"Ich kann wieder zugreifen"
Jede Handbewegung war für Sandra (35) sehr schmerzhaft. Erst durch eine kleine Operation wurde ihr geholfen

Äpfel schneiden für ihre drei Kinder ist nach der OP für Sandra Hierl kein Problem mehrDoch das Ereignis wiederholte sich immer häufiger. Auch die linke Hand war bald betroffen. "Ich hatte starke Schmerzen, die bis in die Schultern ausstrahlten und von denen ich nachts sogar aufwachte", erzählt Sandra Hierl. "Den ganzen Tag über blieben meine Finger taub. Im Juni 2009 wurde es so unerträglich, dass ich endlich einen Arzt aufsuchte."
Die gelernte Verkäuferin ging in die orthopädische und neurochirurgische Praxisklinik Dr. Schneiderhan in München. Die Diagnose des Arztes: Sandra Hierl litt unter einem sogenannten Karpaltunnel-Syndrom (KTS). "Es handelt sich dabei um einen Engpass des Hand-Mittelnervs", erklärt Neurochirurg Dr. Hartmut Neumann. "Der Nerv geht an der Innenseite des Handgelenks aus dem Handwurzelkanal (Karpaltunnel) in die Hohlhand. Bei einem KTS wird er an dieser Durchtrittsstelle von geschwollenem Gewebe eigeengt. Betroffene empfinden beim Beklopfen des Handgelenks über dem Karpaltunnel einen elektrisierenden Schmerz. Den endgültigen Beweis für einen KTS liefert die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Dazu wird der Nerv mit kurzen Stromimpulsen gereizt und die Zeit bis zur Muskelreaktion bestimmt."
Bei Sandra Hierl war die Reaktionszeit stark verzögert, die Schädigung des Nervs demnach weit fortgeschritten. In diesem Stadium riet man ihr dringend zur Operation. Andernfalls könne es zu Problemen beim Greifen und zu bleibenden Empfindungsstörungen kommen. "Ich hatte Angst, aber der Eingriff musste sein", sagt die dreifache Mutter. Im September 2009 durchtrennte man ihr an der rechten, zwei Monate später an der linken Hand jeweils das Handwurzelband, das ein "Dach" über dem Karpaltunnel bildet. So wurde die Tunnel erweitert und der Druck von den Nerven genommen. Den Erfolg spürte Sandra Hierl sofort: "Schmerzen und Taubheitsgefühl waren auf einmal weg. Ich konnte es kaum fassen." Heute geht es ihr so gut wie früher. "Die schlaflosen Nächte sind vorbei. Und ich packe wieder richtig zu."
So funktioniert der Eingriff
Oben: Eingeengt - beim Karpaltunnel-Syndrom drückt geschwollenes Gewebe auf den Handnerv. Das führt dazu, dass die Hand einschläft oder sich die Finger steif und taub anfühlen.Unten: Den Nerv entlasten - bei der OP wird das Gewebe über dem Nerv durchtrennt, wodurch der Druck genommen wird. Nach diesem Eingriff sollte die Hand sechs Wochen geschont werden.
"Bei Beschwerden hilft Ruhe"
Dr. Hartmut Neumann, Facharzt für Neurochirurgie, Praxisklinik Dr. Schneiderhan, MünchenDas Karpaltunnel-Synrom kann durch Überlastung ausgelöst werden. Oft reicht es daher schon, wenn der Patient die Hand tagsüber schont und nachts mit einer gepolsterten Schiene ruhigstellt. Bleiben die Beschwerden, ist eine kleine OP notwendig. Es sollte allerdings immer eine neurologische Untersuchung durchgeführt werden, da das Taubheitsgefühl auch andere Ursachen haben kann.
