen wir: Auch der Saft dieser Pflanze lindert Schmerzen. Dreimal täglich einen Esslöffel des Frischsaftes (Apotheke, Reformhaus, ab sechs Euro) einnehmen.

2. Kügelchen mit Brechnuss
Das homöopathische Mittel Nux vomica D6 (Brechnuss) hilft bei schmerzhaften Muskelverspannungen in Rücken, Schultern und Nacken sowie bei nächtlichen Rückenschmerzen. Dazu dreimal täglich sechs Kügelchen (Globuli) langsam unter der Zunge zergehen lassen.

3. Johanniskrautöl
Regelmäßig die schmerzenden Stellen mit Johanniskrautöl (Apotheke, etwa 13 Euro) einreiben bringt Linderung. Alternative: Wattebausch mit dem Öl beträufeln, auf die schmerzende Stelle legen. Dann ein Stück Folie und ein Tuch darüber, 30 Minuten einwirken lassen.

4. Knoblauch-Gewürz
Stoffe der Knolle (Allicin) hemmen Muskelentzündungen. Braten Sie eine Zehe an und verwenden Sie sie als Gewürz zu Gemüse oder Fleisch! Alternative: Knoblauch-Tee aus dem Sud von zwei zerdrückten Knoblauchzehen.


Starke Muskeln, gesunder Rücken: das Zehn-Minuten-Training

03.jpg 1. Für den Bauch
Flach auf den Rücken legen. Beine anwinkeln. Rechtes Bein zum Körper ziehen, dann legen Sie die linke Hand von außen ans Knie. Drücken Sie mit der Hand gegen das Knie. Fünf Sekunden halten. Dann die Seite wechseln.

2. Für den Po
Aufrecht hinstellen, die Füße hüftbreit nebeneinander. Stützen Sie sich mit einer Hand an Wand oder Türrahmen ab. Heben Sie das rechte Bein an bis das Knie etwa in Hüfthöhe ist. Senken Sie das Bein wieder ab. Dann wechseln Sie die Seite. Jeweils etwa zehnmal.

3. Für die Oberschenkel
Auf einen Stuhl setzen und mit den Händen festhalten. Spannen Sie den Bauch leicht an. Ein Bein vom Boden abheben, nach vorne strecken. Den Oberschenkel dabei nicht bewegen. Dann mit dem anderen Bein. Zehnmal.

4. Für Rücken und Schultern
Auf dem Boden knien, mit den Händen abstützen. Verlagern Sie Ihr Gewicht und den Po so weit nach vorne, bis Sie ein Ziehen in der Schulter spüren. Etwa zehn Sekunden halten. Dann dreimal wiederholen.

5. Für die Arme
Locker auf einen Stuhl setzen. Bauch entspannen. Beide Arme auf Brusthöhe heben, Handflächen gegeneinanderdrücken. Bis vier zählen, lösen. Dann mit der einen Hand die andere umfassen und Hände auseinanderziehen. Bis vier zählen, lösen. Fünfmal.


Clever vorbeugen: der Sieben-Punkte-Plan für jeden Tag

04.jpgDr. Reinhard Schneiderhan. Der bekannte Orthopäde behandelt seit zwanzig Jahren Patienten mit Rückenschmerzen
Wenn Sie ein paar Tricks beherzigen, sind Sie vor Rückenweh sicher. Deutschlands bekanntester Rücken-Fachmann verrät seine besten Tipps

Einkaufstüten schleppen, bügeln, Kinder oder Enkel tragen - die Ursachen für Rückenschmerzen liegen oft in unserem Verhalten im Alltag. Der Orthopäde Dr. Reinhard Schneiderhan verrät, wie Sie rückengesund durch den Tag kommen.

1. Beim Sitzen auch lümmeln
Machen Sie es Ihrem Rücken so bequem wie möglich und wechseln Sie beim Sitzen öfter mal die Position. Denn hier muss der Rücken wahre Schwerstarbeit leisten. Rund 17,5 Kilogramm lasten dabei auf der Lendenwirbelsäule! Deshalb ist auf Stuhl, Sessel oder Hocker auch mal lümmeln erlaubt. Wählen Sie die Stuhlhöhe so, dass die Knie etwas tiefer als die Oberschenkel liegen. Füße hüftbreit und entspannt auf den Boden stellen.

2. Besser flache Schuhe tragen
Schuhe mit hohen Absätzen führen zu einer unnatürlichen Fußhaltung. Dadurch gerät die Wirbelsäule in ein Hohlkreuz. Der Oberkörper kommt aus dem Lot. Die Muskeln an Rücken und Nacken verkrampfen sich leicht. Besser sind flache Schuhe mit weichen Gummisohlen. Und noch viel besser: Verzichten Sie öfter mal ganz auf Ihre Schuhe und gehen Sie barfuß in der Wohnung auf den weichen Teppichen umher!

05.jpgSport schützt vor Rückenschmerzen. Besonders schonend für die Gelenke ist Bewegung im Wasser
3. Im Stehen aufrecht halten
Wenn Sie stehen, gilt: Bücken möglichst vermeiden! Die Hohe von Bügelbrett und Arbeitsplatten in der Küche sollte so sein, dass Sie davor stehen können, ohne sich vorbeugen zu müssen. Häufig verwendete Geräte, Töpfe und schwere Pfannen in greifbare Höhe stellen.

4. Liegend lesen
Wenn Sie sowieso viel sitzen: Wie wäre es, statt im Sessel zu lesen, auf dem Sofa liegend in Zeitschrift oder Buch zu schmökern? Das entlastet die Wirbelsäule. In der Seitenlage drücken „nur" 75 Kilogramm auf die Lendenwirbelsäule.

5. Dinge vor dem Körper tragen
Wenn Sie etwas anheben möchten, gehen Sie mit geradem Rücken in die Knie. Heben Sie das Gewicht mit der Kraft Ihrer Beine. Tragen Sie Gegenstände dicht vor Becken und Bauch. Statt Einkaufstüten zu schleppen, nehmen Sie doch einen bequemen Rollkoffer!

6. Für guten Schlaf sorgen
Die meisten schlafen auf dem Rücken. Das ist gut so. Dann lastet auf der Lende nur ein Druck von 25 Kilogramm. Wenn Sie zu einem Hohlkreuz neigen, legen Sie ein Kissen unter die Knie. Seitenschläfer sollten den Trick mit dem Kissen zwischen den Knie ausprobieren. Fragen Sie den Orthopäden nach geeigneten Kissen und Matratzen.

7. Zeit für Entspannung nehmen
Wer immer unter Strom steht, muss seine Seele auch mal baumeln lassen. Denn psychischer Druck lässt die Muskeln verkrampfen. Bauen Sie Entspannung wie gemütliches Teetrinken, einen kleinen Spaziergang in Ihren Tag ein.

Das Notfall-Programm für Ihren Rücken

Das Ziehen, Drücken oder Ziepen im Rücken ist meist harmlos. Häufig spüren wir es in Nacken, Schultern oder im Lendenbereich. Was steckt dahinter? Wie können Sie es verhindern? Was hilft sofort?
06.jpgDie Wirbelsäule. Sie hält unseren Körper aufrecht - gemeinsam mit starken Muskeln
Es zieht im Nacken Das kann der Grund sein: Zahnschmerzen, falsche Sitzhaltung, Tinnitus, Stress. Das schützt davor: Mehrmals täglich den Kopf langsam nach links und rechts drehen. Ein Nackenstützkissen entspannt die Halswirbel im Schlaf.

Die Schulter schmerzt Das kann der Grund sein: einseitige Belastung, Entzündungen. Das schützt davor: Schultermuskeln lockern, indem Sie diese hochziehen und dann wieder fallen lassen.

Die Lende drückt Das kann der Grund sein: Bewegungsmangel, Abnutzung der Wirbelsäule. Das schützt davor: gelenkschonende Bewegung wie Schwimmen, Radfahren.


SOS-Tipps mit Wärme

Kartoffeln für den Nacken:
Ein warmer Wickel mit den Knollen ist eine Wohltat. Dafür vier Stück mit Schale weichkochen, in ein Küchentuch einwickeln und zerquetschen. Auf die schmerzende Stelle legen und mit einem Wollschal umwickeln. Liegen lassen, so lange die Auflage warm hält.

Heilerde für die Schulter:
Das Auflegen einer warmen Heilerde-Platte löst Blockaden und harte Muskeln. Es gibt sie für rund zehn Euro pro Stück im Fachhandel. Sie wird im Backofen erwärmt und kann mehrmals benutzt werden. Die warme Heilerde zehn bis dreißig Minuten auf der schmerzenden Stelle liegen lassen.

Senfmehl fürs Kreuz:
Eine Kompresse mit Senfmehl fördert die Durchblutung und vertreibt Schmerzen. Dazu einen Esslöffel Senfmehl (Apotheke) in einen Liter heißes Wasser geben, ein Geschirrtuch damit tränken. Zehn Minuten um den Lendenbereich herumlegen.


Info: Wann sollte ich zu Schmerzmitteln greifen?

Wer unter akuten Rückenschmerzen leidet, darf kurzfristig ruhig zu rezeptfreien Medikamenten greifen. Als Mittel der Wahl bei leichten und mittelstarken Schmerzen gilt Ibuprofen (höchstens 1200 mg am Tag einnehmen). Auch Medikamente mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS, z.B. Aspirin), Naproxen oder Diclofenac haben sich bewährt. Grundsätzlich gilt: Nur so wenig wie nötig einnehmen. Bitte nicht länger als drei Tage selbst behandeln! Klingen die Beschwerden nicht ab oder sind sie sehr stark, ist der Arztbesuch Pflicht.

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