Baustelle Knochen
Osteoporose: Prävention, Therapie und Risikoanalyse

Wer heute ein Fitnessstudio betritt, findet dort ein generationenübergreifendes Publikum. Jugendliche und junge Erwachsene trainieren neben dem rüstigen Rentner auf dem Laufband. Durch den demographisch bedingten Wandel, erhöht sich auch die Häufigkeit von altersbedingten Knochen- und Gelenkerkrankungen.
Besonders die Risikogruppe Frauen profitiert von Bewegung
Krankheitsbilder, die bisher kaum eine Rolle spielten, werden plötzlich zum Thema bei der Trainings betreuung. Wenn man davon ausgeht, dass fünf bis sieben Millionen Deutsche an Knochenschwund leiden, dann weiß man, dass diese Krankheit auch in Fitness-und Gesundheitsclubs eine zunehmende Rolle spielen wird. Nach Informationen des Kuratoriums für Knochenschwund e.V. sind 80% aller Betroffenen weiblich. 40% davon werden mindestens einmal in Ihrem Leben eine osteoporotisch bedingte Fraktur erleiden.
Bewegung leistet sowohl in der Osteoporose-Prävention als auch in der Therapie einen wertvollen Dienst. Sport ist, da sind sich die Experten einig, ein wichtiger Aspekt zur Vermeidung fortschreitender Osteoporose. Denn Fakt ist: Wer sich nicht bewegt, verliert fünf bis zehn Prozent Muskel- und Knochenmasse pro Jahr und ist dadurch deutlich gefährdeter. Durch gezielte und wohldosierte Betätigung, können körperliche Beschwerden, die durch den Knochenschwund verursacht werden, gemildert werden.
Präventive und therapeutische Maßnahmen im Club
Risikopatienten sollten ihren Alltag aktiv gestalten. Regelmäßige Bewegungseinheiten aktivieren den Knochenstoffwechsel. Die Knochenmasse nimmt durch die positive Belastung an Substanz zu. Zu den effektivsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Osteoporose zählen Bewegungen, die den Körper der Schwerkraft aussetzen wie Walken und Laufen (z.B. auf dem Laufband oder Crosstrainer). Darüber hinaus gibt es viele Gymnastikübungen, die gut in unterschiedliche Kursformate für Senioren integriert werden können. Hierfür eignen sich vor allem Übungen, die die Körperhaltung verbessern und die Körperbeherrschung schulen.
Schmerzbehandlungen, gymnastische und physiotherapeutische Therapien sowie die gezielte Sturzprophylaxe kommen bei der Osteoporose-Therapie zum Einsatz. Auch neueste Studien aus der Beschleunigungstherapie (Vibrationstraining) geben Grund zur Hoffnung, durch Training die Folgen der Osteoporose zu minimieren. Wissenschaftler der Universität Leuven, Belgien, gelang in einer Langzeit-Pilotstudie über sechs Monate, der Nachwels, dass Ganzkörper-Vibrationstraining den Abbau der Knochensubstanz nicht nur verlangsamt oder stoppt, sondern die Knochendichte sogar wieder erhöht. Bei dem Versuch trainierten 25 Personen auf der Power Plate, 22 Probanden mit herkömmlichem Krafttraining, 23 Personen dienten als Kontrollgruppe. Das erstaunliche Ergebnis: Die Vibrationsgruppe konnte die Knochendichte um 93% erhöhen. Die Probanden der konventionellen Trainingsgruppe verloren dagegen 0,58% an Knochendichte. Bei der Kontrollgruppe betrug der Rückgang der Knochendichte 0,63%. Die medizinische Erklärung liegt In der kombinierten Wirkung der hohen Frequenz der Vibrationen und der hohen Belastung, denen die Knochen ausgesetzt waren.
Knochenbewusste Ernährung
Neben regelmäßiger Bewegung spielt auch die Ernährung bei der Prophylaxe von Osteoporose eine entscheidende Rolle. So sollten vor allem Heranwachsende, werdende und stillende Mütter sowie Frauen nach den Wechseljahren auf eine ausreichende Kalziumzufuhr achten. Wichtig: Verschiedene Inhaltstoffe von Nahrungsmitteln, wie zum Beispiel Koffein oder hohe Fett- und Eiweißanteile, hemmen die Aufnahme des Mineralstoffs. Man nimmt an, dass der Säuren-Basen-Haushalt hier eine Rolle spielt. Auch Rauchen wirkt sich negativ auf die Knochendichte aus, denn Nikotin vermindert unter anderem die Produktion der für die Knochendichte wichtigen Sexualhormone.
Oft erfordert die Erkrankung aber auch eine gezieltere Behandlung: Neben der Basistherapie mit Kalzium und Vitamin D. die beinahe bei jedem Betroffenen durchgeführt werden kann und sollte, müssen Ärzte den Einsatz weiterer Medikamente prüfen. Zur Auswahl stehen Hormonersatzbehandlungen sowie antiresorptive Therapien zur Verminderung des Knochenabbaus oder knochenaufbauende, osteoanabole Therapien.
Risikoanalyse beim Check-up
Europäische Richtlinien empfehlen eine Knochendichtemessung bei Frauen über 65 JahrenMit den Orthopäden der Praxis Dr. med. Schneiderhan In München haben wir einen Fragebogen zusammengestellt, mit dem Sie das Osteoporose-RisIko ihrer Mitglieder ermitteln können. Den Fragebogen stellen wir ihnen in unserem Downloadbereich zur Verfügung. Wichtig: Diese Fragen ersetzen keinen Arztbesuch! Bei starken und anhaltenden Schmerzen oder unklaren Beschwerden gilt es, einen Arzt aufzusuchen, um gegebenenfalls eine Behandlung einzuleiten.
Messung der Knochendichte
Ergibt sich bei einem Ihrer Mitglieder der konkrete Verdacht auf Osteoporose, sollten Sie ihn an einen Orthopäden verweisen, der die Knochendichte des Mitglieds misst. Osteoporose liegt vor, wenn die Knochenmasse um mehr als die 2,5-fache Standardabweichung liegt. Die beiden am weitesten verbreiteten Methoden zur Messung der Knochendichte sind die sogenannte DXA – dual energy X-Ray absorbtiometry. und die qCT – quantitative Computertomografie. Dabei werden zwei ausgewählte Skelettabschnitte untersucht. Übliche Messpunkte stellen Lendenwirbelsäule und Schenkelhals dar.
Obwohl sich eine Knochendichtemessung relativ einfach durchführen lässt, wird sie noch nicht generell als Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Amerikanische und europäische Richtlinien empfehlen diese für Frauen ohne spezielle Risikofaktoren über 69 Jahren und für Frauen unter 65 fahren mit wenigstens einem der Risikofaktoren nach den Wechseljahren. Ratsam ist sie weiterhin für alle Frauen nach den Wechseljahren mit erlittenen Knochenbrüchen oder nach einer langjährigen Hormontherapie sowie bei frühem Einsetzen der Wechseljahre. Daneben stellt die Knochendichtemessung ein wichtiges Instrument zur Therapiekontrolle bei bekannter Osteoporose dar.
Trainingsbetreuung bei Osteoporose
body LIFE Im Gespräch mit Dr. med. Alexander Sigel, Facharzt für Orthopädie und Sportorthopädie in der Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen in München. body LIFE : Dürfen Osteoporose-Patienten Sport ausüben?Dr. med. Alexander Sigel : Selbstverständlich! Ausreichende Bewegung stärkt sogar das Skelett und Teile des Bewegungsapparates. Verletzungs- bzw. sturzgefährdende Sportarten sollten allerdings vermieden werden.
body LIFE : Wie können gesundheltsorientierte Fitnessanlagen Osteoporose-Patienten professionell betreuen?
Kalzium und Vitamin D sind die entscheidenden Bestandteile einer ''knochenbewussten'' Ernährungbody LIFE : Woran können Trainer Risikopatienten oder von Osteoporose betroffene Mitglieder erkennen?
Dr. med. Alexander Sigel : Sinnvoll ist immer, beim ersten Gespräch danach zu fragen, ob Osteoporose vorliegt. Besonderes Augenmerk sollten Trainer auf extrem schlanke und zierliche Menschen - insbesondere Frauen - legen sowie auf diejenigen, die exzessiv Ausdauersport betreiben. Darüber hinaus stellen länger bestehende unklare Rückenbeschwerden und die Neigung zu Knochenbrüchen Warnsignale dar.
body LIFE : Welches Training (wie oft, wie lang) eignet sich für Osteoporose- bzw. Risikopatienten?
Dr. med. Alexander Sigel : Sinnvoll Ist in jebesonders gefährdeten Wirbelsaule fungieren. Zum anderen erweisen sich alle Betätigungen als hilfreich, bei denen Schwerkraft auf das Skelett einwirkt, zum Beispiel beim Training auf Stepper. Crosstrainer oder Laufband. Häufigkeit und Dauer der Trainingseinheiten lassen sich individuell an Gesundheits- und Trainingszustand anpassen, üblicherweise sind zwei Einheiten pro Woche sinnvoll.
body LIFE : Welche konkreten Maßnahmen beugen Osteoporose vor?
Dr. med. Alexander Sigel : Mit Mitte 30 weisen die Knochen die höchste Stabilität auf. Am besten sorgt man daher bereits in jungen Jahren für eine möglichst gute Ausgangsbasis. Je kräftiger das Skelett, desto weniger kommt der Abbau zum Tragen. Hierbei spielt aber auch eine entsprechende Muskulatur eine wichtige Rolle. Ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensführung tragen wesentlich zur Stärkung von Muskeln und Knochen bei.
