Sandra Hierl (33): "Jetzt kann ich endlich wieder zugreifen"

Ein Hand-Nerv war eingeklemmt - OP half

19.01.2010 Sogar Brote konnte sie irgendwann nicht mehr für ihre Kinder schmieren. Erst ein Spezialist fand die Ursache.
01.jpgDas Taubheitsgefühl in den Händen ist weg. Brote schmieren oder schreiben - alles geht heute Problemlos
Die Beschwerden begannen vor einem Jahr in der linken Hand. „Zuerst war da nur ein Kribbeln, später manchmal ein Taubheitsgefühl. Das ging aber noch weg, wenn ich etwas Kaltes drauflegte", erzählt die Münchnerin Sandra Hierl. Doch irgendwann half gar nichts mehr. Die Hand blieb beständig gefühllos. Als das Ganze nach einigen Wochen auch in der rechten Hand losging, bekam es die Mutter von drei Töchtern (12, 10 und 3) mit der Angst zu tun.
„Selbst einfache Tätigkeiten wie Broteschmieren oder Haarewaschen wurden immer schwieriger" sagt sie. „Ich musste genau hinsehen, was ich mit meinen Händen tat. Denn ich hatte ja kein Gefühl mehr darin!
03.jpg"Ich kann endlich wieder lange Spaziergänge mit 'Strolchi' genießen", freut sich Sandra
Wie sollte ich so meine Kinder versorgen?" Sogar das Gassigehen mit Hund „Strolchi" wurde zum Problem. „Wenn er mit seinen 18 Kilo an der Leine zog, konnte ich ihn kaum noch halten."

Das Schlimme: In der Nacht taten die Hände wahnsinnig weh, Sandra Hierl fand kaum noch Schlaf. So ging sie schließlich zu Neurochirurg Dr. Andreas Dötterl in die Praxisklinik Schneiderhan.
Dr. Dötterl diagnostizierte an beiden Händen ein sogenanntes Karpaltunnelsyndrom. Dabei wird ein wichtiger Nerv in Handgelenkshöhe eingeklemmt. Um zu prüfen, wie stark er dadurch Schaden nimmt, wird die Geschwindigkeit gemessen, mit der er noch Impulse weiterleitet. „Normal ist ein Wert von etwa 3 Millisekunden. Bei Frau Hierl aber war die Laufzeit rechts und links über 6 Millisekunden", sagt Dr. Dötterl. „Ab 4 Millisekunden aufwärts raten wir zur OP."
Der Eingriff dauert nur 20-30 Minuten, wird entweder unter örtlicher Betäubung oder kurzer Vollnarkose ambulant gemacht. „Über einen knapp zwei Zentimeter langen Schnitt entlasten wir den eingeklemmten Medianus-Nerv, indem wir das Band, das ihn beengt, einfach durchtrennen. Die Funktionsfähigkeit der Hand wird dadurch nicht beeinträchtigt", erklärt der Neurochirurg.

Schnell beschwerdefrei nach ambulantem Eingriff

02.jpgDr. Dötterl erklärte Sandra die Eingriffe an der Hand vorher genau
Im September hatte Sandra ihren ersten OP-Termin. Nach zweieinhalb Stunden konnte sie mit einem kleinen Verband um die linke Hand wieder nach Hause und sollte die Hand noch drei bis vier Wochen schonen. Bereits zwei Tage später staunte sie: „Das Taubheitsgefühl verschwand, und ich hatte überhaupt keine Beschwerden mehr, herrlich!"
Acht Wochen später war dann die rechte Hand dran. Und heute greift Sandra wieder richtig zu.

Was ist das Karpaltunnel-Syndrom?

04.jpgWird das Karpalband zu dick, übt es Druck auf den Nerv darunter aus
Das ist ein sogenannter Nerven-Engpass an der Hand. In Höhe des Handgelenkes spannt sich über eine Rinne (wird aus den Handwurzelknochen gebildet) ein breites Band zwischen Daumen- und Kleinfinger-Ballen. Dieses Band ist das Dach des Kanals (Karpaltunnel), in dem unter anderem der wichtige Medianus-Nerv liegt. Wird das Band im Laufe der Jahre durch Überlastung (z.B. PC-Arbeit, Klicken der Maustaste) oder schwere Arbeit dicker, übt das Druck auf den Nerv aus. Frauen (häufig zwischen 40 und 60) sind davon fünfmal häufiger betroffen als Männer.
Im Anfangsstadium der Beschwerden reicht es meist noch, die betroffene Hand zu schütteln, ihre Lage zu verändern und sie vor weiterer Überlastung zu schützen. Hilfreich sind manchmal auch eine Stützschiene am Gelenk oder Spezialhandschuhe, die Vibrationen abfangen. Eine einmalige Kortison-Spritze kann ebenfalls Erleichterung bringen. Sind die Beschwerden schon stärker, bleibt meist nur die Operation (Kassen zahlen).

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