Wie ich wieder auf die Beine kam

Junge Frau (23) von Rücken-Martyrium erlöst

03.11.2010
01.jpgDrei Monate sind seit der OP vergangen - mittlerweile kann Nicole Ittlinger sogar wieder Billard spielen
Irgendwann waren plötzlich diese Schmerzen da. Schon wenn Nicole Ittlinger (23) aus Essenbach (bei Landshut) morgens aufwachte, konnte sie kaum laufen. "Vom unteren Rücken bis zu den Füßen tat alles weh", erinnert sich die Bäckereifachverkäuferin. Mehr als sechs Jahre lang litt die junge Frau an unerträglichen Schmerzen, verlor wegen der Krankheit sogar ihren Job. Doch jetzt ist sie wieder völlig schmerzfrei - dank zwei künstlicher Bandscheiben!
Von wegen, Rückenschmerzen treffen nur Ältere. Mit 17 sitzt Nicole Ittlinger das erste Mal beim Orthopäden. Im Laufe der Jahre sucht sie Rat bei insgesamt 13 Fachärzten - vergeblich. "Die Schmerzen wurden immer schlimmer, aber keiner konnte mir helfen", sagt sie. Die Röntgenbilder zeigen: Die Wirbelsäule der jungen Frau ist geschädigt und stark abgenutzt - untypisch für ihr Alter.
Doch alle Therapieversuche der Ärzte scheitern. Jahrelang geht Nicole Ittlinger zur Krankengymnastik, aber auch das bringt nichts. "Meine Angst, ein Leben lang unter Rückenschmerzen leiden zu müssen, wurde immer größer", sagt die 23-Jährige. Zwei Mal schöpft sie neue Hoffnung, doch auch die wird zunichte gemacht: Weder die lang erwartete Operation an der Lendenwirbelsäule noch die nachfolgende Behandlung mit dem Wirbelsäulenkatheter bringen Besserung."
"Mein großes Hobby, das Reiten, hatte ich längst aufgegeben", erzähltl Ittlinger. Mit Freunden spielt sie gerne Billard, aber selbst das wird zur Tortur. Ohne Schmerzmittel hält sie die Qualen kaum mehr aus: "Ich hatte immer Tabletten dabei und ständige Angst vor einer Attacke."
02.jpgNeurochirurg Dr. Samer Ismail mit seiner jungen Patientin in der Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen
Die Angst ist nicht unbegründet: Drei Bandscheibenvorfälle folgen, Nicole Ittlinger ist wochenlang krankgeschrieben. Schließlich verliert sie sogar ihren Job - wegen der vielen Fehlzeiten wird ihr Vertrag nicht verlängert. Nicole Ittlinger ist mit den Nerven am Ende. Eines Tages surft sie im Internet und entdeckt die Seite der Münchner Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen und macht einen Termin - der letzte Versuch. Dort stellt Neurochirurg Dr. Samer Ismail, die Diagnose: Fehlstellung und Instabilität der Wirbelsäule, verursacht durch eine abnutzungsbedingte Veränderung der Bandscheiben wegen Bandscheibenvorfällen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Er sieht nur einen Weg aus dem Schmerz: Zwei künstliche Bandscheiben. "Bei jungen Leuten raten wir eigentlich nicht gerne zu Operationen. Aber wenn es nötig ist, müssen wir über den Tellerrand der konservativen Therapien und veralteteten Operationstechniken hinausbücken", erklärt der Arzt.
In einer zweistündigen Operation entfernen die Ärzte der jungen Frau die verschlissene Bandscheibe und setzen zwei Prothesen ein - sie verhindern, dass die Wirbel schmerzhaft aufeinanderreiben. Schon am Tag nach der OP kann Nicole Ittlinger ihr Glück kaum fassen: "Mich überkam seit langer Zeit wieder ein Gefühl von Zuversicht." Mittlerweile sind drei Monate vergangen. Für Nicole geht es seit dem Eingriff stetig bergauf: Sie arbeitet wieder und hat sogar wieder mit dem Reiten angefangen. Die 23-Jährige strahlt: "Endlich kann ich wieder alles machen, was meine Freunde auch tun."

So gelang den Ärzten der Eingriff

03.jpgNeurologe Dr. Samer Ismail von der Praxisklinik erklärt Nicole Ittlinger den Eingriff an einem Modell
Mit einer modernen Operation haben die Ärzte der Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen die Wirbelsäule von Nicole Ittlinger wieder in Form gebracht und den Schmerz gelindert. "Wir haben einen kleinen Schnitt gesetzt und zuerst komplett die verschlissene Bandscheibe entfernt", erklärt Dr. Samer Ismail, Neurochirurg in der Praxisklinik. Damit die Ärzte präzise arbeiten konnten, benutzten sie eine Bildwandlerkontrolle - dabei werden mit einer fahrbaren Röntgenkamera Aufnahmen hergestellt, die auf einem Monitor angezeigt werden.
Nachdem der Chirurg die Wirbelsäule in weiteren Schritten wieder in ihre ursprüngliche Form gebracht hatte, platzierte er zwei künstliche Bandscheiben zwischen den Wirbeln. Die Prothesen übernehmen jetzt die ursprüngliche Pufferfunktion der Bandscheiben und verhindern, dass die Wirbel aufeinanderreiben - gerade das hatte der Patientin große Schmerzen bereitet. Die bandscheibenbedingten Rückenschmerzen sind nun beseitigt, außerdem konnte die natürliche Beweglichkeit der Wirbelsäule erhalten werden.

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