Endoskopie

Die Revolution in der Bandscheibenbehandlung

05.12.2011 Das Einzige, was Peter Harringer (50) heute noch an seine großen Rückenschmerzen erinnert, ist eine winzige, nur sieben Millimeter kleine, fast unsichtbare Narbe. bild-01.jpgSie stammt von einer besonders schonenden Operation, die erst seit Kurzem möglich ist: Einem endoskopischen Eingriff, bei dem der Arzt vorgefallenes Bandscheibengewebe durch ein nur sieben Millimeter dünnes Röhrchen und unter direkter Sicht über eine Mini-Videokamera entfernt. „Diese neue Technik hat die Behandlung von Bandscheibenvorfällen tatsächlich revolutioniert", sagt Neurochirurg Dr. Zainalabdin Hadi von der Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen in München-Taufkirchen. Der Bandscheibenoperateur gehört zu den wenigen Spezialisten in Deutschland, die diese moderne Methode schon länger anwenden und deshalb viel Erfahrung damit haben.

Unzählige Spritzen und Tabletten halfen nicht

bild-04.jpgPatient Peter Harringer, Dr. Reinhard Schneiderhan und Operateur Dr. Hadi (von li.) vor den Kernspinbildern
Doch bis Peter Harringer zu Dr. Hadi kam und in ihm endlich den richtigen Arzt fand, der ihn per Schlüssellochtechnik von seinen Rückenqualen befreite, dauerte es drei schmerzhafte Jahre. In diesen drei Jahren wechselte er in einer regelrechten Arzt-Odyssee von einem Mediziner zum anderen: „Jeder stellte eine andere und leider immer falsche Diagnose", erinnert sich der Münchner Handwerker. „Alle glaubten, dass meine Schmerzen von verspannten Rückenmuskeln kämen. Ich bekam unzählige Tabletten und Spritzen. Geholfen hat das alles nichts. Spätestens am nächsten Arbeitstag, als ich mich wieder recken und strecken musste, waren die Schmerzen sofort wieder da. Das ging so weit, dass ich zum Schluss sogar meine Arbeitsstelle aufgeben musste." Das Erstaunliche daran: Kein Arzt hielt es für notwendig, Kernspinaufnahmen von Peter Harringers Wirbelsäule zu machen.
Das geschah erst in der Praxisklinik Dr. Schneiderhan, die über eine eigene Kernspinabteilung verfügt und die der Handwerker im Internet entdeckte: „Als mich Dr. Hadi gründlich untersuchte und ich danach in der Röhre lag, konnte er die richtige Diagnose stellen", so Peter Harringer. „Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Den konnte sogar ich als medizinischer Laie auf den Kernspinbildern erkennen."

Für die OP reicht ein nur sieben Millimeter großer Zugang

bild-02.jpgDr. Hadi (re.) bei einer endoskopischen Bandscheiben-OP: Der Monitor links zeigt die Livebilder der Bandscheibe, die beiden Röntgenschirme rechts die Lage des Endoskops. Links die OP-Schwester - aufgenommen in der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen.
Dr. Hadi erklärte seinem Patient anhand der Aufnahmen, was dessen Schmerzen auslöste: „Herr Harringer hatte sogar einen deutlichen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule. Der schützende äußere Faserring war eingerissen, der gallertartige Kern der Bandscheibe trat aufgrund von Verschleiß oder übermäßiger Belastung nach außen und drückte auf die Nerven. Weil auch der Ischiasnerv eingeengt wurde, strahlten die Schmerzen tief ins Bein aus." Das hatte Peter Harringer besonders zu schaffen gemacht: „Teilweise breiteten sich diese Taubheitsgefühle so stark nach unten aus, dass ich meine Zehen im rechten Fuß nicht mehr spürte." Doch das ist jetzt vorbei. Weil der Bandscheibenvorfall zwar ausgeprägt, aber noch nicht zu groß war und zudem günstig lag, operierte Dr. Hadi seinen Patienten in der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen mit einer endoskopischen Operation: „Damit können wir das vorgequollene Bandscheibengewebe im Gegensatz zum sonst bei uns durchgeführten mikroskopischen Eingriff besonders sanft durch eine einzige Sonde entfernen", erklärt Dr. Hadi. „Sie wird unter Röntgenkontrolle durch einen nur sieben Millimeter kleinen Einstich durch die Haut eingeführt und vorsichtig bis zur Wirbelsäule vorgeschoben. Der Patient bekommt eine Vollnarkose. Ohne Muskelfasern ablösen zu müssen, lenken wir die Sonde vorbei an den Nerven und dem hinteren Wirbelsäulenband durch das seitliche Wirbelsäulenfenster in den Wirbelkanal. Durch diesen seitlichen Zugang können wir das Wirbelsäulenband unversehrt lassen und müssen auch keine Nerven zur Seite ziehen." An der Spitze des dünnen Endoskops, das die Firma Richard Wolf in medizintechnischer Präzisionsarbeit herstellt, befinden sich eine Kaltlichtquelle und eine kleine Minikamera, die alle Bilder aus dem Körperinneren in gestochen scharfer Qualität und vielfach vergrößert auf einen Monitor überträgt und dem Arzt so einen optimalen Überblick verschafft. Er kann nicht nur das vorgewölbte Bandscheibengewebe, sondern auch Entzündungen, Verklebungen oder Engstellen gut erkennen und mit millimeterfeinen Sondenzangen entfernen, die durch das Innere des Röhrchens eingeführt werden, ohne das umgebende Gewebe zu schädigen.

Nach nur einer Woche wieder am Schreibtisch

bild-03.jpgSo wird das Bandscheiben-Endoskop der Firma Wolf eingeführt: Dr. Hadi (li.) und Dr. Schneiderhan am Modell einer Wirbelsäule
Wirbelsäulenspezialist Dr. Reinhard Schneiderhan ist von den Möglichkeiten und Erfolgen der endoskopischen Technik ebenfalls beeindruckt: „Jetzt können wir auch Patienten minimalinvasiv operieren, bei denen das bisher nicht möglich war. Dabei lassen sich nicht nur mittelgroße Bandscheibenvorfälle, sondern auch bestimmte Arten von Wirbelkanalverengungen behandeln. Die endoskopische Methode ist etwa für jeden dritten Patient geeignet, der operiert werden muss. Deshalb bauen wir jetzt dafür ein Schwerpunktzentrum für endoskopische Wirbelsäuleneingriffe auf." Die herkömmliche mikrochirurgische Operation ist nur noch bei besonders großen oder ungünstig gelegenen Bandscheibenvorfällen nötig.
Noch schonender als mit dem Endoskop geht es mit dem Wirbelsäulenkatheter oder dem Laser. „Die minimal-invasive Kathetertechnik kommt bei Bandscheibenvorwölbungen, kleineren Bandscheibenvorfällen und ausstrahlenden Schmerzen zum Einsatz, die durch eine Bildung von Narbengewebe nach einer Operation entstehen können", erklärt Dr. Schneiderhan. „Den schonenden Laser setzen wir bei Bandscheibenvorwölbungen ein und bei Schmerzen, die durch einen Verschleiß der Bandscheibe entstehen." Für Katheter- und Laserverfahren benötigt der Patient auch nur eine sanfte Dämmerschlafnarkose. Der Klinikaufenthalt beträgt hier drei Tage. Schon eine Woche später kann er wieder am Schreibtisch sitzen.
Auch Peter Harringer musste nur drei Tage in der Chirurgischen Klinik München-Bogenhausen bleiben. Nach drei Wochen Schonung durfte er wieder arbeiten. „Aber nur, weil mein Job körperlich anstrengend ist", lacht er. „An den Schreibtisch durfte ich schon zwei Wochen nach dem endoskopischen Eingriff." Er war froh, die Praxisklinik Dr. Schneiderhan und Kollegen gefunden zu haben. Denn in diesem Zentrum arbeiten Orthopäden, Neurochirurgen, Neurologen und andere Spezialisten zusammen, um den Patienten das wohl umfassendste Behandlungsspektrum für Rückenschmerzen zu bieten. Dadurch erhält jeder Patient die für ihn optimale Therapie. Und was für Peter Harringer besonders wichtig war: Wenn eine stationäre Behandlung medizinisch erforderlich ist, sind die Therapien Kassenleistungen und können über die Versichertenkarte abgerechnet werden.

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