Hüft-Operation: Endlich schmerzfrei leben

Wenn das größte Gelenk Probleme macht, ist ein Ersatz oft die letzte Rettung. Die wichtigsten Infos

18.11.2010
01.jpgNeue Freiheit: Endlich wieder beweglich sein und keine Schmerzen mehr haben. Nach dem Einsatz eines Hüftgelenks ist das für viele Arthrose-Patienten möglich
Das Hüftgelenk ist verschlissen, Ihre Gelenk-Arthrose wurde ausgelöst durch eine angeborene Fehlstellung." Diese Diagnose war für Sabine Hackl (46) eher eine Erleichterung. „Endlich wusste ich, woher meine Schmerzen kamen", erzählt
die Münchnerin. Kurz danach wurde ihr ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt, eine sogenannte Endoprothese. Damit ist sie eine von ca. 160 000 Patienten, die jährlich eine solche OP durchführen lassen. Ein reiner Routineeingriff also? Keineswegs! Dr. Dietmar M. Müller von der Praxisklinik Dr. Schneiderhan in München: „Es gibt zig Methoden. Wichtig ist, die jeweils richtige zu finden." Doch wenn Spezialisten den Eingriff vornehmen, stehen die Heilungschancen gut: 95 Prozent der Patienten sind auch nach zehn Jahren noch beschwerdefrei.

Wann ist eine Hüft-Operation sinnvoll?

Wenn nichtoperative Maßnahmen, also Krankengymnastik, orthopädische Schuhe sowie schmerz- und entzündungshemmende Medikamente nicht mehr weiterhelfen. Ist das Gelenk stark geschädigt und die Lebensqualität eingeschränkt, lohnt sich der Eingriff auch bei jungen Patienten. „Hier sind einseitige Belastungen und angeborene Hüftfehler die häufigsten Ursachen einer Gelenkschädigung", sagt Dr. Müller.

Wie verläuft der Eingriff?

Inzwischen gibt es verschiedene Prothesen-Typen und OP-Methoden: Meist wird eine Total-Endoprothese eingesetzt. Dabei entfernt der Operateur Oberschenkelkopf und -hals. Danach verklemmt oder zementiert er den künstlichen Schaft tief im Oberschenkelknochen. Sabine Hackl bekam eine Kurzschaft-Prothese: „Hier werden die Knochen so weit wie möglich erhalten", erklärt Dr. Müller. „Außerdem müssen wir nur Mini-Schnitte setzen. Es bleiben kleinere Narben zurück als bei herkömmlichen Operationen."

Drohen häufig Komplikationen?

Nur bei 3,5 Prozent der Fälle muss die Prothese innerhalb der ersten beiden Jahre ersetzt oder entfernt werden, weil sie sich gelockert hat oder es zu Infektionen kam.
Bei manchen Prothesen-Typen ist die Komplikationsrate aber höher: Wird nur eine Hüftkappe eingesetzt, ist der Verschleiß besonders groß. Grund: Die Metallkappe reibt gegen eine Metallpfanne, der Abrieb kann Geschwülste, Allergien oder Nierenschädigungen auslösen. Der Einsatz einer Total-Endoprothese dagegen verläuft häufig ohne Komplikationen. Um Abrieb zu verhindern, werden verschiedene Materialien kombiniert: ein Keramik- oder Metallkopf mit einem Pfanneneinsatz aus hochwertigem Kunststoff.

Wie belastbar ist man danach?

Gleich nach dem Eingriff machen die Patienten erste Gehversuche, nach etwa
zehn Tagen Klinikaufenthalt folgt die stationäre Reha. Danach ambulantes Kraft- und Koordinationstraining.

Wie lange hält die Prothese?

„Je nach Beanspruchung 15 bis 20 Jahre. Danach muss sie ausgetauscht werden", erklärt Dr. Müller. Gerade jüngere Patienten müssen sich also auf einen Prothesenwechsel einstellen. „Um den einfacher und sanfter zu gestalten, ist es besonders wichtig, den eigenen Knochen so weit wie möglich zu schonen. Eine Kurzschaft-Prothese können wir zementfrei implantieren. Dadurch gelingt es uns, möglichst viel Knochenmaterial zu erhalten", sagt Dr. Müller.

“Jetzt kann ich wieder wandern“

02.jpgMobil mit künstlichem Hüftgelenk: Sabine Hackl (46) aus München
Ein Leben ohne Schmerzen – das war für Sabine Hackl (46) bis vor einem Jahr ein Wunschtraum. Die Ärzte konnten keine Ursache für ihre Beschwerden finden. Erst die Operation in einer Spezialklinik half

„Ich leite die Filiale eines Discounters, da muss man beim Einräumen schon mal kräftig mit anpacken", sagt Sabine Hackl. Lange war das kein Problem. Doch dann bekam sie quälende Schmerzen in der Leiste und in den Beinen. Deshalb musste sie ihr Hobby aufgeben: das Wandern. „Mein damaliger Orthopäde meinte, meine Bandscheiben seien kaputt. Tatsächlich hatte ich damit schon Probleme gehabt." Doch in diesem Fall war es eine Fehldiagnose. „Weil die Therapien nichts brachten, verschrieb man mir immer stärkere Schmerzmittel. Die machten die Qual zwar erträglich, hatten aber heftige Nebenwirkungen zur Folge. Am Ende bekam ich dreimal pro Woche Kortison und zusätzlich
Opiate. Zuletzt war meine Niere geschädigt." Die Hausärztin riet der Münchnerin, zur Entgiftung in eine Suchtklinik zu gehen. „Zwischen Alkoholikern und Drogenabhängigen fühlte ich mich komplett fehl am Platz", erinnert sich die sportliche Frau. „Außerdem wurden meine Schmerzen dort überhaupt nicht therapiert."
Erst in der Münchner Praxisklinik Dr. Schneiderhan stellte der Orthopäde Dr. Dietmar M. Müller fest: Schmerzursache war eine Abnutzung des linken Hüftgelenks. „Von Geburt an ist mein linkes Bein etwas kürzer als das rechte. Freunde haben mich schon immer am leicht hinkenden Gang erkannt", sagt Sabine Hackl. „Komisch, dass die anderen Ärzte nicht darauf gekommen sind!" Der Orthopäde setzte ein künstliches Hüftgelenk, eine Total-Endoprothese (TEP), ein. „Schon nach wenigen Tagen konnte ich schmerzfrei laufen." Heute arbeitet die 46-Jährige wieder beim Discounter, muss aber keine schweren Kisten mehr schleppen. Und das Schönste: „Kürzlich war ich 14 Tage wandern auf La Gomera, es war herrlich!"

Hüftgelenk-Endoprothese

03.jpgSo wird das künstliche Gelenk eingebaut: Um den Beckenknochen (1) und den Oberschenkel (2) miteinander zu verbinden, setzt der Operateur eine Endoprothese (3) aus Metall/Kunststoff ein. Dafür entfernt er zunächst Oberschenkelkopf und -hals. Danach verklemmt er den Schaft der Prothese in der Knochensubstanz oder zementiert ihn tief in den Oberschenkel ein.

Kontakt

Haben Sie Fragen?

Hotline zum Kontaktformular Patientenforum Sie fragen – unsere Experten anworten.