Heute hat sie wieder Spaß am Leben

Anneliese Niederreiner (49) war von den Ärzten aufgegeben.

05.08.2010 Seit einem schweren Autounfall litt Anneliese Niederreiner an unerträglichen Rückenschmerzen. Die Ärzte erklärten sie für austherapiert. Nich einmal die schwersten Schmerzmittel halfen der 49-Jährigen. Doch sie ließ sich nicht unterkriegen...
01.jpgDackel Purzel lächelt zufrieden. Endlich kann sein Frauchen wieder jeden Tag mit ihm Gassi gehen
Seit dem Unfall vor zwei Jahren und mehreren Untersuchungen, die keine genauen Diagnosen zuließen, verspürte Anneliese Niederreiner immer wieder ein stumpfes Ziehen im oberen Rücken. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus schlimme Schmerzattacken. Weder Hausarzt noch Orthopäde entdeckten die Ursachen und alle durchgeführten Therapiemaßnahmen sowie eine starke medikamentöse Einstellung, selbst mit Opiaten, brachten keinerlei Besserung. "Anfänglich merkte ich nur ein leichtes Zwicken bei kleinen Bewegungen im Brustwirbelbereich. Später sogar, sobald ich meine Arme nur anhob", sagt Anneliese Niederreiner. Da sie in der Poststelle tätig war, fielen ihr die einfachsten Dinge, wie Briefe stempeln und einsortieren, zunehmend schwerer.

"Schlimm war für mich, dass meine Kollegen mir nicht glaubten, mich als Simulantin hinstellten. Es gab ja auch nie eine richtige Diagnose." Das belastete die Finanzbeamtin zusätzlich, so dass sie sich regelrecht zur Arbeit quälte. Doch selbst im Haushalt war sie auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen. "Geschirrspüler ausräumen, Gartenarbeit oder mit meinem Hund Purzel spazieren gehen, all diese Dinge konnte ich einfach nicht mehr erledigen", erinnert sie sich.

Zweimal die Wcohe renkte ein Orthopäde ihre Wirbel wieder ein und behandelte sie mit starken Schmerzmedikamenten. Im November letzten Jahres dann die Hiobsbotschaft: Ihr Arzt erklärte Anneliese Niederreiner für arbeitsunfähig und austherapiert.

Arbeitsunfähig und austherapiert

02.jpgNoch vor kurzem konnte Anneliese Niederreiner nicht mal einen Teller halten
Ein Schock für die erst 49-jährige Anneliese. "Es ist schlimm zu hören, wenn keiner mehr etwas für einen tun kann. Ich war total verzweifelt!" Als letzte Möglichkeit überwies ihr Arzt sie an die Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen in München. Hier fand die leidgeprüfte Frau endlich Hilfe. Dr. Samer Ismail, Neurochirurg in der Praxisklinik, untersuchte die Patientin eingehend. Er stellte chronische und therapieresistente Beschwerden im Schulterbereich, eine leichte Verengung im Wirbelkanal sowie eine Vorwölbung der Bandscheibe im Brustwirbel bei Anneliese Niederreiner fest.

"Leider brechen viele Mediziner nach erfolglosen Therapiemaßnahmen die Behandlungen ab und verabreichen als letzte Möglichkeit starke Medikamente", weiß Dr. Ismail. "Dabei stellt die elektrische Rückenmarksstimulation, kurz SCS genannt (s. unten), eine wertvolle Alternative dar." Anwendung findet der sogenannte Schmerzschrittmacher bei Nervenschmerzen, Arthrose, Phantom- oder Stumpfschmerzen und bei chronischen Rückenschmerzen.

Den Alltag endlich wieder genießen

Der Schmerzschrittmacher gab auch Anneliese Niederreiner die Lebensqualität zurück. "Alles, was vorher nicht mehr möglich war, kann ich jetzt wieder machen. Ich gehe arbeiten und habe wieder Spaß am Leben. Das freut meinen Mann, aber auch meinen Dackel, mit dem ich endlich wieder spazieren gehen kann", strahlt sie überglücklich.

Info Schmerz-Schrittmacher (SCS)

03.jpgIm ersten Operationsschritt lokalisiert der erfahrene Neurochirurg unter ständiger Kommunikation mit der Patientin den Schmerzherd. Nachdem er zwei Elektroden punktgenau platziert hat, verbindet er diese im nächsten Schritt mit einem kleinen Impulsgeber, dem Schmerzschrittmacher, den er in einer Hauttasche implantiert. Ähnlich einem Herzschrittmacher, gibt dieser schwache elektrische Impulse direkt an das Rückenmark ab und unterbricht somit die Schmerzweiterleitung an das Gehirn. Bei erfolgreicher Behandlung liegt die Schmerzlinderung bei 75 Prozent.

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