Schluss mit Rückenschmerzen

Neue Heilmethoden von Laser bis Zellzüchtung

08.12.2009 Jeder Zweite leidet! Sind die Bandscheiben betroffen, muss gehandelt werden. Aber keine Angst: Dank minimaler Eingriffe sind Sie heute ohne große Operation schnell schmerzfrei
01.jpgCarmen H. (57) hat seit Jahren Schmerzen. Dr. Schneiderhan erklärt ihr den Eingriff

Wenn plötzlich jede Bewegung schmerzt oder aber Rückenbeschwerden zu einem dauerhaften Problem werden, liegt es häufig an den Bandscheiben. Falsche oder übermäßige Belastungen, aber auch Bewegungsmangel oder einfach nur der Zahn der Zeit führen dazu, dass die gallertartigen Puffer zwischen den Wirbeln streiken.
Verschleiß, Vorwölbungen und Vorfälle sind die Folge - und die Angst vor Rückenoperationen mit großem Risiko und wochenlangen Einschränkungen wächst. Das muss nicht sein. Dank neuer minimalinvasiver Methoden können Patienten heute schon nach ein paar Tagen wieder schmerzfrei auf den Beinen stehen. „Nur wenn Lähmungen in den Beinen, an Blase oder Darm auftreten, sollte über einen großen Eingriff nachgedacht werden", sagt Wirbelsäulenspezialist Dr. Reinhard Schneiderhan. Der Münchner Orthopäde gibt einen Überblick über schonende Therapien.

Kathetertechnik: Schmerzmittel vor Ort

Reißt der äußere Ring der knorpeligen Bandscheibe, tritt Gewebe aus, und man spricht von einem Bandscheibenvorfall, der schmerzhaft auf die Rückenmarksnerven drückt. In so einem Fall hilft die Kathetertechnik. Durch einen winzigen Schnitt wird eine Sonde in den betroffenen Wirbelsäu lenbereich geschoben und über den Katheter schmerz- und entzündungshemmende Medikamente gegeben. Das ausgetretene Gewebe schwillt ab, die Nerven werden entlastet. Auch bereits operierten Patienten, bei denen Narben auf die Nervenwurzeln drücken, kann so geholfen werden. Stationärer Aufenthalt: 3 Tage.

02.jpgDie Wirbelsäule gleicht in der Form einem „S“ und besteht aus 33 bis 34 Wirbeln. Sie ist das Zentrum des Skelettes und muss alle Belastungen tragen Mikrolaser schrumpft ausgetretenes Gewebe

Bei Verschleiß und Vorwölbungen eignet sich der Laser. Über eine dünne Glasfaser wird der Laserstrahl in die betroffene Bandscheibe geleitet, schrumpft dort ausgetretenes Gewebe und unterbricht die Schmerzfasern. Stationärer Aufenthalt: 2 Tage.

Hitzesonde schaltet die Nerven aus

Bei Rückenschmerzen, deren Ursache in den Wirbelgelenken liegt (z.B. Verschleiß), eignet sich die Hitzesonden-Therapie. Unter örtlicher Betäubung setzen Spezialisten eine dünne Sonde, die sich computergesteuert auf 80 Grad erhitzt, in den betroffe-nen Rückenbereich. Durch die Hitze werden schmerzende Nervenstrukturen und deren Leitfähigkeit ausgeschaltet. Stationärer Aufenthalt: 2 Tage.

Mikrotrokar: Vorfälle durchs „Schlüsselloch" entfernen

Der Mikrotrokar ist noch schmaler als ein Endoskop. Ein winziger Schnitt reicht, um per „Schlüsselloch-Chirurgie'' einen Bandscheibenvorfall zu operieren. Unter Narkose wird eine Kanüle zum Nervenwurzelkanal vorgeschoben. Mit feinen Spezialinstrumenten entfernt der Arzt den Vorfall und entlastet damit den eingeklemmten Nerv. Stationärer Aufenthalt: 5 Tage.

Bandscheibenzüchtung: Neue Zellen aus dem Labor
Wer schon in jüngeren Jahren (unter 50) unter einer abgenutzten Bandscheibe leidet, hat durch hochmoderne Mikrobiologie die Chance, eine „neue" zu bekommen. Für die Bandscheibenzüchtung wird zunächst unter örtlicher Betäubung ein wenig Band-scheibenmaterial aus dem Rücken entnommen und im Speziallabor vermehrt. Die Züchtung dauert bis zu drei Monate. Anschließend werden die neuen Zellen während eines zweiten minimalinvasiven Eingriffs in die Knorpel zwischen den Wirbeln gespritzt, sodass sie wieder ein aufgefüllter perfekter Puffer sind. Da es sich um eigene Zellen handelt, nimmt der Körper sie gut an. Stationärer Aufenthalt: 2 mal 2 Tage.


SOS-Tipps

bei Rückenschmerzen, Hexenschuss und Ischias
  • Entspannen: Auf den Rücken legen. Knie 90 Grad anwinkeln, Unterschenkel auf einen Stuhl oder viele Kissen ablegen (Stufenbett).
  • Bewegen: Nach 15 Minuten Ruhigstellung wieder sanft bewegen. Strecken, dehnen, leichte Gymnastik im Liegen - aber nur, was ohne Schmerzen möglich ist
  • Wärme: Mehrmals täglich Rotlicht oder vorgeheiztes Kirschkernkissen auf den schmerzenden Bereich. Wärmesalben einmassieren oder Tiefenwärmepads aufkleben.
  • Tabletten: Arzneistoffe wie z.B. Ibuprofen oder Diclofenac lindern Schmerzen und Entzündungen. Sind die Beschwerden nach drei Tagen Einnahme nicht weg, zum Arzt!

Bei Taubheitsgefühlen in Armen oder Beinen sowie Lähmungserscheinungen unbedingt sofort zum Orthopäden!

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