"Jetzt bin ich wieder fit"

Ein Bandscheibenvorfall bereitete Edith (67) heftige Schmerzen

16.02.2011 Als Spätfolge eines Unfalls erlitt Edith Braun einen schweren Bandscheibenvorfall. Eine Operation gab ihrer Wirbelsäule neue Stabilität - ohne Verlust der Beweglichkeit.
01.jpgEdith treibt gern Sport. Seit der OP geht das auch wieder schmerzfrei


Sie war eine begeisterte Reiterin, aber mit 18 stürzte Edith Braun vom Pferd. "Ich fiel aus vollem Galopp auf eine Schotterpiste", erzählt die heute 67-Jährige aus Garching. Doch trotz starker Rückenschmerzen ging sie nicht zum Arzt. "Ich hatte mich gerade als Werbegestalterin selbstständig gemacht und konnte es mir nicht leisten, krank zu sein." Sie zwang sich zur Arbeit, trug Schaufensterpuppen und anderes schweres Deko-Material umher. Sie verzichtete nicht einmal auf ihren Lieblingssport: Eislaufen im Winter, Rollkunstlaufen im Sommer.
02.jpgZurück auf dem Eis: Schon ein halbes Jahr nach der Operation drehte Edith wieder Pirouetten
"Die Bewegung war wohl gut für meinen Rücken, jedenfalls ließen die Schmerzen im Laufe der Zeit nach", sagt sie.

"Ich hatte mir das Steißbein gebrochen"

Alles schien wieder in Ordnung - bis zum 31. März 2008. An diesem Tag ließ Edith eine Darmspiegelung machen. "Danach fühlte sich mein linkes Bein an der Innenseite pelzig an", erinnert sie sich. "Bald darauf litt ich unter furchtbaren Schmerzen."
Tabletten blieben wirkungslos dagegen, der Orthopäde wusste auch nicht weiter. Deshalb ging Edith Braun zum Neurologen. Eine Tomografie ergab: Bei ihrem damaligen Reitunfall war das Steißbein gebrochen und dann falsch zusammengewachsen. Weil sie sich mit Schonhaltung vor den Schmerzen geschützt hatte, wurde die Lendenwirbelsäule verformt. Die heftigen Schmerzen jetzt kamen von einem Bandscheibenvorfall, der auf die Nerven im Wirbelkanal drückte.

"Ich fühle mich so mobil wie früher

03a.jpgBandscheibenvorfall: Der weiche Kern der Bandscheibe (Mitte) quillt aus der faserigen Hülle. Drückt er auf die Nerven, kann es zu Schmerzen kommen
Im September ließ sie sich zum Neurochirurgen Dr. Samer Ismail von der Münchener Praxisklinik Dr. Schneiderhan überweisen. Er entschied, eine TLIF-OP (s. unten) zu machen. "Dabei öffnen wir den Wirbelkanal und entlasten die eingeklemmten Nerven", erklärt der Arzt. "Die Bandscheibe wird entfernt und durch einen Platzhalter ersetzt. Dann bringen wir die benachbarten Wirbel in ihre normale Lage und verbinden sie. Innerhalb weniger Wochen wachsen sie fest zusammen."
So geschah es auch bei Edith Braun. Am 25. September 2008 wurde sie operiert. Ende April 2009 drehte sie bereits wieder Pirouetten im Münchener Eissportzentrum. "Die Versteifung schränkt mich nicht ein", versichert sie. "Ich bin so mobil wie früher."

Interview mit Dr. Samer Ismail, Neurochirurg, Praxisklinik Dr. Schneiderhan, München

mach mal Pause: Wie schnell ist man nach einer TLIF-OP wieder mobil?04.jpg
Dr. Ismail: Der Patient darf schon am Folgetag aufstehen und sich normal bewegen. Nach vier Wochen kann er mit der Krankengymnastik beginnen.

mach mal Pause: Ist eine Nachbehandlung nötig?
Dr. Ismail: Das hängt vom Einzelfall ab. Je nach Umfang der Operation und individuellen Situation des Patienten kann eine Reha-Maßnahme sinnvoll sein.

mach mal Pause: worauf sollten operierte Patienten im Alltag achten?
Dr. Ismail: In den ersten Wochen sollten sie längeres Sitzen und Stehen vermeiden. Danach gibt es keine Einschränkungen.

mach mal Pause: Ist diese OP eine große Belastung für den Körper?
Dr. Ismail: Die Technik ist weit entwickelt. Wann immer möglich, operieren wir minimal-invasiv, also mit nur kleinen Zugangswegen und feinsten Instrumenten. Das schont das Gewebe und trägt zu einer schnelleren Genesung bei.
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Hintergrund: Versteifung mit TLIF

Verformungen der Lendenwirbelsäle können den Wirbelkanal einengen, in dem das Rückenmark verläuft. In schweren Fällen kommt die Versteifung mithilfe der sogenannten "Transforaminalen Lumbalen Interkorporellen Fusionstechnik" (TLIF) infrage. Sie korigiert die Fehlstellung und nimmt den Druck von den Nerven. Die Wirbel werden wieder in Position gerückt und mit Schrauben und Stäben miteinander verspannt. Die gesetzlichen Kassen zahlen.

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