Chronische Schmerzen
"Ich war total verzweifelt"

Es war ein sonniger Herbsttag als ich mit meinem Wagen auf dem Weg nach Hause war. Plötzlich kam aus einer Seitenstraße ein Auto und nahm mir die Vorfahrt und rammte mich vorne rechts. Deswegen verfehlte ich nur knapp einen Baum und überschlug mich mehrmals. Als ich wieder zu mir kam, war schon Hilfe da. Seit dem Unfall vor zwei Jahren habe ich mehrere Untersuchungen über mich ergehen lassen, die allerdings keine genaue Diagnose brachten. Immer wieder verspürte ich ein stumpfes Ziehen im oberen Rücken. Im Laufe der Zeit entwickelten sich daraus schlimme Schmerzattacken. Weder Hausarzt noch Orthopäde entdeckten die Ursachen und alle durchgeführten Therapiemaßnahmen sowie eine starke medikamentöse Einstellung, selbst mit starken Schmerzmitteln brachten keinerlei Besserung. Anfänglich merkte ich nur ein leichtes Zwicken bei kleinen Bewegungen im Brustwirbelbereich. Später sogar, sobald ich meine Arme nur anhob.
Da ich in der Poststelle tätig war, fielen mir somit die einfachsten Dinge, wie Briefe stempeln und einsortieren, zunehmend schwerer. Besonders schlimm war es für mich, dass meine Kollegen mir nicht glaubten und mich als Simulantin hinstellten. Es gab ja auch nie eine richtige Diagnose. Das belastete mich zusätzlich, sodass ich mich regelrecht zur Arbeit quälte. Doch selbst im Haushalt war ich auf die Hilfe meines Mannes angewiesen. Geschirrspüler ausräumen, Gartenarbeit oder mit meinem Hund Purzel spazieren gehen, all diese Dinge konnte ich einfach nicht mehr erledigen.Zweimal die Woche renkte ein Orthopäde meine Wirbel wieder ein und behandelte mich mit starken Schmerzmedikamenten. Im November letzten Jahres dann die Hiobsbotschaft: Mein damaliger Arzt erklärte mich für arbeitsunfähig und austherapiert. Das war ein echter Schock für mich. Es ist schlimm zu hören, wenn keiner mehr etwas für einen tun kann. Ich war total verzweifelt! Als letzte Möglichkeit überwies mich mein Arzt an die Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen in München. Hier fand ich endlich Hilfe.
Der hiesige Neurochirurg Dr. Samer Ismail untersuchte mich zunächst eingehend und stellte chronische und therapieresistente Beschwerden im Schulterbereich, eine leichte Verengung im Wirbelkanal sowie eine Vorwölbung der Bandscheibe im Brustwirbel fest. Er schlug mir als Alternative zu den bisherigen Therapieversuchen eine elektrische Rückenmarksstimulation, kurz "ses" genannt vor. Doch bevor er mir den Schmerzschrittmacher implantierte, durchlief ich eine Testphase. Und welch ein Glück: Die Therapie schlug an! Es kam in dieser Zeit schon zu einer deutlichen Besserung und einer erheblichen Schmerzsenkung. Danach erst ging es zur Operation. Erst hatte ich Angst. Doch schnell merkte ich, dass ich außer einem leichten Kribbeln im Rücken nichts von dem Schmerzschrittmacher spürte. Mit einer Art Fernbedienung kann ich je nach Schmerzstärke die elektrischen Impulse steuern. In der ersten Zeit musste ich mich zwar beim Sport und anderen körperlichen Aktivitäten etwas zurückhalten. Aber nach sechs bis acht Wochen war die Phase der Stabilisierung abgeschlossen und nach weiteren drei Monaten saß das Implantat fest und konnte nicht mehr verrutschen. Mein Arzt Dr. Ismail prognostizierte mir eine Schmerzminderung von zirka 75 Prozent. Das wäre ein riesiger Fortschritt für mich. Denn so könnte ich meinen Schmerzmittelkonsum weiter einschränken und so Leber und Nieren entlasten. Das Beste aber ist, dass der Schmerzschrittmacher mir wieder mehr Beweglichkeit und Lebensqualitä t zurückbrachte. Alles, was vorher nicht mehr möglich war, kann ich jetzt wieder machen. Ich gehe arbe iten und habe wieder Spaß am Leben. Das freut besonders meinen Mann, aber auch meinen Dackel, mit dem ich endlich wieder spazieren gehen kann.Stichwort: Schmerzschrittmacher
Die Rückenmarksstimulation (SeS) ist eine Möglichkeit, chronische Schmerzen zu lindern. Ähn lich einem Herzschrittmacher, gibt dieser jetzt schwache elektrische Impulse direkt an das Rückenmark ab und unterbricht somit die Schmerzweiterleitung an das Gehirn. Bevor der Schmerzschrittmacher implantiert wird, durchlaufen Patienten eine Testphase. Erst wenn es zu einer deutlichen Besserung und einer erheblichen Schmerzlinderung kommt, wird operiert. In einem ersten Operationsschritt lokalisiert ein erfahrener Neurochirurg unter ständiger Kommunikation mit dem Patienten den Schmerzherd. Danach platziert er zwei Elektroden punktgenau und verbindet diese mit einem kleinen Impulsgeber - dem Schmerzschrittmacher, der in eine Hauttasche implantiert wird. Betroffene spüren danach an dieser Stelle nur ein leichtes Kribbeln. Am nächsten Tag erfolgt die Feineinstellung. Je nach Intensität der Rückenschmerzen stellen Ärzte mithilfe eines computergesteuerten Programmiergeräts Stärke und Dauer des Schmerzschrittmachers individuell ein. Mit einer Fernbedienung kann der Patient dann zu Hause selbst die Impulseigenschaft variieren und so auf veränderte Schmerzstärken reagieren. Anwendung findet der Schmerzschrittmacher etwa bei Nervenschmerzen, Arthrose, Phantom- oder Stumpfschmerzen oder bei chronischen Rückenschmerzen.
