Verengter Wirbelkanal
Zwei neue Verfahren ersparen die offene OP

Winzige Sonden, große Wirkung: Bei der Behandlung von chronischen Rückenschmerzen hat die Entwicklung neuer Therapien große Fortschritte gemacht. Die Ärzte der Praxisklinik Dr. Schneiderhan in München/ Taufkirchen setzen jetzt mit großem Erfolg zwei moderne Techniken ein, die vielen Rückenpatienten wieder neue Hoffnung schenken: Die PulsTrode-Therapie und die Epiduroskopie mit dem E-Kath.Chronische Rückenschmerzen kennen kein Alter. Deshalb war Alexandra Bischof überrascht und verzweifelt zugleich, dass ihre Beschwerden trotz Schmerzmitteln, Injektionen und Physiotherapie auch nach vielen Wochen nicht besser wurden. „Dabei war ich erst 38 Jahre alt, lebte immer gesund und trieb viel Sport“, klagt die Angestellte aus Stuttgart. „Und als Beschwerden konnte man meine Symptome schon lange nicht mehr bezeichnen. Das waren bereits richtige Höllenqualen. Meine Schmerzen zogen vom Ischiasnerv über den Oberschenkel bis hinunter in den Fuß. Ich konnte ja kaum noch hundert Meter laufen.“
Als sie nach einer Kernspinuntersuchung die Diagnose erfuhr, erschrak Alexandra Bischof: „Ein Bandscheibenvorfall im Lendenbereich hatte meinen Wirbelkanal schwer eingeengt. Dabei dachte ich immer, an Wirbelkanalverengung leiden nur ältere Menschen.“ Doch Alexandras Beispiel zeigt, dass durchaus auch Jüngere davon betroffen sein können. Der Orthopäde am Wohnort riet der jungen Frau zur Operation. Seiner Meinung nach die einzige Möglichkeit, um den Schmerzen zu entkommen. Doch Alexandra Bischof hatte vor nichts mehr Angst als vor einer offenen Wirbelsäulen-Operation: „Mein Vater wurde auf diese Weise operiert und hatte hinterher immer noch Schmerzen. Das wollte ich auf gar keinen Fall.“ Heute kann Alexandra Bischof wieder lachen. Ihre Schmerzen sind weg. Und zwar ganz ohne Operation.
Neurochirurg Dr. Harmut Neumann zeigt am Monitor, wie er die PulsTrode-Sonde (blau) in die Wirbelsäule einführt.Dass ihm das gelang, sieht man an Alexandra Bischof. Dr. Neumann erklärt, wie die Behandlungsmethode funktioniert: „Die Schmerzen im Bereich des Ischiasnervs und im Bein der Patientin entstanden durch einen Bandscheibenvorfall, der in den Wirbelkanal hineinragte und ihn einengte. Das hervorgetretene Bandscheibengewebe drückt auf die Nervenfasern, die den Ischiasnerv bilden. Durch den Druck kommt es zu einer Entzündung an der Nervenwurzel. Diese Schmerzen strahlen entlang des Verlaufs des Ischiasnervs bis tief hinunter ins Bein aus. Wenn konservative Maßnahmen hier nicht weiter helfen, setzen wir seit zwei Jahren mit großem Erfolg den neuen PulsTrode-Katheter der Firma Bioampere, aus Italien ein. An ihrer Spitze hat sie Elektroden für einen hochfrequenten Bipolarstrom, der die Weiterleitung der Schmerzimpulse auf besonders schonende Art unterbricht.“ Zur Behandlung lag Alexandra Bischof auf dem Bauch. Unter örtlicher Betäubung führte Dr. Neumann die nur 1,4 Millimeter dünne PulsTrode-Sonde durch eine winzige Öffnung im Kreuzbein ein und schob sie langsam bis zur betroffenen Nervenwurzel im Lendenwirbelbereich vor.
Dr. Schneiderhan und Dr. NeumannBei Alexandra Bischof war das im Bein und im Fuß der Fall. Die Stromreize fühlten sich so an, als ob eine kleine Ameisenkolonie über das Bein bis zum Fuß wanderte. Sobald die Elektrode die richtige Lage gefunden hat, löst Dr. Neumann die Neuromodulation aus. „Damit leiten wir fünf Minuten lang hochfrequente Radiowellen im Bereich von 450 000 Hertz auf den Nerv. Und das in sehr kurzen Abständen von zwei Zyklen pro Sekunde. Die Schmerzleitung der betroffenen Nervenfasern ist dann lahmgelegt, aber nicht tot. Das ist so ähnlich, als ob man aus einem sehr lauten Rockkonzert kommt und einem hinterher die Ohren dröhnen. Nur beim Nerv hält diese Betäubung mehrere Jahre an.“ Weil durch die hochfrequenten Radiowellen auch nur geringe Temperaturen und keine Hitze mehr entstehen, kann es zu keinen Schädigungen kommen. Alexandra Bischof war von der Wirkung der Puls-Therapie begeistert: „Bereits kurz nach der Behandlung konnte ich aufstehen und war absolut schmerzfrei. Dieser Zustand hat bis heute angehalten.“
Epiduroskopie mit dem E-Kath
Der Rücken-Katheter, der sehen kann Unter ähnlichen Schmerzen, die aber eine andere Ursache hatten, litt Uwe Karlstatt (57) aus Mainz. Er war sogar schon am verengten Wirbelkanal operiert worden. Doch der offene Eingriff brachte nur für kurze Zeit Linderung. Dann waren die Schmerzen wieder da: „Sie saßen tief im Kreuz und traten immer dann besonders stark auf, wenn ich aufstand oder mich setzen wollte“, sagt der Prokurist einer großen Computerfirma. „Aber da waren sie immer und zogen bis tief hinunter ins Bein. Auf größere Wege habe ich deshalb oft verzichtet. Denn bei längerem Gehen wurden die Schmerzen so schlimm, dass ich öfter stehen bleiben musste.“
Herr Dr. Schneiderhan zeigt am Modell, wo der neue E-Kath an der Wirbelsäule eingeführt wird.Der Radimed-E-Kath ist so raffiniert konstruiert, dass er trotz seines geradezu winzigen Durchmessers von nur 1,4 Millimetern immer noch genügend Platz für eine extrem dünne Videosonde und einen weiteren Kanal bietet, durch den der Arzt Medikamente in die Wirbelsäule injizieren kann. Das optische Wunderwerk besteht aus einer hochauflösenden Optikfaser der Firma Almikro aus Bad Krozingen, die dem Arzt einen direkten Blick in den Wirbelkanal ermöglicht: Wir führen den Radimed- E-Kath durch eine kleine Öffnung durch die Haut und das Kreuzbein ein und leiten ihn bis zu der Stelle vor, an der die Schmerzursache liegt“, so Dr. Schneiderhan. „Diese Methode, die wir Epiduroskopie nennen, ermöglicht uns Einblicke, die bisher bei keinem anderen Verfahren möglich waren. Wir können unter direkter Sicht durch das Radimed-Epiduroskop die Katheterspitze in fast jeden Winkel des Wirbelkanals lenken und genau erkennen, wo sie millimetergenau platziert werden muss, um mit den entsprechenden Medikamenten eine Lösung der Narben und Verklebungen und eine Bekämpfung der Entzündung zu erreichen.“
Dann entfernt der Arzt die Optikfaser und injiziert schmerzstillende, entzündungshemmende und narbenlösende Substanzen genau an die richtige Stelle. Die Epiduroskopie dauert etwa eine Stunde. Der Patient liegt auf dem Bauch und erhält zuvor eine örtliche Betäubung und ein leichtes Schlafmittel. Je nach Befund kann der E-Kath nach der Behandlung im Wirbelkanal für zwei bis drei Tage liegen bleiben, damit der Arzt in mehrstündigen Abständen weitere örtlich wirkende Medikamente injizieren kann. Bei Uwe Karlstatt brachte diese Behandlung endlich den gewünschten Erfolg: „Dass ich heute wieder ohne Schmerzen leben kann, verdanke ich Herrn Dr. Schneiderhan und dem Katheter, der alles sehen kann.“
