Rückenschmerzen: Was wirklich hilft!
Die tz auf dem Münchner Kongress für Wirbelsäulen-Spezialisten

85 Prozent aller Deutschen hatten schon mit Rückenproblemen zu kämpfen. Dr. Schneiderhan erklärt neue Behandlungs-Methoden.Kleine Eingriffe, große Wirkung: Vier Methoden ersparen aufwändige OPs
Spritzenkur, Krankengymnastik oder Operation? Die Therapiemethoden bei Wirbelsäulenerkrankungen sind vielfältig. Im Trend liegen minimalinvasive Verfahren. Das sind kleinere, gezielte Eingriffe unter Teilnarkose, die das Muskelgewebe nicht beschädigen und den Patienten schneller wieder fit machen. So kann man sich größere Operationen ersparen. Die tz stellt die vier wichtigsten Verfahren vor:Katheterbehandlung: Sie wird bei ausstrahlenden Schmerzen und Bandscheibenvor fällen eingesetzt. Dazu wird eine lenk- und steuerbare Sonde gezielt neben die entzündete Nervenwurzel platziert. Außerdem werden Medikamente an die Wurzel gespritzt – dadurch schrumpft die Weichteilbedrängung des Nervs. Durch die zusätzliche Gabe eines Enzyms wird die eingeklemmte Nervenwurzel wieder beweglich.
Laserbehandlung : Sie wird bei Bandscheibenvorwölbungen und -verschleiß angewendet. Mit mehreren Effekten. Erstens: Schrumpfung – die Vorwölbung geht zurück. Zweitens: Die eingewachsenen Schmerzfasern werden durchtrennt. Drittens wird die Bandscheibe stabilisiert.
Hitzesondenbehandlung: Sie wird bei starken, überwiegend lokalen Rückenschmerzen angewendet, die – vom Verschleiß der Wirbelgelenke ausgehen. Eine Nadel wird in das Gelenk eingeführt, eine Sonde danach durch die Nadel hindurch geführt direkt in den Bereich der Schmerzfaser. Die folgende Erhitzung der Nadel macht das Gelenk wieder schmerzfrei und den Patienten beweglich.
Schmerzschrittmacher:
Er kommt bei chronischen Schmerzen zum Einsatz, die in Bein oder Arm ausstrahlen. Eine Elektrode wird nahe dem Rückenmark platziert (siehe Foto). Sie ist mit dem Schmerzschrittmacher verbunden, der in eine Hautfalte implantiert wird. Das Gerät (etwa halb so groß wie eine Zigarettenschachtel) sendet Impulse, die man von außen steuern kann. Damit werden Schmerzreize unterdrückt, die von der Nervenwurzel ausgehen. Schmerzmedikamente werden überflüssig.Wann muss ich zum Arzt?
Der Experte sagt: „Ein akuter medizinischer Notfall besteht, wenn der Schmerz entweder so extrem ist, dass man sich überhaupt nicht mehr aufrichten kann oder vom Rücken in Arm, Bein oder Fuß ausstrahlt." Wer es nicht zum Arzt schafft, kann auch den Notarzt rufen – der hilft oft mit einer Spritze, zudem sind weitere Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen oder eine Kernspintomografie notwendig. Ernsthafte Warnsignale sind auch Ausfallerscheinungen an Darm oder Blase sowie Lähmungen und Taubheitsgefühle. In solchen Fällen ist ein Bandscheibenvorfall wahrscheinlich. Sofort zum Arzt!Bei leichteren bis mittleren oder plötzlich auftretenden Schmerzen („Hexenschuss") hilft auch der Hausarzt oder Orthopäde – etwa, wenn ein Wirbelgelenk blockiert ist. Das kann etwa passieren, wenn man sich bückt oder schwer hebt. Wie auch bei einer Muskelverspannung sind hier zunächst Wärme und Entlastung wichtig. „Wärmepflaster oder Salben können ebenso wie ein heißes Bad helfen, die Beschwerden zu lindern", so Schneiderhan. Auch Massagen helfen. Vorsicht gilt aber bei Bandscheibenproblemen oder -vorwölbungen: „Das muss man unbedingt vorher mit dem Masseur besprechen." Und: „Keinesfalls einrenken lassen – das dürfen nur ausgebildete Chiropraktiker!"
Drei Übungen für daheim
In der Seitenlage mit gestreckten Beinen auf den Boden legen, den Oberkörper mit dem Unterarm abstützen. Dann die Hüfte anheben, bis der Körper eine gerade Linie bildet. 30 Sekunden halten, dann zehn bis 15 Wiederholungen.
Aufrecht auf einen Stuhl setzen, Rücken gerade halten, Beine hüftbreit aufstellen, den Kopf nach vorn beugen. Dann mit einem Arm den Kopf zur Seite neigen, mit dem anderen Arm die Schulter zum Boden ziehen. 15 Wiederholungen.
In die Rückenlage gehen, Beine anwinkeln, Füße aufstellen. Arme ausgestreckt neben den Körper legen, Handflächen zeigen nach oben. Gesäß anspannen und ohne Hohlkreuz anheben. 30 Sekunden halten, dann bis zu 15 Wiederholungen.Fünf Rücken-Tipps fürs Büro
Von der Früh bis zum Abend vorm Computer, immer im Sitzen – und Pausen, wenn's halt grad mal passt. Alltag im Büro, oft eine Qual für den Rücken. Wie geht's besser? Dr. Schneiderhans Tipps:- Aufrecht sitzen beugt Haltungsschäden vor. Nicht fläzen, keinen Buckel machen, sondern versuchen, den Rücken gerade und die Beine im 90-Grad-Winkel zu halten.
- Öfter mal aufstehen! Zu lange sitzen verspannt. Kleine Spaziergänge helfen auch im Büro, den Rücken zu entspannen.
- Dehnübungen machen. Zum Beispiel: Schultern hochziehen, dann kreisen lassen. Oder: Oberkörper zwischen die Beine nach vorne fallen lassen und auspendeln.
- Platzieren Sie den Monitor direkt vor sich, dann müssen Sie den Kopf nicht drehen.
- Die Lehne soll die Wirbelsäule von oben bis unten stützen. Die Hände häufig auf die Tischplatte legen – zur Schulterentlastung.
