Volkskrankheit "Rückenschmerzen"
Rund zwei Drittel der Deutschen leiden unter Rückenschmerzen. Viele Arbeitsstunden am PC und fehlende Bewegung sind häufig die Ursachen dafür. Besonders bedenklich: Die Zahl der Patienten mit chronischen Beschwerden hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt.Den Schmerz verstehen...
Deutsche haben mehrmals pro Woche Rücken-schmerzen
Akute oder chronische Rückenschmerzen sind inzwischen eine Volkskrankheit geworden. Doch die Mehrzahl der über 11 Millionen Patienten in Deutschland, die mehrmals pro Woche unter Rückenschmerzen leiden, leidet im Stillen. Ihre Tortur dauert oft jahrelang, in diesem Zeitraum konsultieren sie durchschnittlich acht verschiedene Ärzte. Aus Furcht vor einem Therapieversagen tritt bei einem Drittel der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen schließlich das Gegenteil ein: Sie gehen einfach nicht mehr zum Arzt.
Ein Drittel der Betroffenen geht nicht zum Arzt
Das ist kein Wunder, denn nicht selten stoßen sie auf Unverständnis oder die Ursache ihrer Beschwerden kann nicht lokalisiert werden. Dabei gibt es heute eine ganze Reihe schonender Therapieverfahren, die dauerhaft von Schmerzen befreien und das Leben wieder lebenswert machen. Voraussetzung für einen Heilungserfolg ist allerdings, dass der behandelnde Arzt den Patienten und seine Symptome ernst nimmt und aus einem breiten Spektrum die individuell passende Therapie anbieten kann.
Vom Warnsignal zum Krankheitsbild
Die Schmerzintensität wird in der Visuellen Analog Skala (VAS) gemessen: 0 'kein Schmerz' – 10 'unerträglicher Schmerz'
Akuter Schmerz, der nur von Zeit zu Zeit auftritt, schützt unseren Körper vor Gefahren. Er ist ein Alarmsignal, das uns auf bedrohliche äußere Einflüsse oder Fehlfunktionen im Inneren des Körpers aufmerksam macht.
Ohne diese Schutzfunktion würden wir Menschen wohl kaum überleben können. Als lernende Wesen verarbeiten wir Schmerz wie andere Erfahrungen auch: Wir erinnern uns an seine Ursachen und Auswirkungen, und die Empfindung des Schmerzes prägt sich tief im Gedächtnis ein.
Diese positive Funktion von Schmerzen geht jedoch verloren, wenn sie chronisch werden. Es entsteht ein eigenständiges neues Krankheitsbild, die chronische Schmerzkrankheit. Wird diese Entwicklung nicht erkannt oder fehlinterpretiert sind oft Fehlbehandlungen die Konsequenz - und damit nicht selten ein unnötiger Leidensweg für den Patienten.
Chronische Schmerzen
Gefahren der chronischen Schmerzkrankheit
Sobald der Schmerz das Leben eines Menschen beherrscht sind die Folgen unter Umständen gravierend: Der Patient fühlt sich von seinem Umfeld nicht ernst genommen und ist desillusioniert. Es besteht selbst bei Jüngeren die Gefahr einer zunehmenden Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit und schließlich Resignation. Der Patient beginnt, sein ganzes Leben auf den Schmerz abzustimmen.
Er zieht sich zurück und lebt in der Furcht, anderen zur Last zu fallen oder ihnen mit seiner nicht enden wollenden Krankheitsgeschichte auf die Nerven zu gehen. Dieser Zustand kann bis zu einer schweren Depression führen. Am Ende steht dann neben dem Schmerz auch noch die Isolation – der Schmerz hat die Gewalt über den Patienten gewonnen. Dabei müsste es genau umgekehrt sein: Der Patient soll den Schmerz in den Griff bekommen!
Deshalb sollten bereits die ersten Anzeichen einer orthopädischen Erkrankung ernst genommen und frühzeitig behandelt werden. Die Einteilung der Schmerzintensität kann in der Diagnose und Therapie von akuten und chronischen Schmerzen wertvolle Hinweise liefern.
Wege aus dem Schmerz
Leichter zurück in ein schmerzfreies Leben
Die Vermeidung von Spätfolgen, also die prophylaktische Medizin, sehen wir als wichtige Aufgabe. Neben der eigentlichen Therapie empfehlen wir daher auch begleitende Maßnahmen wie zum Beispiel Krankengymnastik. Oft ist es dafür leider zu spät und der Patient leidet bereits an einer chronischen Schmerzkrankheit.
In diesem Fall unterstützen wir neben der Behandlung die aktive psychologische Krankheitsbewältigung. Dies geschieht unter anderem durch körperliche Aktivität oder gezielte pharmakologische und verhaltenstherapeutische Maßnahmen. Zusätzlich unterstützt werden unsere Patienten ggf. durch eine Psychotherapie sowie von unseren speziell geschulten Physiotherapeuten.
Aktive Selbstkontrolle und eine erlernbare Steigerung der Genussfähigkeit haben sich als wirksame Strategien gegen chronischen Schmerz ebenfalls bewährt. Sie greifen direkt auf das Nervensystem zu und beeinflussen Lernvorgänge positiv.
Wir setzen also an mehreren Punkten an und gestalten die Therapie möglichst interdisziplinär. Dadurch lindern wir die nicht zu unterschätzenden Folgen des chronischen Schmerzes wie Isolation und Depression. Der Patient kann schneller wieder aktiv sein, das Leben genießen und die Erinnerung an das Gefühl des Leidens verschwindet langsam aus seinem Gedächtnis: erste Schritte in ein schmerzfreies und genussfähiges Leben.
