Für ein starkes Kreuz

Die wichtigsten Fragen zu Rücken und Bandscheiben

24.03.2011 01.jpgEtwa acht Millionen Deutsche haben es dauerhaft im Kreuz und leiden unter Rückenschmerzen. Der Orthopäde Dr. Reinhard Schneiderhan aus München erklärt, wann operiert werden muss und welche sanften Heilverfahren heute zur Verfügung stehen

Mit den Jahren müssen die meisten von uns immer häufiger mit Rückenschmerzen kämpfen. Doch man kann rechtzeitig gegensteuern. Wir sprachen darüber mit Dr. Reinhard Schneiderhan, Präsident der Deutschen Wirbelsäulenliga.

Warum machen uns Bandscheiben im Alter mehr zu schaffen?

02.jpgIn Maßen tut Belastung unserem Rücken gut, denn die stützende Muskulatur wird dadurch aufgebaut. Nach einer größeren Beanspruchung immer ein wenig Zeit nehmen, um sich zu dehnen.
„Durch die Belastung im Laufe des Lebens werden die Bandscheiben zusammengedrückt. Sie verlieren Flüssigkeit und damit Elastizität, was sie spröder, anfälliger für Verletzungen und unflexibler macht."

Was passiert, wenn eine Bandscheibe verschlissen ist?

„Weil sie weniger elastisch ist, entstehen Risse in dem Faserring, der den Gallertkern umfasst. Durch die Risse kann der Kern hervorquellen. Dann reicht schon eine harmlose Drehung im Bett aus, um heftige Schmerzen auszulösen. Reißt der Faserring und die gallertartige Masse tritt aus, handelt es sich um einen Bahdscheibenvorfall."

Woran erkenne ich einen Bandscheibenvorfall?

„Ein akuter, stechender Schmerz ist ein klassisches Symptom. In der Regel nimmt er beim Stehen oder Sitzen zu. Er kann auch bis in die Arme oder Beine ausstrahlen. Hinzu kommen Gefühlsstörungen wie Kribbeln oder Taubheit. Ein Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule kann zu Schwindel oder Kopfschmerzen führen."

Wie wird der Vorfall behandelt?

„Bei leichten Nerven-Einengungen reichen oft bereits eine Physiotherapie oder Spritzen. Bleiben die Beschwerden bestehen, gibt es immer noch sanfte Alternativen zu offenen Operationen."

Was verstehen Sie unter sanften Behandlungsverfahren?

03.jpgBandscheiben sind die Stoßdämpfer zwischen den einzelnen Wirbeln. Schmerzen treten auf, wenn ihr Kern herausquillt und auf umliegende Nerven drückt.
„Beispielsweise den Mikrolaser oder einen Wirbelsäulenkatheter. Bei beiden Verfahren benutzen Ärzte lediglich eine feine Sonde. Mithilfe des Lasers werden der Bandscheibenkern und der umliegende Faserring geschrumpft. Kleine Einrisse verschließen sich, und die Bandscheibe erlangt neue Stabilität. Über den Katheter hingegen injiziert der Arzt schmerz- und entzündungshemmende Medikamente. Konzentrierte Kochsalzlösung entzieht dem Gewebe zudem Flüssigkeit, wodurch die Vorwölbung schrumpft und sich die Nerven wieder entspannen."

Wann brauchen Patienten eine künstliche Bandscheibe?

„Bei deutlichem Verschleiß mit starken chronischen Schmerzen im Rücken oder Nacken, die bis in Arme oder Beine ausstrahlen. Bei modernen Implantaten bleibt die Beweglichkeit der Wirbelsäule im Gegensatz zur Versteifungs-OP früherer Jahre erhalten."

Wie kann man vorbeugen?

„Gehen Sie beim Heben schwerer Lasten immer in die Knie. Im Sitzen Rücken und Kopf stets aufrecht halten, die Beine parallel auf den Boden stellen und die Position öfter wechseln. Achten Sie zudem auf regelmäßige Bewegung. Schon zehn Minuten gehen oder schwimmen pro Tag verhelfen zu einem starken Rücken."

Das hilft im Akut-Fall

04.jpgBei Schmerzen in der Lendenwirbelsäule sollten Sie Ihren Rücken sofort entlasten
Legen Sie sich flach auf den Boden, und lagern Sie Ihre Beine hoch (z. B. auf einen Stuhl). Achten Sie dabei unbedingt auf eine warme Unterlage wie einen Teppich.
Pflanzliche Salben mit Beinwell-Extrakt (z. B. „Traumaplant", Apotheke) wirken schmerzlindernd.
Lassen Sie sich bald-möglichst von Ihrem Arzt untersuchen.

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